Diese großen Kinderaugen ließen niemanden unberührt: Der Leserpreis der Berliner Morgenpost im Wettbewerb der Berlinale geht an den mexikanischen Beitrag „Moscas“ (Fliegen) von Fernando Eimbcke. In expressiven Schwarz-Weiß-Bildern erzählt der Film von einer älteren alleinstehenden Frau, die sich von der Welt weitgehend zurückgezogen hat und selbst die Nachbarn in ihrem Wohnhaus als Belästigung empfindet. Bis sie sich einer Operation unterziehen soll, die sie nicht bezahlen kann, weshalb sie einen Angehörigen einer Patientin vom Krankenhaus gegenüber für ein paar Tage zur Untermiete aufnimmt.

„Ein Film über Zuversicht und Zusammenhalt, der Kraft gibt“, urteilte die Jury

Der schmuggelt allerdings seinen neunjährigen Sohn mit in die Wohnung, und weil auch er kein Geld hat, um die Übernachtungen zu zahlen, muss er arbeiten gehen. Unfreiwillig muss sich nun die alte Dame um den kleinen Jungen kümmern. Was sie erst als Zumutung empfindet, bis sich langsam eine Freundschaft zwischen ihnen entwickelt – und die verschlossene Frau sich auch wieder der Umwelt öffnen kann.

"Moscas" (Flies) Photocall - 76th Berlinale International Film Festival
Regisseur Fernando Eimbcke mit seinem Kinderdarsteller Bastian Escobar.© Getty Images | Arturo Holmes

Ein stilles Drama, großartig gespielt von Teresita Sanchez und dem kleinen Bastian Escobar. „,Moscas‘ ist ein bewegender Film, dessen Figuren unsere Herzen berührt haben“, so die Begründung der Jury. „In ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Bildern werden große Themen des Lebens verhandelt. Ein Film über Zuversicht und Zusammenhalt, der Kraft gibt – auch in schwierigen Zeiten.“

Fernando Eimbcke war bereits nach Mexiko zurückgereist und kam extra für die Preisverleihung noch mal nach Berlin. Er war vollkommen überrascht und bedankte sich bei allen Juroren einzeln, mit Handschlag. „Ich kann gar nicht sagen, wieviel mir das bedeutet“, sagte er in seiner Dankesrede. Der Film sei mit schmalem Budget und einem ganz kleinen Team über vier Jahre hin entwickelt worden, geschnitten wurde er in seinem Schlafzimmer. Und nun erlebe er diese Reise damit.

Der Film hat einen Verleih gefunden und kommt in die deutschen Kinos

Eimbcke dankte seinem Team, vor allem Bastian Escobar, „unserem kleinen Helden“, aber auch seiner Heimat Mexiko. Und er widmete den Preis allen Kindern dieser Welt - und erinnerte daran, dass allein in Gaza über 17.000 Kinder getötet wurden. Die schönste Auszeichnung für Eimbcke aber ist, dass er gerade auch einen Vertrag mit einem deutschen Verleih, Piffl Medien, geschlossen hat. Der Film wird also auch in deutsche Kinos kommen.

Donnerstag

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Der Leserpreis der Berliner Morgenpost wird seit 1974 verliehen. Zwölf Leserinnen und Leser besuchen den Wettbewerb des Festivals, um am Ende daraus den Publikumsfavoriten zu wählen, eine Ergänzung zu den Bären der Internationalen Jury. Der Preis ging zuletzt an Matthias Glasners „Sterben“ (2024) und „Das tiefste Blau“ (2025) von Gabriel Mascaro.