Beim Anblick des Lichtermeers aus Tausenden von Handylichtern glaubt Sarah Connor zu träumen. Erstaunt ruft sie: „Das ist mein Leben!“ Und performt „Ich wünsch dir“. Damit sendet sie allen Heranwachsenden Mut machende Power. Dass dabei mit Jakob Manz einer der angesagtesten deutschen Jazz-Saxofonisten mit ihr auf dem 13 Meter weit ins Publikum ragenden Laufsteg steht, ist einmal mehr ihrer ganz eigenen Musikalität geschuldet, die einfach in ihrer DNA liegt. War ihr Großvater doch schon Jazz- und Blues-Musiker.

Donnerstag
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Der Berliner Gig ist der zweite von 15 Stopps auf der aktuellen Arena-Tour von Sarah Connor, einer 120 Menschen starken Travel-Party auf Rädern. Mit dabei sind ihre grandiose neunköpfige Band voller phänomenaler Instrumentalisten, drei Background-Sängerinnen sowie vier Tänzerinnen und zwei Tänzer, von denen einige auch fantastische akrobatische Tricks zeigen. Im Gepäck hat der Popstar natürlich auch viele Songs aus dem 2025er-Album „Freigeistin“, Connors fünftem Longplayer an der Spitze der Popcharts in Deutschland und dem dritten auf Deutsch, sowie alle beliebten Hits aus 25 Jahren Bühnenschaffen.
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Die spektakuläre Show dazu hat die Musikerin selbst mit ihrem Team ausgeheckt. Dafür hängen 54 Tonnen Equipment an der Decke, die in 18 Tracks transportiert werden, um nur einige der Tour-Superlative zu nennen. Die atemberaubenden Visuals laufen dabei auf insgesamt 531,5 Quadratmetern LED-Flächen, die sich auf sechs bewegende Leinwände verteilen. Aber auch ohne die High-End-Bühnenproduktion wäre der Hauptstadt-Auftritt in der bis unters Dach ausverkauften Uber Arena wohl ein Heimspiel für die Wahlberlinerin.

Beim Duett mit Rapper Sido drehen alle durch
Dass die anfangs wie eine Lichtgestalt in Weiß gekleidete Musikerin ein absoluter Liebling der Berliner ist, beweist der nicht enden wollende frenetische Jubel der Menge. Und sie ist ein Vorbild für viele Kids, vor allem Mädchen, die zahlreich in Begleitung ihrer Eltern gekommen sind. Im Publikum sind aber auch Freunde, Familie und die vier Kinder der Künstlerin. Was Anlass für private Geschichten ist. So erzählt die 45-Jährige, wie es ihr erging, als ihre beiden Ältesten nach London zogen. Das ziemlich leere Nest habe sie so heftig getroffen, dass sie sich in die Betten der Kinder gelegt und geheult habe. Doch Sarah Connor ist sich bewusst, dass man die, die man liebt, loslassen muss, damit sie zurückkommen können. Mit einer Geste in Richtung der oberen Tribünen ruft sie strahlend: „Und da sind sie wieder!“
Auf diese unmittelbare, sympathische Weise nimmt Sarah Connor ihre Fans immer wieder mit auf ihre eigene Achterbahnfahrt der Emotionen. Wechselt musikalisch zwischen Liebe, Verzweiflung, Wut, Glück und allen Schattierungen dazwischen. Schon im Intro setzt sie dabei ein Zeichen: Sie schwimmt auf den Videowalls wie eine coole Meerjungfrau mit einem Buckelwal. Ein berührender, verletzlicher Moment, der im Song „Ich liebe Dich“ gipfelt.
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Augenblicke wie dieser passen zur Authentizität von Sarah Connor, die sich in den letzten zehn Jahren künstlerisch wieder und wieder gehäutet hat und längst nicht nur eine der erfolgreichsten und sicherlich die beste Sängerin hierzulande ist. Sie hat sich auch zu einer unfassbar guten Songwriterin entwickelt, die in ihren Liedtexten schwierige Lebensphasen und Probleme ehrlich auf den Punkt bringt. Wie eben in den Songs ihres Albums „Freigeistin“, in die ihre persönlichen Erfahrungen aus sechs Lebensjahren eingeflossen sind. Und die sie jetzt fast alle performt. Wie die mitreißenden Titel „My French Girlfriend“ und „Geiles Leben“.
Ihr Pop mag dabei stets charttauglich sein, aber die Lieder sprechen schonungslos Klartext. Wie „Ficka“, ihre deutliche An- und Absage an alle Kritiker und Hater. Ihnen hält sie mit der Refrainzeile entgegen „Ich mach‘ mir die Welt, widde-wie sie mir gefällt“. Eben genauso wie die zitierte Rebellin und Freigeistin Pippi Langstrumpf. Und die ganze Halle singt inbrünstig mit.
Dass sich ihr Image im Laufe der Jahre komplett verändert hat, daran erinnert auch das Medley ihrer englischsprachigen Songs aus den Anfängen ihrer Karriere, unter anderem mit „From Sarah with Love“, ihrer ersten Nummer-eins-Single 2001. Sarah Connor ließ sich damals nicht in das Korsett der deutschen Königin der souligen Powerballaden stecken, sondern bog schnell in andere musikalische Richtungen ab und probierte sich aus. Zum Glück, muss man heute sagen. Künstlerisch fand sie endgültig 2015 zu sich mit dem Album „Muttersprache“. Seitdem schreibt sie nicht nur immer tiefsinnigere Songs, ihre deutschen Lieder und ihre unfassbare Mehr-Oktaven-Stimme sind zudem ein perfektes Match.
Dass sie sich bei einer der rasanten Choreografien eine blutige Lippe einfängt, hält sie auch nicht davon ab, mit ihrem Gitarristen noch ein Akustik-Set zu spielen, das die Gefühle mit „Zusammen ist man weniger kaputt“ einmal mehr gehörig anspricht, bevor das letzte Drittel der Show mit dem groovenden „Wilde Nächte“ eingeläutet wird und die Stimmung endgültig hochkocht.
Höhepunkt des Abends dabei ist ihre neue Single „Interstellar“ mit Rapper Sido. Was für ein Duett. Die Halle steht Kopf. Damit alle wieder runterkommen, gibt es anschließend „Vincent“ als Blues mit Regenbogenfahne. Der Abend endet erst nach über 30 Songs. Eine gigantische Performance mit einer überragenden Sarah Connor. Danach ist die Vorfreude auf das Sommer-Konzert in der Waldbühne riesig.







