Es war ein ungleiches Zusammentreffen, damals auf dem größten Literaturfest Lateinamerikas. Zur Eröffnung der Internationalen Buchmesse im mexikanischen Guadalajara 2011 erzählten Herta Müller und Mario Vargas Llosa vor 1600 Zuschauern, was sie zur Literatur brachte. Der Peruaner, damals schon 75 und ein literarischer Flaneur durch die Geschichte Lateinamerikas sowie der Weltliteratur, ein ergrauter und hoch dekorierter Kosmopolit. Trotz seines Alters wirkte er fast noch jugendlich, jovial und genoss die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Daneben Herta Müller, verschüchtert und verhärmt. 

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Die beiden einte eigentlich nur eines. Der Literaturnobelpreis. Sie bekam ihn 2009, er 2010. Während die Auszeichnung für die deutsch-rumänische Autorin überraschend kam, war das Erklimmen des literarischen Olymps für den Großschriftsteller des „lateinamerikanischen Boom“ von der Fachwelt lang erwartet und von ihm in seinem unerschütterlichen Selbstbewusstsein noch länger ersehnt worden. Zumal sein lebenslanger Freund-Feind Gabriel García Márquez den Nobelpreis bereits 1982 erhalten hatte. 

Nun saßen sie also beide da, die schweigsame Müller und der Red- und Schreibselige Vargas Llosa und erzählten, wie sie über den Schmerz, die Angst und die Einsamkeit den Weg zum Lesen und Schreiben fanden. Müller aus Furcht vor den politischen Verhältnissen, der Peruaner aus Angst vor dem autoritären Vater. Bis zum Schluss drehte sich das Werk von Vargas Llosa zentral um die Macht und ihren Missbrauch. Für ihn war das Schreiben die Waffe gegen Hoffnungslosigkeit und Despotismus. 1990 versuchte er sich mal in der Politik seines Landes, scheiterte aber in der Stichwahl an Alberto Fujimori, der sich vom Präsidenten zum Despoten entwickelte. 

Von Diktatoren und Revolten – Vargos Llosa schreibt 60 Bücher

In den fast 65 Jahren seines Schaffens hat der Autor Vargas Llosa über 60 Bücher geschrieben. Die besten waren die Werke, in denen er gefühlvoll und gekonnt die politische Geschichte Lateinamerikas mit Fiktion verband. So etwa in dem Roman „Harte Jahre“ (2019, dt. 2020) über den Putsch in Guatemala 1954, gefördert von der CIA und der United Fruit Company oder bei seinem Werk über den dominikanischen Diktator Rafael Trujillo „Das Fest des Ziegenbocks“ (2000, dt. 2001). 

Der Peruaner war nicht nur ein Pendler zwischen den Welten, er war auch ein Pendler zwischen den Genres, ein Großschriftsteller im umfassenden Sinne. Er verfasste historisch politische Romane, erotische Komödien, versuchte sich an Krimis und Reiseberichten. Weltbekannt aber wurde er mit seinen Panoramaromanen wie „Die Stadt und die Hunde“ (dt. 1966) oder „Gespräch in der Kathedrale“ (dt. 1976). Mit diesen Frühwerken mitbegründete er den weltweiten Erfolg der Literatur Lateinamerikas. Seinerzeit waren Schreiben und Lesen auf dem von Armut und Ungleichheit gezeichneten amerikanischen Subkontinent etwas aus einer anderen Welt. „Literatur war damals eine marginale Aktivität mit sehr wenigen Autoren, außer in Argentinien und Mexiko”, sagte Vargas Llosa einmal. „Literatur hatte keine soziale Funktion.“ 

Aber gemeinsam mit dem Kolumbianer García Márquez, dem Chilenen José Donoso, Carlos Fuentes aus Mexiko und Julio Cortázar aus Argentinien änderte er das. Gemeinsam schufen sie den „lateinamerikanischen Boom“. In ihren Werken beschrieben die Autoren die sozialen Ungerechtigkeiten in den Ländern, prangerten sie an und trugen die Geschichte und Geschichten dieser faszinierenden Region in die Welt.

