Dimitrij Schaad ist Schauspieler des Jahres. Dazu hat ihn die Fachzeitschrift „Theater heute“ gekürt. Und das ist nicht ohne Ironie. Denn der 38-Jährige hat lange am Theater gewirkt, lange auch am Gorki in Berlin. Hat sich dann aber bewusst gegen die ständige Ensemblearbeit entschieden und für eine freischaffende Tätigkeit, auch und gerade für den Film. Doch dann kam Corona. Und der Schauspieler hing erst mal in der Luft.

Donnerstag
Der Wochenend-Newsletter der Berliner Morgenpost
Bestellen Sie hier den wöchentlichen Newsletter mit Tipps zum Wochenende in Berlin
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Das ist lange her. „Die Känguru Chroniken“ wurde 2020 zum Kino-Hit, trotz des Lockdowns. Und seither gab es nicht nur die Fortsetzung „Die Känguru Verschwörung“, sondern auch die erfolgreiche Netflix-Serie „Kleo“, von der gerade die zweite Staffel angelaufen ist. Und da war auch noch der Film „Aus meiner Haut“, den er mit seinem Bruder, dem Regisseur Alex Schaad, entwickelt hat und der auch internationale Preise gewann.
Dimitrij Schaad: „Das wollte ich immer werden“
Dennoch hat Dimitrij Schaad nie ganz vom Theater lassen können. Hat weiter fürs Gorki Stücke geschrieben. Und auch in der Schaubühne gespielt: In „The Silence“, in dem Falk Richter sein eigenes Coming-Out und die Reaktion seiner Familie darauf verarbeitete, spielt er Richters Alter Ego. Und wie er ihn spielt. „Was für ein Solo!“, so das Fazit der Berliner Morgenpost: „Sensibel und mit starker, empathischer Präsenz erkundet Schaad diesen mutigen, vielschichtigen Text, taucht ein in die schwule Jugend in der BRD der 80er-Jahre, in generationsübergreifende Traumata, und gestattet sich auch ein paar Erzählerkommentare auf Meta-Ebene“.
Die Begründung von „Theater heute“ liest sich etwas nüchterner, aber nicht weniger lobend: Schaad wechsle in dem Stück zwischen „Distanz und Einfühlung in den Autor und Regisseur, der nach familiären Traumata in seiner behüteten Kindheit und Jugend der 1980-er Jahre forscht.“ Und Schaad verriet dem Theaterblatt, das ihn gekürt hat, keck: Als er erstmals gelesen hatte, dass man zum Schauspieler des Jahres gewählt werden könne, habe er beschlossen: „Das will ich werden.“ Nun ist ihm das gelungen.
Mehr zum Thema: So kam „Laios“ beim Berliner Theatertreffen an

An der jährlichen Umfrage der Zeitschrift mit mehreren Preiskategorien zu den Höhepunkten der vergangenen Theatersaison haben sich 46 Kritiker beteiligt. Zum Theater des Jahres wurde das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg gewählt. Das wird seit der Spielzeit 2013/14 von Karin Beier geleitet. „Sie überrollte Hamburg mit Kunst“, schrieb „Theater heute“. Und in der vergangenen Spielzeit sei das Schauspielhaus inhaltlich zu sich selbst gekommen: „Hier schließt sich ein Kreis, thematisch, dramaturgisch.“
Ein dreifacher Sieg für das Hamburger Schauspielhaus
Das Hamburger Schauspielhaus sahnt auch in anderen Kategorien ab. So wurde Lina Beckmann zur Schauspielerin des Jahres gekürt: für ihr „fulminantes Solo“, unter der Regie von Karin Beier, in „Laios“, dem zweiten Teil des fünfteiligen Antiken-Zyklus „Anthropolis“ von Roland Schimmelpfennig. Der erzählt damit Dramen von Aischylos, Sophokles und Euripides radikal neu und beschert dem Haus damit regelmäßig ein volles Haus.
„Laios“, das im Mai auch in Berlin im Rahmen des Theatertreffens aufgeführt wurde, wurde auch zum Stück des Jahres. Und, gemeinsam mit „Die Hundekot-Attacke“ unter der Regie von Walter Bart alias Wunderbaum am Theaterhaus Jena, das ebenfalls beim Theatertreffen lief, wurde „Laios“ auch zur Inszenierung des Jahres gekürt. Ein dreifacher Sieg für das Schauspielhaus. Schon bei einer Umfrage der Zeitschrift „Die Deutsche Bühne“ zur Saison unter 53 Autoren hatte die Hamburger Bühne mit seiner Gesamtleistung klar vorne gelegen.




