Es sind majestätische Bilder in strahlendem Schwarzweiß. Eine Kamera gleitet ruhig und erhaben zu elektronischer Musik über riesige Ruinenlandschaften. Jahrtausendealte Tempelanlagen, die von der Strahlkraft der Antike zeugen.

Donnerstag

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Und in scharfem Kontrast dazu moderne Ortschaften, die nach dem großen Erdbeben in der Türkei 2023 zu Geisterstädten wurden. Oder Stadtteile in der Ukraine, in denen russische Raketen Schneisen der Zerstörung hinterlassen haben.

Bildstarke Doku über den architektonischen Kreislauf des Lebens

Dann wieder sehen wir Bilder, wie in Zeitlupe ganze Felswände gesprengt werden und Steinbrocken auf einem Fließband ihrer weiteren Verwendung zu modernem Beton entgegenruckeln.

Und Bilder von Abrissbaggern, die sich tief in Trümmer graben. Gebäude, die aus Beton errichtet wurden. Und wieder zermalmt werden. Um erneut verarbeitet zu werden. Der Kreislauf des Lebens, architektonisch gesehen.

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„Architecton“ ist eine weitere bildstarke Dokumentation des russischen Filmemachers Victor Kossakovsky, der seit langem in Berlin lebt. In „Aquarela“ widmete er sich 2018 dem Element Wasser, nun geht es um Steine.

Zivilisationskritik allein durch die Macht der Bilder

Ein ungewöhnlicher Filmessay, der viele Fragen aufwirft – darüber, wie wir leben und wie wir leben wollen. Dabei kommt Kossakovsky weitestgehend ohne Dialog aus. Zumindest über die ersten 75 Minuten hinweg. Da sieht man nur diesen wohlkomponierten, visuell bestechenden, meditativen Bildersog.

Was man auf keinem Fall auf einem Bildschirm sehen darf, sondern unbedingt im Kino, auf der größtmöglichen Leinwand erleben muss. Weil er erst da seine ganze Wirkmacht entfaltet. Das erinnert ein wenig an den Klassiker „Koyaanisqatsi“ vor über 40 Jahren: Zivilisationskritik allein durch die Macht der Bilder.

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Als kleine Menschlein laufen der Filmemacher und Architekt Michele De Lucci durch riesiges Steinhalden.
Als kleine Menschlein laufen der Filmemacher und Architekt Michele De Lucci durch riesiges Steinhalden. © Maja Filmproduktion | Ma.ja Filmproduktion

Schade nur, dass „Architecton“ dabei nie verrät, wo die Aufnahmen entstanden sind. Und im letzten Fünftel bricht der Film mit der beredten Stille und wird geradezu geschwätzig. Kossakovsky spricht da den Architekten Michele De Lucchi, der zuvor schon als kleines Menschlein durch riesige Steinhalden lief.

Ein Architekt, der längst resigniert hat

Und der erzählt ihm, und uns, was wir da schon längst ahnen: Früher hat man für die Ewigkeit gebaut, heute baut man nur für 40 Jahre, schon kalkulierend, dass die Bauten dann wieder abgerissen werden. Das ist alles andere als nachhaltig. Aber De Lucchi hat längst resigniert. Und diese Aufträge erfüllt. Während er in seinem Garten einen magischen Kreis anlegt – als menschenfreie Zone.

Dokumentarfilm, Deutschland/Frankreich 2024, 102 min., von Victor Kossakovsky