Sie war, wie sie selbst gesteht, lange nicht mehr in Berlin. Deshalb freut sich die Autorin und Sängerin Erika Pluhar umso mehr, dass der Matinee-Talk mit ihr am Sonntag im Renaissance-Theater so gut besucht ist. Wo sie in einem Alter ist, wo man sie schon nicht mehr kennen könnte. Als Gregor Gysi, der sie in seiner Talkreihe „Begegnungen“ begrüßt, ihr Geburtsjahr erwähnt, wiederholt sie es: ’39! Unglaublich, dass diese Dame nächsten Monat 87 werden soll. So jung, so agil wirkt sie. Und steht zu ihrem Alter, will gern alte Dame genannt werden: „Wann, wenn nicht jetzt?“

Die Buhlschaft drei Mal abgelehnt: „Der ,Jedermann‘ ist „einfach blöd“

Wie sie aber nicht mehr bezeichnet werden will: Als die (ehemalige) Frau von André Heller. Oder als die Schauspielerin vom Burgtheater. Mit dem Schauspiel hat sie an ihrem 60. Geburtstag abgeschlossen. „Ich will“, sagt sie, „nur noch ich sein.“ Und deshalb kommen ihre Fans: Um diese Frau mit der markanten Stimme und ihrer immer klaren Haltung zu erleben. Die noch im vergangenen Jahr ein neues Buch herausgeben hat, „Spät, aber doch.“

Sie erzählt alles. Von ihren Höhen. Und ihren Tiefen. Dass ihre Stimme eigentlich noch viel tiefer war und im Schauspielunterricht langsam erhöht wurde. Dass sie André Heller, mit dem sie immer noch gut befreundet ist, nur „Fritzi“ nennt, weil ihr der André Heller immer zu heilig ist. Dass ihr die Salzburger Festspiele drei Mal die Buhlschaft angeboten haben, sie aber stets abgelehnt hat – weil der „Jedermann“ einfach „blöd“ sei.

GER, Berlin, TV, maischberger, 16.09.2025,
In seiner Talkreihe „Begegnungen“ trifft Gregor Gysi auf Menschen, die etwas erlebt und etwas zu sagen haben.© picture alliance / HMB Media | Uwe Koch

Und sie stolz darauf ist, nie Werbung oder einen Rosamunde-Pilcher-Film gedreht zu haben, sondern immer nur Produktionen gemacht hat, die ihr etwas bedeutet haben. Sie blickt mit Stolz auf ihre künstlerische Laufbahn zurück, auch wenn ihr das Leben privat „viel eingeschenkt“, viele Schicksalsschläge bereitet hat.

Über den größten hat Erika Pluhar schon ein Buch geschrieben, auf ihn kommt sie auch jetzt immer wieder zu sprechen: wie ihre Tochter Anna mit nur 37 Jahren an Asthma starb. An diesem Tag, gibt die Pluhar unumwunden zu, sei sie gestorben. Verrät aber, wie sie gelernt hat, weiter zu machen. Es vergehe kein Tag, an dem sie nicht, vor dem Foto ihrer Tochter, ein „Trotzdem“ ausspricht. Ein Lebensmotto, das sie seither begleitet.

Schon früh hatte Erika Pluhar eine klare politische Haltung

Und mit dem sie all den Schrecklichkeiten von heute begegnet. Dass Krieg wieder ganz nah ist und der Faschismus weltweit um sich greift, daran verzweifelt sie zuweilen, die in ihrer Geburtsstadt Wien ausgebombt wurde und deren Vater selbst ein Nazi war. Weshalb sie schon früh Antifaschistin wurde. Sie habe „nur noch ein paar Jahre in Wien“, aber sie habe auch einen Urenkel, und wünscht sich, dass er noch mal eine schönere Welt erleben wird.

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Und so verabschiedet sich Erika Pluhar am Ende auch von ihren Fans. Als sie das Mikro schon abgelegt hat, spricht sie ein letztes, lautloses „Trotzdem“.