Harter Rhythmus und hymnische Melodien, dafür stehen Linkin Park. Abermillionen von Fans hatten lange Zeit nicht mehr auf frisches Songmaterial der Kalifornier zu hoffen gewagt oder gar darauf, die Alternativ-Rock-Giganten jemals wieder live erleben zu dürfen. Aber dann gab es das spektakuläre Comeback im letzten Jahr. Seitdem läuft die gut geölte Band-Maschinerie wieder – und doch ist alles anders.

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Wenn Linkin Park diesen Mittwoch das ausverkaufte Olympiastadion auf ihrer „From Zero World Tour“ rocken, ist es fast auf den Tag genau acht Jahre her seit dem letzten Konzert der Nu-Metal-Pioniere in Berlin. Damals spielte die Band in der Mercedes-Benz Arena, wie die Uber Arena seinerzeit hieß. Es war das letzte Konzert mit Sänger Chester Bennington in Deutschland. Nachdem er lange gegen seine Süchte und Depressionen gekämpft hatte, rangen ihn seine Dämonen nieder. Er erhängte sich mit nur 41 Jahren rund einen Monat später in seinem Haus im noblen Städtchen Palos Verdes Estates.

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Heute feiern Linkin Park mit der neuen Lead-Sängerin Emily Armstrong längst wieder einen Triumph nach dem nächsten. Der Weg dorthin war jedoch steinig, denn der Tod von Chester Bennington 2017 war für die Band ein Tiefschlag, auch wenn der Gedanke an ein mögliches Comeback von Linkin Park nie ganz weg war. Doch wie macht man weiter nach so einem tragischen Verlust? Schließlich war die Bandmitglieder mit Chester Bennington nicht nur freundschaftlich verbunden. Mit dem charismatischen Frontmann kam 1999 auch der Erfolg, als er zu der drei Jahre zuvor gegründeten Formation stieß.

Italy: Linkin Park live at IDays festival in Monza
Chester Bennington auf einem Linkin-Park-Konzert im italienischen Monza, 2017. © picture alliance / Pacific Press | Mairo Cinquetti

Benningtons einzigartige Stimme hat die Songs von Linkin Park unsterblich gemacht, verstand er sich doch auf die große Bandbreite emotionaler Schattierungen. Egal, ob verletzlich und leise oder roh voller Wut und Energie – er berührte in jedem Moment. Zumal sich sein hoher, kraftvoller Gesang bestens mit dem tieferen Rap von Co-Frontmann Mike Shinoda ergänzte. Einen Ersatz zu finden, der mit dem Bariton des kreativen Band-Masterminds matcht, war daher gar nicht so einfach. Und es war nicht die einzige Herausforderung, da Schlagzeuger Rob Bourdon die Band nach Benningtons Tod ebenfalls verließ.

Emily Armstrongs Auftritt: „Das war der Knall“

Die Wiedergeburt von Linkin Park war denn auch ein langer Prozess. Immer wieder mal hatten sich Gitarrist Brad Delson, Bassist Dave Farrell, DJ Joe Hahn und natürlich Sänger und Multi-Instrumentalist Mike Shinoda in den letzten Jahren getroffen. Weniger, um einen Neustart zu wagen, sondern um Zeit miteinander zu verbringen. Aber Musik und Kreativität ließen sich dabei selbstverständlich nicht aussperren. Also ging es auch ins Studio. Dazu luden die vier zahlreiche Kollegen ein. Nach und nach stellte sich heraus, dass die Chemie mit Emily Armstrong sowie mit Drummer und Produzent Colin Brittain einfach passte. Als die Sängerin 2019 erstmals zu einem dreitägigen Probesingen eingeladen war, zündete der Funke sofort. „Als ich Emilys Stimme hörte, war es für mein Gehirn das erste Mal, dass es wieder einen Song von Linkin Park akzeptierte“, sagte Shinoda. Und Joe Hahn, der DJ der Band, wusste: „Das war der Knall.“

Paris Saint-Germain - Inter Mailand
Linkin Park am 31. Mai beim Finale der Champions League in München. © Robert Michael/dpa | Robert Michael

Das neue Album „From Zero“ entstand schließlich 2023. Veröffentlicht wurde es letzten November. Der doppeldeutige Titel bezieht sich zum einen auf den Reboot von Linkin Park mit zwei neuen Mitgliedern, zum anderen auf den ursprünglichen Bandnamen Xero bezieht. Mit dem Longplayer brach die Band weltweit Chart-Rekorde. Ein maßgeschneidertes Comeback, das den charakteristischen Sound aus Alternative Rock, Rap, Electro und Nu Metal weiterträgt. Und das mit Emily Armstrong eine neue Klangfarbe hinzufügt. Zugleich geht man mit einer Sängerin äußerst weise dem direkten Vergleich mit dem übermächtigen Chester Bennington aus dem Weg.

Die Rückkehr von Linkin Park war bis ins Detail von langer Hand vorbereitet worden. Erst kündigte die Band Anfang letzten September das neuen Album mit der Veröffentlichung der Leadsingle „The Emptiness Machine“ an und gab die Neubesetzungen bekannt. Anschließend veranstaltete man zum Warmwerden mit der neu formierten Band gleich noch eine Handvoll Konzerte, darunter eines in Hamburgs Barclay Arena, das binnen Minuten ausverkauft war. Dann erschloss sich die Band durch eine Kooperation mit dem Gaming-Riesen „League of Legends“ ganz neue Hörerschichten, als man zu den World Finals in Londons O2-Arena live die neue Hymne „Heavy Is The Crown“ beisteuerte. Und als finaler Akt folgten das Album und die Welttour.

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Allerdings äußersten sich eine Menge Fans kritisch über Emily Armstrong, zuvor Sängerin der US-Rock-Band Dead Sara. Es entbrannte eine heftige Kontroverse um ihre familiäre Verbindung zu Scientology. Ihre Eltern sind prominente Mitglieder der Sekte, und sie wurde in diese hineingeboren. Außerdem hat sie früher den verurteilten Vergewaltiger Danny Masterson unterstützt. Von Letzterem distanzierte sich Armstrong öffentlich, nicht aber von Scientology.

Musikalisch gibt es indes keine Einwände gegen Armstrongs Gesang. Ihre energetischen, mitreißenden Auftritte sind längst ein großes Plus bei den bombastischen Live-Shows. Und der Popularität der Band hat all der Gegenwind nicht geschadet. Mit mehr als 160 Millionen verkauften Alben und Singles sind Linkin Park ohnehin nach wie vor eine der kommerziell erfolgreichsten Bands des 21. Jahrhunderts. Mit „From Zero“ und der aktuellen Tour haben sie außerdem hinlänglich bewiesen, dass sie ihre musikalische Identität behalten haben. Live setzt die Band weiterhin auf das bewährte Rezept aus eingängigen Refrains, stakkatohaften Riffs mit einer Prise Härte. Auch die Setlist mit alten und neuen Hits lässt das Fan-Herz höher schlagen. Also die perfekte Mischung aus Band-Nostalgie und Neuanfang.

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Olympiastadion, Olympischer Platz 3, Charlottenburg, 18.6., Support ab 17.30 Uhr, Linkin Park 20 Uhr, Tickets über www.ticketmaster.de. Sollten Sie selbst unter Depressionen oder Suizidgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen Sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800-/111-0-222 oder im Internet unter www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.