Die Zahlenkombination 101 steht im Netzjargon der Gegenwart für grundlegendes Wissen, ohne das man nicht weiterkommt. Der Highway 101 dagegen verbindet an der US-amerikanischen Pazifikküste die Bundesstaaten Washington, Oregon und Kalifornien. Er fräst sich auch durch die Millionenmetropole Los Angeles.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Youtube, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Mit dieser hübschen Doppelbedeutung spielt Bart Laytons nahezu perfekter Thriller, der auf einer Erzählung von Don Winslow beruht. Davis (Chris Hemsworth) ist ein hochperfektionistischer Juwelendieb, der seine Raubzüge entlang der genannten Autobahnroute begeht – und dabei seinen Prinzipien treu bleibt: Niemand wird dabei verletzt oder gar getötet, das Risiko wird auf ein Minimum reduziert und sobald er genügend Geld beiseitegeschafft hat, macht er Schluss.

Auch interessant

Einer wie Davis wäre nicht halb so unterhaltsam, gäbe es nicht einen Counterpart auf der anderen Seite des Gesetzes: Detective Lt. Lubesnik (Mark Ruffalo), der mit leichtem Übergewicht und übermüdetem Dreitagebart-Gesicht durch die Gegend stapft, sich in den Fall verbeißt und sich für seine Theorien dazu auf dem Revier auslachen lassen muss.

Das Dreieck komplettiert die Versicherungsmanagerin Sharon (Halle Berry), die in ihrem Unternehmen für besonders vermögende Kunden und ihre Statussymbole zuständig ist. Ihre Vorgesetzten haben ihr schon vor Jahren eine Beförderung versprochen, halten sie aber hin.

Crime 101
Hart und ohne Hemmungen: Ormon (Barry Keoghan). © Sony | Amazon/MGM

Schnell wird also klar, worin die Gemeinsamkeit des Trios liegt: Alle drei müssen sich ihre Ambitionen von der schnöden Wirklichkeit zurechtstutzen lassen – auch Juwelendieb Davis, dessen Auftraggeber Money (ein seltenes Wiedersehen mit dem inzwischen 84-jährigen Nick Nolte) ihn in einen Überfall schicken will, der einem Himmelfahrtskommando gleicht. Als Davis ablehnt, engagiert Money den jüngeren und skrupelloseren Ormon (Barry Keoghan).

Auch interessant

Die Sympathieträger der Geschichte erhalten moralische Legitimation durch erlittenes Unrecht: Diese etwas brüchig gewordene Schablone des US-Kinos hält „Crime 101“ davon ab, ein wirklich großer Film zu sein. Sonst ist hier alles makellos: Die Räder der Plotmaschine greifen in perfektem Rhythmus ineinander, und das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Davis und Lubesnik lässt in seinen besten Momenten an das großartige Duell von Al Pacino und Robert De Niro in Michael Manns epochalem Epos „Heat“ (1995) denken – der ebenfalls in Los Angeles spielt und der von ständig befahrenen Betonschneisen durchschnittenen Stadt ein melancholisches Denkmal gesetzt hat. Regisseur Bart Layton gelingt es, an diese Tradition anzuknüpfen – mit einem atemberaubend spannenden Film.

Thriller, USA/GB 2026, 139 min., von Bart Layton, mit Chris Hemsworth, Halle Berry, Mark Ruffalo, Barry Keoghan