Was auch immer am Berliner Kulturforum passieren mag: Der Star des Ortes wird die Platane bleiben. Mehr als 150 Jahre ist sie inzwischen alt. An der Treppe zur Empore in St. Matthäus hängen Fotografien, auf denen man das Gewächs unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs sieht, unversehrt neben der verwüsteten Kirche. Als habe es im Bombenhagel unter einem besonderen Schutz gestanden.
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Es war klar, dass ein Neubauprojekt wie das Museum berlin modern, das derzeit für mehr als 500 Millionen Euro am Kulturforum entsteht – als schlichter Großriegel mit Satteldach zwischen Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie und Edgar Wisniewskis Kammermusiksaal – der Grandezza des Baumes Rechnung tragen muss. Die Architekten Herzog & de Meuron sahen deshalb eine halbkreisförmige Aussparung im Gebäude vor. Nach der Baustellenbesichtigung anlässlich des Richtfestes am Freitag kann man vermuten, dass der Plan aufgehen wird.

Rund um die Platane wird es ein gastronomisches Angebot geben, eine Art Biergarten, wohin man sich auch eigenen Proviant mitbringen kann. Was angesichts benachbarter Kunst von Gerhard Richter über Rebecca Horn bis zu Joseph Beuys zweitrangig klingen mag, ist in seinem Wert für den Ort kaum zu überschätzen. Denn woran das Kulturforum in den letzten Jahrzehnten krankte, war gerade seine fehlende Aufenthaltsqualität.
Die Brachfläche zwischen den ikonischen Gebäuden mitsamt der schräg nach oben führenden Piazzetta bot nur tristen Ausblick auf den Verkehr der Bundesstraße 1 und die misslungene Architektur des Potsdamer Platzes. Kaum jemand, der sich gern hier aufhielt. Mit dem berlin modern und seinen 9000 Quadratmetern Ausstellungsfläche im Rücken und dem Baum vor Augen ergeben sich nun erfreulichere Perspektiven. Klaus Biesenbach, Direktor der Neuen Nationalgalerie, spricht davon, dass das Kulturforum zugleich geöffnet und geschlossen werde. Beim Rundgang wird klar, was er damit meint.
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Für die Gäste des neuen Gebäudes wird entscheidend sein, dass man auch ohne Ticket zur Platane kommt. Wer das berlin modern vom Scharoun-Platz aus betritt, blickt geradeaus auf das 480 Quadratmeter große Atrium mit darauf hinführender Treppe und einer Schräge für Sitzgelegenheiten – hier sollen in Zukunft bei Tageslicht performative Arbeiten gezeigt werden. Rechts geht es zur Gastronomie, auf der linken Seite, Richtung Potsdamer Straße und zwei Stockwerke hoch, ist ein großer Raum für Joseph Beuys‘ Großinstallation „Das Kapital Raum 1970–1977“ reserviert.

Etwas weiter hinten gibt es eine ebenfalls ticketfrei nutzbare Passage durch das Gebäude, auf der man, flankiert von Kunst, zur dahinter liegenden Gemäldegalerie gelangen kann. Auch wenn Fassadenpläne kassiert, Tore verkleinert, Tunnel gestrichen und diverse andere Anpassungen vorgenommen werden mussten: Die sympathischen Grundideen des Entwurfs sind erhalten geblieben. Mag der unverklinkerte Sichtbeton momentan noch den Charme eines Parkhauses verströmen: Die Flächen auf der Rückseite des Gebäudes dürften sich tatsächlich zu einem Forum entwickeln, auf dem man sich begegnen kann.

Die Neue Nationalgalerie kann derzeit aus schierer Flächennot nur etwa drei Prozent der Sammlung zur Kunst des 20. Jahrhunderts präsentieren. Mit dem Museum berlin modern wird sich das ändern. Auch großformatige Arbeiten, wie sie momentan nur im Hamburger Bahnhof gezeigt werden können, werden bei Deckenhöhen von fünf bis zehn Metern ihren Platz finden. Einige Videoinstallationen im Rohbau zeigen das jetzt schon. Für Anselm Kiefers aus Blei bestehendes Werk „Volkszählung“, das 32 Tonnen wiegt, wurde im Untergeschoss an zwei Stellen der Boden verstärkt. Neben Schenkungen und Leihgaben aus den Sammlungen Pietzsch, Marzona und Marx werden auch das Kupferstichkabinett und die Kunstbibliothek mehr Sichtbarkeit für ihre Bestände erhalten. Bis dahin wird es freilich noch dauern: Die Eröffnung des Museums ist für 2029 vorgesehen.
Die Baustelle kann am 18. Oktober (10–18 Uhr) und am 19. Oktober (10–16 Uhr) besichtigt werden. Zugang über Scharounplatz / Ecke Potsdamer Straße.





