Ein Rentner geht noch mal zur Uni. Und studiert Kunstgeschichte. Nicht weil ihn das Fach interessiert. Im Gegenteil. Damit hat er nichts am Hut. Nur wegen der Professorin. Alice Olsen (Iris Berben) war nämlich die große Jugendliebe von Walter Adler (Heiner Lauterbach). Ein Heiratsantrag ging damals aber so gründlich daneben, dass sie gleich ganz mit ihm Schluss gemacht hat.
Leider war das nur eine fast perfekte Drehbuchidee
Über 40 Jahre ist das her. Jetzt trifft er sie zufällig wieder. Und will an frühere Zeiten anknüpfen. Sie will das aber auf keinen Fall: Während die weltoffene Dozentin die ganze Welt bereist hat und ihre Unabhängigkeit genießt, ist der Ingenieur für sie der Inbegriff deutscher Spießigkeit. Der lässt sich aber auch von mehreren Neins nicht abschrecken. Wenn sie sich nicht mit ihm treffen will, dann setzt er sich eben in ihren Hörsaal! Und stört mit Zwischenfragen. Ist das noch RomCom? Oder schon Stalking?
„Ein fast perfekter Antrag“ bietet eine interessante Komödienanordnung. Weil dies eine romantische Komödie für „Very Best Ager“ ist (so lautete auch der Arbeitstitel des Films), die zwar heutzutage einen Großteil des Kinopublikums stellt, was sich aber selten in Filmfiguren widerspiegelt. Und dann werden hier gleich zwei beliebte Stars aufgeboten: Iris Berben und Heiner Lauterbach, die trotz ihrer langen Karrieren noch nie ein Paar gespielt haben, es aber unbedingt einmal tun wollten. Auch wenn der eine hier so sehr will, wie die andere sich dagegen sträubt.
Leider war das nur eine fast perfekte Drehbuchidee. Die Produktion ist ein Musterbeispiel für deutsches Filmkomödienmittelmaß, das niemandem wehtun will, den vorhersehbaren Plot ohne jede Überraschung durchnudelt, Pointen immer extradick aufträgt und die Schauspieler so aufgesetzt agieren lässt, dass das nie echt wirkt und auch nicht charmant. Lauterbach muss seinen Ingenieur so eindimensional piefig geben, dass man Berbens anfängliche Abwehr sehr gut versteht, nicht aber, dass sie sich dann doch auf ihn einlässt.

Dann sind da noch die jungen Studenten an der Uni, die alle schon Adlers Enkel sein könnten, aber keine wirkliche Rolle spielen und keine eigenen Charaktere entwickeln. Bis auf den non-binären Zero (Jonathan Perleth), den der Senior dann irritiert fragen muss, ob er sich in der Damentoilette verirrt habe. Er tritt auch sonst in alle erwartbaren Fettnäpfe von People of Color bis Bodyshaming.
Das ist Humor für die dritten Zähne. Simon Verhoeven hat in „Alter Weißer Mann“ das Unverständnis und die Überforderung gegenüber der jüngeren Generation sehr viel feiner aufs Korn genommen als Komödien-Routinier Marc Rothemund. Man muss die beiden Stars schon sehr mögen, um ihnen dieses Happy End abzukaufen.
Komödie, Deutschland 2026, 105 min., von Marc Rothemund, mit Heiner Lauterbach, Iris Berben, Jonathan Perleth.