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In Peru: Mario Vargas Llosa stirbt im Kreise seiner Familie

Nun ist der Peruaner als letzter dieser Boom-Generation gestorben. „“Mit tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unser Vater heute in Lima im Kreise seiner Familie friedlich gestorben ist“, schrieb sein ältester Sohn Àlvaro in einem Beitrag, den auch seine Geschwister Gonzalo und Morgana Vargas Llosa unterzeichneten. Der Schriftsteller lebte in den vergangenen Monaten von der Öffentlichkeit zurückgezogen in der peruanischen Hauptstadt. In dieser Zeit hatten sich die Gerüchte um eine Verschlechterung seines Gesundheitszustands gemehrt.

Viele Jahre lebte der Peruaner in Madrid. Dort hatte er sich 2015 noch mal neu liiert, verließ seine Frau Patricia nach 50 Ehejahren für die philippinisch-spanische Society-Größe Isabel Preysler (74). Diese war mal mit dem Sänger Julio Iglesias verheiratet. Gemeinsam bewohnten sie eine Art Stadtschloss in der spanischen Hauptstadt. Viele, vor allem in Vargas Llosas Familie, irritierte es, dass der hochintellektuelle Autor auf seine alten Tage in die Welt der B-Promis und Boulevardpresse eingetaucht ist. 2022 trennten sich die beiden wieder. 

2024 erschien Vargas Llosa letzter Roman

Bis zum Ende war Vargas Llosa ein rastloser Schreiber – gerade wegen des Nobelpreises 2010. „Die Auszeichnung führt oft dazu, Schriftsteller lebendig zu begraben“, sagte er 2020 - „Ich habe mich bemüht, dass es bei mir anders ist und auch seither noch viel publiziert“. Im Spätsommer 2024 erschien auf Deutsch sein letzter Roman „Die große Versuchung“, in dem er auch seine Themen Liebe und Politik wieder verwoben hat. Damals sagte er, es sei wohl sein letztes fiktionales Werk. „Obwohl ich ein Optimist bin, glaube ich nicht, dass ich lange genug leben werde, um an einem neuen Roman zu arbeiten, vor allem, weil ich drei oder vier Jahre brauche, um einen zu schreiben“, sagte er der britischen Zeitung „Guardian“.

Vorrangig in seinen späten Jahren hatte sich Vargas Llosa einen Namen als Essayist und Kommentator der Zeitläufte gemacht. Manchmal fanden seine Kolumnen in der spanischen Zeitung „El País“ mehr Leser als seine Literatur. Als politischer Kolumnist aber wandelte er sich zu einem harten und meist undifferenzierten Kritiker alles Linken.

