Am 2. April jährte sich der Todestag von Harald Juhnke zum 20. Mal. Aus diesem Anlass haben wir an diesem Abend in unserer Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ im Zoo Palast „Sigi, der Straßenfeger“ gezeigt, eine echte, schräge Klamotte mit dem Komödianten, die 1984, nach zehn Jahren Film-Abstinenz, eine Art Kino-Comeback für den Entertainer war. Aber eines nicht ohne Risiko, wie Regina Ziegler, die den Film damals produziert hat und ihn nun im Zoo Palast kommentierte, gesteht.
„Nachtschwester Regina“ musste an Juhnkes Bett wachen
Sie habe unbedingt einen Film mit Harald Juhnke machen wollen. Auch wenn er in dieser Zeit immer wieder wegen seiner Alkoholsucht abstürzte - und das ZDF ihn kurz nach der Filmpremiere feuerte, weil der Mainzer Sender ihn nicht mehr für tragbar hielt. Regina Ziegler hielt trotzdem an ihm fest. Und entwarf mit ihrem Mann, dem Regisseur Wolf Gremm, eine Komödie, die ganz auf Juhnke zugeschnitten war und ihn in zahlreiche Slapstickszenen schickte.
Aber, gesteht die Produzentin, sie bibberte schon. Weil Drehausfälle teuer sind und sie nicht dagegen versichert war. Deshalb wachte sie persönlich darüber, dass Juhnke während der Dreharbeiten nicht zur Flasche griff. Und bevor die letzten Szenen in Rapallo gedreht wurden, schlug sie sich ganze Nächte um die Ohren, um an seinem Bett zu wachen, und ihm immer, wenn er was trinken wollte, Wasser gab.
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„Nachtschwester Regina“ nannte man sie danach. Aber tatsächlich konnten die Dreharbeiten so regulär abgeschlossen werden. Und auch später hielten Ziegler und Gremm an dem Star fest. Und mieteten 1985, ein Jahr später, die Philharmonie, um dort eine Harald-Juhnke-Show auf die Beine und die Bühne zu stellen.

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Gerade wird diskutiert, am Ku’damm einen prominenten Platz nach Harald Juhnke zu benennen. Ist das nicht eigentlich längst überfällig. Na klar, findet Regina Ziegler, aber, stöhnt sie: „In Berlin ist ja viel überfällig.“ Und da hat sie die Lacher auf ihrer Seite.
Regina Ziegler schämt sich für den verrotteten Boulevard der Stars
Sie meint damit nicht nur marode Brücken und Sperrungen, weshalb sie jetzt ständig im Stau steht. Sie verweist auch auf den sogenannten Boulevard der Stars, den Klaus Wowereit vor vielen Jahren am Potsdamer Platz initiiert hat und an dem lauter deutsche Filmgrößen einen Stern bekommen sollten. Auch Regina Ziegler hat dort einen. Aber wie schaut der aus!

„Meine Enkelin war neulich dort“, erzählt sie, „und rief mich an: ,Der ist ja total verrottet. Ich geh jetzt in die nächste Drogerie und kaufe Putzmittel, um den sauber zu machen.’ Und die Großmutter hat dann gesagt: ,Mach das bloß nicht. Sonst heißt es, die Ziegler putzt hier. Aber nur ihren eigenen Stern.‘“ So sei es aber an allen Ecken und Enden. „Berlin“, seufzt sie, „leuchtet einfach nicht mehr.“ Und alle im Saal stimmen applaudierend zu.
Als nächstes zeigen wir in unserer Filmreihe am 6. Mai „Kein Tier. So wild“, eine kühne Shakespeare-Neuverfilmung, die „Richard III.“ in das heutige Berlin verlagert wurde. Zu Gast sind dann Regisseur Burhan Qurbani und Hauptdarstellerin Kenda Hmeidan.






