Er hat schon David Bowie auf der Bühne gesungen. Und tut das wieder ab November in der Bar jeder Vernunft. Und ab Dezember spielt er wieder Marlene Dietrich im Renaissance-Theater. Insofern war Sven Ratzke genau der Richtige, um am gestrigen Dienstag in unserer Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ im Zoo Palast „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ vorzustellen. Den Filmklassiker aus dem Jahr 1978, in dem zahlreiche Stars mitwirken. Von denen aber nur noch einer am Leben ist – und im fernen Wien lebt.
Marlene, Bowie und das Spiel mit dem Androgynen
Aber dafür ist ja Sven Ratzke hier, Berliner wie Marlene. Und wie David Bowie in den legendären Jahren 1976 bis 1978. Wer war schwerer anzueignen: die Dietrich oder Bowie?, ist unsere erste Frage. So geht Ratzke an seine Bühnenprojekte nicht ran. Er wolle ja niemanden imitieren oder nachspielen, sondern interpretieren.
Aber ihn interessieren von jeher Berliner Figuren, so kam er auch auf Bowie und dessen Zeit in der Stadt. Der Ursprung von allem aber war Marlene. Auch für Bowie, der sich gern mal wie sie inszenierte. Und mit der er das Androgyne teilte, das Sich-nicht-Festlegen, das Spiel mit den Rollen. Was ja auch ganz Ratzkes Thema ist.
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Den Film hat der Sänger und Schauspieler lange nicht gesehen. Er wird ja auch kaum gezeigt. Und wurde nie restauriert. Das mag daran liegen, dass der Film damals nicht gerade gute Kritiken abbekam. Alle Beteiligten haben danach ihre Mitwirkung eher verschwiegen.
Aber da tut man diesem Film doch ein bisschen unrecht. Der auf eine sehr schräge Weise, aber doch in der Tradition von „Cabaret“ von den schwierigen 20er-Jahren in der Reichshauptstadt erzählt und vom Aufkommen des Nationalsozialismus, dessen Opfer der „Gigolo“ am Ende wird.
Eine Szene, die in die Filmeschichte einging
Und dann sind da ja Marlene und Bowie. Und die zwei Szenen, in denen sie zusammen zu sehen sind. Auch wenn Bowie seinen Part in Berlin gedreht hat und Marlene den ihren in Paris. Den Rest besorgte der Schnitt. Aber wenn die Dietrich dann den Titelsong singt, ihr letzter Auftritt in der Öffentlichkeit überhaupt, dann, so Ratzke, „hat der Film doch eine Magie“.

Donnerstag
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Als Nächstes zeigen wir in unserer Filmreihe am 5. November, zum 35-jährigen Jubiläum des Mauerfalls, den Dokumentarfilm „Berlin East Side Gallery“ aus dem Jahr 2015. Zu Gast sind dann die Filmemacher Karin Kaper und Dirk Szuszies.