Diese Prominenten sind 2025 gestorben

Mit nur 35 Jahren ist Tatiana Schlossberg, Umweltaktivistin und Enkelin von John F. Kennedy, gestorben.
Mit nur 35 Jahren ist Tatiana Schlossberg, Umweltaktivistin und Enkelin von John F. Kennedy, am 30. Dezember 2025 gestorben. © imago images / ZUMA Press | Sonia Moskowitz
Die französische Film-Ikone Brigitte Bardot ist tot. Die frühere Schauspielerin starb am 28. Dezmeber 2025 im Alter von 91 Jahren in Saint-Tropez.
Die französische Film-Ikone Brigitte Bardot ist tot. Die frühere Schauspielerin starb am 28. Dezmeber 2025 im Alter von 91 Jahren in Saint-Tropez.© AFP/dpa | Valery Hache
Uwe Kockisch
Schauspieler Uwe Kockisch am Set zur zweiten Staffel der ARD-Serie "Weissensee". Der als Commissario Brunetti der gleichnamigen ARD-Krimiserie bekannt gewordene Schauspieler Uwe Kockisch ist tot. Er starb am 23.12.2024 im Alter von 81 Jahren in Madrid.© Bernd Settnik/dpa | Bernd Settnik
Walter Schultheiß
Der Schauspieler Walter Schultheiß starb am 22. Dezember 2025 mit 101 Jahren.© SWR/Schwabenlandfilm/Sabine Hackenberg | SWR - Südwestrundfunk
Rosa von Praunheim wird 80
Der Regisseur Rosa von Praunheim starb am Mittwoch, 17. Dezember, in Berlin. Wenige Tage nachdem er seinen langjährigen Lebensgefährten Oliver Sechting geheiratet hatte.© picture alliance/dpa | Jörg Carstensen
Regisseur Rob Reiner
Hollywood-Regisseur Rob Reiner und seine Frau Michele sind am Sonntag, den 14. Dezember, tot in ihrem Haus aufgefunden worden. Ihr gemeinsamer Sohn Nick Reiner wurde als Tatverdächtiger festgenommen.© Rodrigo Reyes Marin/ZUMA Wire/dp | Rodrigo Reyes Marin
Ingrid van Bergen
Ingrid van Bergen starb im Alter von 94 Jahren in ihrem Zuhause in Niedersachsen. Sie sei friedlich eingeschlafen, sagte eine Vertraute.© Philipp Schulze/dpa | Philipp Schulze
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Der jamaikanische Reggae-Pionier Jimmy Cliff starb im Alter von 81 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung.© Wong Maye-E/AP/dpa | Wong Maye-E
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Der deutsche Schauspieler Udo Kier ist im Alter von 81 Jahren gestorben.© Ralf Hirschberger/dpa | Ralf Hirschberger
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Die Kessler-Zwillinge Alice und Ellen sind im Alter von 89 Jahren gestorben.© Jörg Carstensen/dpa | Jörg Carstensen
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Der Schauspieler und Musiker Björn Andrésen (“Tod in Venedig“) starb vor dem 27. Oktober mit 70 Jahren.© picture alliance / TT NYHETSBYR?N | Fredrik Sandberg/TT | picture alliance / TT NYHETSBYR?N | Fredrik Sandberg/TT
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Der Sohn der Musiklegenden Tina und Ike Turner ist in Los Angeles an Nierenversagen gestorben.© Imago/UPI | IMAGO
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Die berühmte Primatenforscherin Jane Goodall ist im Alter von 91 Jahren gestorben.© AFP | JOEL SAGET
Der Schauspieler Horst Janson, der als Freund von Tiffy und Samson in der „Sesamstraße“ zum Idol einer ganzen Kindergeneration wurde, stirbt am 28. Januar 2025 im Alter von 89 Jahren.
Der Schauspieler Horst Janson, der als Freund von Tiffy und Samson in der „Sesamstraße“ zum Idol einer ganzen Kindergeneration wurde, stirbt am 28. Januar 2025 im Alter von 89 Jahren.© dpa | Horst Ossinger
Der italienische Fotograf Oliviero Toscani, berühmt für seine Benetton-Werbemotive, stirbt am 13. Januar 2025 im Alter von 82 Jahren.
Der italienische Fotograf Oliviero Toscani, berühmt für seine Benetton-Werbemotive, stirbt am 13. Januar 2025 im Alter von 82 Jahren.© dpa | Daniel Bockwoldt

Warum Vargas Llosa mit der Linken brach

Dabei begann Vargas Llosa, wie fast alle seine Kollegen weit links. Als positive Referenz diente auch ihm die kubanische Revolution von 1959. Am Ende aber stand er konservativen bis ultrarechten Politikern nah, so etwa den Ex-Präsidenten Felipe Calderón (Mexiko) und Álvaro Uribe (Kolumbien). Den früheren linken Staatschef Mexikos, Andrés Manuel López Obrador, geißelte er hingegen als einen finsteren Populisten. 

Seine Freundschaft zu García Márquez beendete Vargas Llosa bereits 1976 mit einem legendären Faustschlag auf das Auge des Kolumbianers. Gerüchteweise zerbrach die Verbindung der beiden Literaten am Disput über eine Frau, ganz sicher aber an der Haltung zu Kubas Revolutionsführer Fidel Castro, mit dem Vargas Llosa früh, aber García Márquez nie brach.