Mit entschiedener Kritik hat Berlins Kulturszene auf die am Wochenende bekannt gewordenen Sparpläne des Berliner Senats reagiert. „Die Kürzungen des Kulturetats durch die Berliner Regierung um 100 Millionen Euro in 2025 treffen die Berliner Kulturszene in voller Härte“, sagten Janika Gelinek und Sonja Longolius, Leiterinnen des Literaturhauses Berlin, der Berliner Morgenpost.

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„Wir sind fassungslos, entsetzt und wütend, wie wenig dem Regierenden Bürgermeister (CDU) und seinem Kultursenator (CDU) die Kultur als treibender Motor dieser Stadt wert ist“, so Gelinek und Longolius weiter. „Wir sind zutiefst enttäuscht von diesem provinziellen Kleingeist, der nicht vorhandenen visionären Weitsicht und dem fehlenden politischen Handwerk. Von unserem Kultursenator hätten wir uns deutlich mehr Kampfgeist und echte Solidarität gewünscht. Für das Literaturhaus Berlin bedeutet eine 10-prozentige Kürzung des Etats eine faktische Kürzung von 50 Prozentg des Programms. Wir werden uns in den kommenden Monaten solidarisch mit unseren Kolleg:innen aus der Kulturszene zeigen und – wo immer möglich – unsere nun deutlich begrenzten Ressourcen auch denen zur Verfügung stellen, die es noch härter getroffen hat.“

Oliver Reese: „Kürzungen werden einen riesigen Schaden anrichten“
Auch Oliver Reese, Intendant des Berliner Ensembles, meldete sich am Sonntag zu Wort. „Die Meldungen, dass die Budgets für die Kultur in Berlin nun tatsächlich und trotz aller Proteste, zuletzt mit Tausenden vorm Brandenburger Tor, um fast 10 Prozent gekürzt werden sollen, erschüttert mich (und alle meine Kollegen – wir sind in ständigem Austausch)“, schrieb er in einer Stellungnahme. Reese hatte bereits zuvor im Gespräch mit der Morgenpost auf mögliche Folgen von Kürzungen für sein Haus hingewiesen.
„Kultur“, so Reese weiter, „das ist ja nicht nur eine exzellente Opernaufführung oder aufrüttelndes Schauspiel. Die Berliner Kultur ist ein Biotop der unterschiedlichsten Player, und gerade die vielen kleineren oder freien Einrichtungen leisten herausragende Arbeit mit extrem knappen Mitteln. Die Kinder- und Jugendtheater etwa sichern, dass auch junge Menschen aus kulturfernen Milieus früh mit kulturellen Angeboten auch wirklich in Berührung kommen, die freien Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt (!) leben in Berlin, weil diese unvergleichliche Szene ihnen Arbeit überhaupt erst ermöglicht.

Die großen Einrichtungen hingegen planen über Jahre, ihre Budgets sind festgeschrieben für Gehälter und Gebäudeunterhalt etc., Kürzungen ohne jeden Vorlauf treffen sie in der künstlerischen Spitze, sie werden einen riesigen Schaden anrichten und ganz real die Angebote für Zuschauer und Touristen (die oft nur wegen der Kulturszene in die Stadt reisen!) sehr spürbar angreifen. Und ob die Rechnung am Ende überhaupt aufgehen kann, ob nicht zugleich auch Einbußen im Kartenverkauf und Ausfallhonorare den Spareffekt wieder zunichtemachen, steht mehr als zu befürchten.
Die Signalwirkung, dass ausgerechnet in der Hauptstadt die Kultur so stark gekürzt wird, wird, so fürchte ich, zudem schlimme Folgen für die Spar-Ansagen in den mittleren und kleineren Städten und also im ganzen Land haben. Wir haben viele eindringliche Gespräche geführt in den letzten Wochen. Es hat anscheinend nichts geholfen. Wie gesagt – ich bin entsetzt.“
Wie berichtet, bestätigen sich mit den Sparplänen die schlimmsten Befürchtungen der schon seit Wochen protestierenden Kulturszene. Senator Joe Chialo (CDU) soll mit deutlich mehr als zehn Prozent seines Budgets kürzen. Neben dem Literaturhaus wird das annähernd jedes Theater, jedes Museum, Orchester oder Literaturhaus und vor allem die freie Szene hart treffen.
Die Opernstiftung soll nach Informationen der Morgenpost mit 15 Millionen Euro weniger pro Jahr auskommen, die Philharmoniker wären mit fast zehn Prozent ihrer bisherigen Zuschüsse dabei.






