Es ist alles nur gespielt, aber als Jan Böhmermann während seines Auftritts zu Boden fällt und von der Bühne getragen werden muss, wirkt das für einen Moment erschreckend echt. Aus dem Off hört man ihn mit Gott noch über seinen inszenierten Tod verhandeln: „Ich kann noch nicht gehen. Nicht so jung. Nicht in Berlin.“ Und so dauert es nicht lang, dann schwebt der Entertainer an zwei Sicherheitsseilen und mit weißen Engelsschwingen von der Decke der Max-Schmeling-Halle in Berlin. Eine Wiederauferstehung im Bühnennebel.

Donnerstag
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Am Donnerstagabend hat er in Berlin zum „politischen Liederabend“ eingeladen – 9.000 Menschen sind zum Konzert im Prenzlauer Berg gekommen. Es ist einer der letzten Termine der „Eisern Ehrenfeld“-Tournee, mit der Böhmermann und das Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld durch den deutschsprachigen Raum ziehen.
Trotz absurd lustiger Showeinlagen lastet die Schwere der Tagespolitik über dem Abend: Am Mittwoch stimmte eine Mehrheit unter anderem aus Union und AfD im Bundestag für die Forderung nach einer härteren Migrationspolitik, am Donnerstag protestierten in Reaktion darauf Tausende vor der Parteizentrale der CDU, am Freitag will der Bundestag über einen Gesetzesentwurf zu dem Thema abstimmen. Böhmermann greift die Lage ulkend auf: „Wir müssen jetzt Allianzen suchen, wo wir sie sonst nicht gesucht haben“ ruft er – und bittet Klaas Heufer-Umlauf auf die Bühne. Sein Late-Night-Kollegen aus dem Privatfernsehen beginnt, im weit aufgeknöpften Hemd, eine italienische Ballade zu schmettern.

Unterstützung bekommt Böhmermann auch von Merlin Sandmeyer, der in der Rolle des Ladendetektiv Jonas Schulze in der Erfolgsserie „Die Discounter“ zum Internet-Star geworden ist. „Du kriegst Finger in deinen Po so wie Fritze Merz, der Assi“, dichtet Sandmeyer seinen Hit „Party in Billstedt“ spontan um. Einige im Publikum johlen. Sandmeyers Kunstfigur ist so überzogen („Bleibt stabil, Hamburg“), dass man kaum weiß , wie ernst die Beleidigung gemeint ist. Sowohl Sandmeyer als auch Heufer-Umlauf haben am selben Tag den offenen Brief mitunterzeichnet, in dem Kulturschaffende der CDU einen „historischen Tabubruch“ vorwerfen.
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Bekannte aus dem „ZDF Magazin Royale“
Die bissigen, teils herabwürdigenden Sprüche über Merz sind der einzige rote Faden durch den Abend in der Max-Schmeling-Halle. „Eat this Friedrich Merz“, ruft Böhmermann als ein lebensgroßes Grundgesetz mit Glubschaugen die Bühne betritt – eine Anspielung auf die Forderung eines faktischen Einreiseverbots, das verfassungs- und europarechtlich umstritten ist. „Grundi“, so heißt das lebensgroße Grundgesetz mit Glubschaugen, tritt in der Fernsehsendung „ZDF Magazin Royale“ regelmäßig auf.

Fans der Show kennen auch den Rapper Dendemann, der die Sendung verließ, bevor sie in das ZDF-Hauptprogramm wechselte, dafür aber am Donnerstagabend mit zwei eigenen Songs zurückkommt, sowie die „Die Jadebuben“, die als Herrenchor die Backgroundsängerinnen unterstützen. Und klingt die Stimme von Gott, mit dem Böhmermann über seine Wiederauferstehung verhandeln muss, nicht der des bereits verstorbenen Sidekicks William Cohn verblüffend ähnlich?
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Böhmermann erklärt sich zum „inoffiziellen Kultursenator von Berlin“
Zwischen den Verweisen auf die eigene Fernsehsendung und den bald langweilenden Merz-Sprüchen verliert Böhmermann schließlich ein paar Worte zur Berliner Landespolitik. Er erklärt sich kurzerhand zum „inoffiziellen Kultursenator von Berlin“ und kritisiert später die Landesregierung für die Wiedereröffnung der Friedrichstraße für den Automobilverkehr: „Die Fahrradinfrastruktur in dieser Stadt lässt zu wünschen übrig, dabei gibt es in keiner Stadt so einen Bedarf wie hier. Ihr habt keinen signifikanten Berg, ihr habt nur Leute ohne Geld. Das Fahrrad ist das Verkehrsmittel dieser Stadt.”
Am Ende geht es dann aber doch wieder um die große Politik, die Abstimmung im Bundestag mit der AfD. Ohne große Effekte – denkbar wäre etwa eine Auffahrt in den Himmel gewesen – ruft er zum Schluss ins Publikum: „Geht demonstrieren! Lasst euch das nicht gefallen!” Mit den Worten „Einander ist alles, was wir haben” beendet er die Show.






