Sein Konzertprogramm „Burn On“ zu nennen, ist ganz schön kühn. Damit verschreckt man alle, die mit einem Burn-Out nichts zu tun haben wollen. Und verletzt vielleicht auch solche, die darunter leiden. Gibt es so jemanden in der Bar jeder Vernunft? Das fragt die Wiener Gruppe 5/8erln in Ehr’n denn auch gleich zu Beginn.

Ihre Marke ist Wiener Soul. Man könnte es auch satirischen Soul nennen

Bei ihrem letzten Konzert in Linz habe es jemanden gegeben, dem haben sie dann erst mal einen Rat gegeben, der einem schon beim Zuhören weh tut. Aber vor jedem Burn-Out gibt es erstmal einen Burn-On. Und eigentlich ist ihr Programm ja ein Anti-Burn-Out-Programm. Weil sie mit ihrer Musik gegen den Wahnsinn von Dauerstress und Reizüberflutung anspielen. Und in diesen spalterischen Zeiten zur Abwechslung mal das suchen, was alle verbindet.

Ihre Spezialität ist Wiener Soul, so nennen sie es selbst. Wobei sie nicht nur coolen Jazz bieten. Sondern das mit deftigen Texten und Zwischenmoderationen würzen. Man könnte das auch satirischen Soul nennen. Ein feiner und doch fieser Witz, wie das nur die Österreicher können. Einer ihrer Hits heißt zum Beispiel „Der totale Sommerhit“. Und so preisen sie ihn auch an: „Wollt ihr den totalen Sommerhit?“ Und wenn das Publikum „Jaaa“ antwortet, nicken sie wissend: „In jedem von Ihnen steckt ein kleiner Oberösterreicher.“ Aber dann kriegt man ihn auch, den totalen Sommerhit. Der vielleicht kein totaler, aber doch ein schöner Song ist.

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5/8erl in Ehr'n bei ihrem Gastspiel in der Bar jeder Vernunft.
5/8erl in Ehr'n bei ihrem Gastspiel in der Bar jeder Vernunft. © MuTphoto | Barbara Braun

In ihrer Heimat sind die fünf Musiker längst Kult. Im vergangenen November haben sie nun erstmals oberhalb des Weißwurstäquators gespielt und in der Bar jeder Vernunft ihr Berlin-Debüt gegeben. Damals mit ihrem Programm „18 Jahre Wiener Soul“, mit dem sie, wie sie selbstironisch meinen, volljährig geworden sind. Nun stellen sie ihr neues Album vor, das siebente bereits: „Burn On“. Detox gegen den Alltagsstress.

Jeder im Zelt singt beim zungenbrecherischen Refrain mit

Ganz gemütlich sitzen sie da, alle mit weißem Hemd und schwarzen Hosenträgern auf ihren Stühlen. Gitarristin Miki Liebermann, Bassist Hanibal Scheuz und E-Pianist Clemens Wenger hinten und die Sänger Robert Slivosky und Max Gaier vorn. Ganz entspannt sprechen sie ihre kleinen Gemeinheiten aus, drohen dem Publikum mit Mitmach-Aufgaben, worauf die sich aber nur allzu schnell einlassen und selbst in einen so zungenbrecherischen Refrain wie „Nackadipatzi-nockerpatzerl-Nackatipatzi Nackt“ einstimmen.

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Als Gegenleistung dürfe man auch fragen, wenn man was nicht versteht. Denn davor haben sie doch a bisserl Angst, dass man dem Idiom des Nachbarlandes nicht ganz folgen könnte. „Haben Sie das auch verstanden?“, fragen sie immer wieder. „Wir können nächstes Mal auch langsamer singen!“   

Donnerstag

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Man versteht vielleicht nicht alles. Muss man aber auch gar nicht. Man amüsiert sich auch so ganz prächtig. Selbst die Werbung am Ende für eigene Tonträger und T-Shirts wird zu einer veritablen Nummer. Ein charmanter Abend, ganz ohne Stress. Zum Anbörnen für alle, die 5/8erl noch nicht kennen sollten. Aber auch für all jene, die sie längst in Ehr’n halten.