- „Beetlejuice“ war einer der ersten großen Erfolge von Tim Burton
- Nun bringt der Kult-Regisseur einen zweiten Teil in die Kinos
- Kann es „Beetlejuice Beetlejuice“ mit dem Original aufnehmen?
Derzeit ist Tim Burton in Berlin. Nicht persönlich. Aber seine Fantasiewelten sind noch bis 3. November auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain zu bestaunen. In „Tim Burton’s Labyrinth“. Keine typische Ausstellung, in der man von einem Saal in den nächsten wandelt. Sondern ein richtiges Geisterhaus, mit immer neuen verschiedenen Türen, die jeweils in eine andere Welt führen. Und einen anderen Burton-Film.
„Beetlejuice Beetlejuice“: Ein Wiedersehen mit lauter alten untoten Bekannten
Natürlich darf da auch „Beetlejuice“ nicht fehlen, sein früher Erfolgsfilm von 1988, mit einer lebensgroßen Puppe von Michael Keaton im gestreiften Beetlegeuse-Outfit. Und mit Horden von Käfern, die über den Boden krabbeln. So täuschend echt, dass man erst auf den zweiten Blick merkt, dass sie nur animiert sind.

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Tim Burtons neuer Film, der vor zwei Wochen das Filmfestival in Venedig eröffnet hat und am 12. September ins Kino kommt, wirkt wie ein weiterer Raum im RAW-Labyrinth. Denn „Beetlejuice Beetlejuice“ ist eine Fortsetzung, die erste überhaupt, die der Meister der makabren Schattenwelten je kreiert hat. Und er vereint die Stars von einst erneut, zumindest den Großteil davon: Michael Keaton als Lottergeist Beetlegeuse sowie Winona Ryder und Catherine O’Hara, die damals von ihm heimgesucht wurden und jetzt wieder.
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Doch wie so oft bei Fortsetzungen kommt leider auch diese nicht an das Original heran. Denn das war nicht nur eine Parodie auf herkömmliche Gruselfilme und deren Untergattung Spukhaus (Hunted House). Nein, Burton hatte das ganze (Sub-)Genre auf den Kopf gestellt.
Hier waren es nicht untote Geister, die die neuen Eigentümer eines alten Gemäuers vertreiben wollten. Sondern andersrum: Ein typisch amerikanisches Durchschnittspaar wurde allzu früh aus dem Leben gerissen und existierte nur untot weiter. Aber nun waren sie es, die aus ihrem Home, sweet Home vertrieben werden sollten, von den neuen Eigentümern, die alles umgestalteten.

Ein typischer Burton: Die Geister waren die Leidtragenden
Die Lebenden waren die wahren Monster. Und das Herz der Zuschauer, ein typischer Burton, bei den armen Toten. Die versuchten sie mithilfe des Lottergeistes Beetlegeuse zu verschrecken, der aber alles noch viel schlimmer machte. Bis alle die friedliche Koexistenz von Mensch und Geist lernen mussten.
Das war auch als gesellschaftliche Botschaft zu verstehen. Heute kann der Klassiker noch mal mit ganz anderen Augen betrachtet werden: als amüsante Parodie auf das alles andere als lustige Thema Gentrifizierung und Mietervertreibung.
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Von diesem Witz freilich bleibt im zweiten Teil nicht viel übrig. Denn um das abgelegene Spukhaus geht es 36 Jahre später kaum noch. Und das Untotenpaar von einst (Geena Davis und Alec Baldwin), es hat ausgespukt und fehlt. Teil Zwei, das nicht einfach „Beetlejuice 2“ heißt oder „Beetlejuice returns“, sondern den Namen gleich verdoppelt, spielt diesmal nicht in einer einsamen Provinz, sondern lange Zeit in der großen Stadt.
Eine Teenager-Figur soll eine neue Generation Burton-Fans kreieren
Wo Lydia Deetz (Ryder), der Gruftie-Teenager von einst, der als einziges Menschenwesen Geister sehen konnte, eine Gothic-Show im Fernsehen hat, die von allerlei Alltagsgrusel und Poltergeistern handelt. Allerdings glaubt Lydia immer wieder, Beetlejuice im Publikum zu sehen, der Ungeist, der sie im ersten Teil heimgesucht hat und den sie besiegen musste.
Auch ihre überspannte Künstlermutter Delia (O’Hara) stellt ihre exzentrischen Kunstobjekte in New York aus. Auf das alte Anwesen geht es nur, weil Vater Charles verstorben ist und hier beerdigt werden soll. Auch Jeffrey Jones fehlt in diesem Sequel: Die kurzen Auftritte von Charles werden in Tricksequenzen erzählt.
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Ist aber nicht weiter tragisch. Während mit den Stars von einst die älter gewordenen Zuschauer in Nostalgie verzaubert werden sollen, wird mit einer jüngeren Protagonistin auch gezielt die Next Generation angesprochen, für die vielleicht selbst Tim Burton kein großer Begriff mehr ist: Lydias Tochter Astrid (Jenna Ortega), ein Teenager wie einst Lydia selbst.
Zahlreiche neue Figuren, die auftauchen und wieder verschwinden
Die hat ein, gelinde gesagt, schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter, der sie nicht glaubt, dass sie Geister sehen kann. Weil sie ihren eigenen, verstorbenen Mann, Lydias Vater, ja auch nicht sieht. Aber dann zeigt sich schon bald, dass Lydia die übernatürliche Gabe der Mutter geerbt hat. Und Beetlegeuse, der Schrecken der Familie, kehrt auch zurück. Und rechtet erneut allerlei Schabernack an.
Das ist auch schon die ganze Geschichte, die mit zahlreichen verrückten Tricks bestückt wird, die schon im ersten Teil rührend altmodisch waren, in heutigen Zeiten aber schon wie eine plakative Absage an digitale Effekte und überhaupt die schnelllebige Halbwertszeit in der Traumfabrik wirkt.
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Zahlreiche neue Figuren tauchen hier auf. Wie Willem Dafoe als Kommissar der Schattenwelt. Oder Danny de Vito, einst der Pinguin in Burtons „Batman“, der hier aber nur einen allzu kurzen Cameo-Auftritt zelebriert. Oder, am trefflichsten gestaltet, die immer noch bildschöne Monica Bellucci.
Die spielt hier eine Untote, die buchstäblich zerfetzt wurde, und sich jetzt wie die moderne Version von Frankensteins Braut selbst zusammentuckert. Sie erweist sich als die frühere Gattin von Beetlegeuse, die auf Rache sinnt. Was immerhin eine hübsche neue Wendung ist: dass jetzt auch der heimsuchende Lottergeist heimgesucht wird.
Burton verhedert sich in seinen eigenen Zitaten
Aber ach, das sind alles lauter kleine, mal mehr, mal weniger hübsche Schnurren. Die Figuren kommen und gehen und sind schon fast vergessen, bis sie unvermittelt wieder auftauchen. Eine bloße Nummernrevue, aus der leider keine Dramaturgie wird und schon gar kein Film. Burton spielt hier mit den Versatzstücken des ersten Teils, die alle same same but different wiederkehren.
Aber der Altmeister, der gerade 66 Jahre alt wurde, verheddert sich doch in seinen eigenen einstigen Fantasien, statt etwas gänzlich Neues daraus zu kreieren. „Beetlejuice Beetlejuice“ ist daher nur Labsal für wahre Tim-Burton-Fans. Man hat hier erneut das Gefühl, durch das Burtonsche Labyrinth mit seinen zwar herrlichen, aber gealterten Fantasien zu wandeln. Die er rief, die Geister, wird er nun nicht los.





