Man steckt einfach nicht drin, welche Filme Klassiker werden und welche nicht. Der Defa-Film „Das siebente Jahr“ von 1969 hatte das Zeug dazu. Ein Film über ein Ehe- und Alltagsleben, erzählt aus der Perspektive der Frau, was damals noch neu war, eingefangen in starken Bildern, nicht im Studio, sondern an Originalschauplätzen gedreht, in der Charité und im Deutschen Theater, ein Film ,der nicht gealtert ist, der auch damals gut ankam – und doch weitgehend vergessen ist.
Ein Filmdrama als „Liebeserklärung an die Frau“
In der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“, die die Berliner Morgenpost gemeinsam mit dem Zoo Palast veranstaltet, ist dieses Kleinod nun noch einmal am gestrigen Dienstag gezeigt worden. Vorgestellt von Mirko Wiermann von der Defa-Stiftung. Und auch der hat keine Antwort, warum dieser Film vergessen wurde. Restauriert wurde er trotzdem. Weshalb er nun in bestechend neuer Bildqualität zu erleben ist.
Regisseur Frank Vogel hatte kurz davor „Denk bloß nicht, ich heule“ gedreht. Einer der zwölf Filme, der 1965/66 nach dem berüchtigten 11. Plenum des ZK der SED im Giftschrank landete. „Das siebente Jahr“ war sein erster Film danach. Was aber kein Rückzug ins Private war, wie Wiermann betont. Es ging Vogel darum, eine „Liebeserklärung an die Frau“ zu drehen. Mit einer starken Figur im Mittelpunkt, die im Berufsleben steht. eine Chirurgin. Ganz wie Vogels eigene Frau.
Auch interessant
Für die Hauptrolle setzte er mit Jessy Rameik auf eine Schauspielerin, die nicht so bekannt war. Und damit, passend zum Film, ein Alltagsgesicht sein sollte, mit dem man sich identifizieren konnte. Den Ehemann spielte dagegen Wolfgang Kieling, der kurz zuvor noch in Alfred Hitchcocks „Zerrissener Vorhang“ einen brutalen Stasi-Killer spielte.

Donnerstag
Der Wochenend-Newsletter der Berliner Morgenpost
Bestellen Sie hier den wöchentlichen Newsletter mit Tipps zum Wochenende in Berlin
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Dann, aus Protest gegen den Vietnam-Krieg, schon zum zweiten Mal in die DDR zog. Und nur sechs Wochen danach diese Hauptrolle spielte. Es nutzte freilich nichts. Nur wenig später zog er endgültig in den Westen.
Als Nächstes zeigen wir in unserer Reihe am 7. Januar das Aussteigerdrama „Henry Angst“ aus dem Jahr 1980. Zu Gast ist dann der Liedermacher und Hauptdarsteller Klaus Hoffmann.






