Ferne Welten, im Kino so nah. Wer sich jemals in ein Imax-Kino verirrt hat, wird sich erinnern, wie nahe plötzlich der Weltraum, Blauwale oder die Alpen gewesen sind. Davon kann man bei der jetzigen Berlinale immer noch zehren. So ist etwa der steile Aufstieg zu den Sitzen im Blue Max Theater am Potsdamer Platz, ein ehemaliges Imax-Kino, fast so herausfordernd wie die Eiger Nordwand.

Berlinale Goes Kiez: Zehn Stufen abwärts

Nur gut, dass man das im Zeiss-Großplanetarium nicht muss. Hier entführt zwar auch das Kinoprogramm in den gemütlichen Saal mit seinen etwa 200 Sitzen vor samtroten Vorhang auf der gegenüberliegenden Seite des großen Planetariumsaals normalerweise selbst in die ferne Welt der Blauwale, Antarktis oder das magische Königreich Afrika. Aber dafür muss man keine langen Treppen, Umwege und Anstiege gehen. Nur zehn Stufen abwärts - schon ist man drin.

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Dafür fühlt man sich hier als Berlinale-Gast irgendwie in einer fremden Welt. Ja, das Zeiss-Großplanetarium gehört zu den Kinos, die unter dem Motto „Berlinale Goes Kiez“ seit 2010 das Filmfest in die Vorstädte bringen soll. Und ja, im großen Vorraum des Planetariums fühlt man sich zwischen Gravitationstrichter, Sternprojektor und interaktiven Spielen wie in einer Star Wars Ausstellung. Aber von Berlinale ist hier an der Prenzlauer Allee an diesem Freitag nur wenig zu spüren.

Berlinale Goes Kiez: Plakat von Olaf Scholz im Schneematsch

Ungerührt rauscht der Verkehr auf der Magistrale an diesem BVG-Streiktag noch gnadenlos Richtung Innenstadt, bleiben die Tramschienen aus selbigem Grund ungenutzt. Ein Wahlplakat von Olaf Scholz liegt im Schneematsch vor dem benachbarten Bezirksamt. Und der Besitzer des kleinen und selbst an diesem Freitag sehr leeren Cafés „Prenzalexander“ gegenüber des Planetariums weiß nichts von mehr Berlinale-Gästen.

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Man muss eben schon genau hinschauen. Vor dem Planetarium steht ein etwa fünf Meter hoher Ständer mit dem signifikanten Berlinale-Plakat, drinnen führt ein etwa zehn Meter roter Teppich zum Kino. Vor dem sich jetzt eine lange Schlange bildet, denn die Vorstellung von „Lesbian Space Princess“ aus dem Panorama-Programm ist restlos ausverkauft. Das Publikum? Sehr jung, sehr weiblich, sehr queer, sehr multilingual. Deutsch, Französisch, Englisch flirren vor der Vorführung durch den Saal.

Berlinale Goes Kiez: Die Prinzessin von Clitopolis

Kein Wunder, geht es doch in diesem englischsprachigen, knallbunten Animationsweltraum-Märchen mit drallem Humor um weibliche Selbstfindung, wenn Zaira, Prinzessin von Clitopolis (!) ihre Ex-Freundin Kiki in einer inter-gay(!)-laktischen Mission aus den Händen der sehr quadratischen und sehr weißen Straight While Maliens befreien muss.

Donnerstag

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Das Vergnügen ist zur Freude der anwesenden Filmcrew aus Australien groß. Die Regisseurinnen Shabana Azeez und Gemma Chua Tran freuen sich sehr, dass das Publikum „so female and so queer“ sei und lassen es sich angesichts des Gaza-Konflikts auch nicht nehmen, unter großem Gejaule einen Appell loszuwerden: „Nobody is free until everybody ist free“ (Keiner ist frei, bis nicht alle frei sind).

Berlinale Goes Kiez: 90 Prozent des Publikums zum ersten Mal da

So landen die Probleme der Erde ganz irdisch in den Weiten des Weltraums oder wie es Planetariums-Kinoleiter Andreas sagt: „Wir verstehen uns als Fenster, um in die Welt zu schauen“. Auf seine simple Frage, wer zum ersten Mal im Planetarium sei, recken etwa 90 Prozent die Hände. So entdeckt bei „Berlinale Goes Kiez“ nicht nur das Filmfest die Ecken der Stadt, sondern in diesem ganz speziellen Fall der cineastische Erdenmensch die Weiten des Weltraums. Faszinierend.