Energetische Gitarrenklänge, Pop-Elemente und den Hauch eines musikalischen Sommer-Feelings. Wenn man den Namen Wincent Weiss hört, würde man ihn wohl mit genau diesen Begriffen in Verbindung bringen. Daher mag der akustische Opener des sonst so energiegeladenen Musikers zunächst verwundern. 

Donnerstag

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Denn wer genau hinschaut, erkennt bei dem Konzert abseits der Hauptbühne in der Uber Arena in Friedrichshain eine kleine B-Stage in der Mitte der Halle. Ganz unauffällig bahnt sich die Band von „Herrn Weiß”, wie ihn seine Fans liebevoll nennen, ihren Weg auf die kleine Bühne und löst nach kurzer Realisation erste Schreie aus dem Publikum aus. Direkt gefolgt vom Star des Abends, der – nur mit einer Akustikgitarre begleitet – die ersten Töne seines Hits „Hier mit dir” anstimmt. Die Fans kann er damit auf jeden Fall überzeugen und verwandelt den Pop-Song schnell in eine gefühlvolle Ballade.

Doch wie kommt Wincent Weiss nun zurück auf die Hauptbühne? Eine berechtigte Frage, auf die der Sänger schnell eine Antwort findet: kurz über die Barrikade geklettert, geht er einfach mitten durchs Publikum, während alle zusammen „Weil‘s so verdammt leicht ist, wenn du dabei bist / Ich will nie woanders sein” anstimmen. Ein gelungener Auftakt.

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Wincent Weiss lässt sich kurzerhand auf Händen tragen

Genau diese Fan-Nähe zeigt er auch bei „Bleiben wir”. Während schnelle Deutsch-Pop-Beats dem Publikum ordentlich einheizen, nimmt der 32-Jährige eine Kamera in die Hand und geht in Richtung Barrikade. Obwohl das bei vielen Fans im Innenraum bereits ein wahr gewordener Traum sein dürfte, setzt Weiss noch einen drauf: kurzerhand gibt er dem Crowdsurfing ein Comeback und singt einfach weiter, während er vom Publikum getragen wird. „Die ersten Konzerte haben das noch nicht ganz verstanden. Das war dann eher ein Crowdwalking”, erzählt er scherzhaft.

Seine aktuelle Arenatour führt den sympathischen Singer-Songwriter nicht nur quer durch Deutschland; es dürfte auch eine Art Comeback in die Konzertindustrie nach der Corona-Pandemie sein. Der Sänger machte bereits in der Vergangenheit kein Geheimnis daraus, dass ihm seine letzte Tour finanzielle Einbußen aufgrund drastisch steigender Kosten in der Branche einbrachte.

Umso größer feiert er sein „fast zehnjähriges” Jubiläum, wie er scherzhaft verrät, mit schwebenden Bühnen, viel Feuerwerk und Flammenwerfern. Aus einem Konzert macht er ein zweistündiges Erlebnis – den Fans gefällt es.

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Von Love-Songs und mentalen Problemen – Weiss zeigt sich ehrlich

Auch das Image des 32-jährigen Musikers aus Bad Oldesloe hat sich mittlerweile stark gewandelt. Vor ein paar Jahren noch der Prototyp eines „Teenieschwarms”, der mit Songs über Liebe und Schwärmereien vor allem jüngere Frauen zum Kreischen brachte, schlägt er in neueren Alben wie „Irgendwo ankommen” (2023) auch ernstere Töne an. 

Vor seinem Song „Was die Menschen nicht wissen” spricht er über Social Media und Hass im Netz: „Jeder negative Kommentar ist lauter als tausend positive Kommentare”, sagt Weiss und denkt dabei an eigene Erfahrungen, die er als Künstler gemacht hat. Seinen Fans rät er, „sich das nicht zu Herzen zu nehmen. Lebt das echte Leben, Social Media ist fake. Haltet euer Privatleben privat.” Dass ihm seine eigene und die mentale Gesundheit anderer am Herzen liegt, wird immer wieder zum Thema des Abends.

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Nach zwei Stunden Show mit fast akrobatischen Zügen geht der Musiker von der Bühne und die Arena wird dunkel. Doch alle in der Halle wissen, dass da noch etwas kommt. Denn ohne ein großes „Feuerwerk” kann Wincent Weiss seine Show nicht beenden. Und so gibt er zusammen mit seiner Band und dem Publikum nochmal alles, und auf einer senkrechten Bühne mit großem Papierfeuerwerk setzt er zum Grand Finale an. „Lasst uns Leben wie ein Feuerwerk” läutet das Ende des Abends ein. Mit einem Kuss auf die Kamera verabschiedet sich der Sänger und hinterlässt ein aufgeladenes Publikum.