Immer wieder sei er überrascht von all dem Applaus und der Zuneigung, die er von seinem Publikum bekomme, hört man Paolo Conte am Ende von Giorgio Testis Dokumentarfilm sagen. Sicher, er würde das alles schon kennen. Aber es erstaune ihn doch jedes Mal aufs Neue. Den Paolo Conte-Fans in aller Welt mag es ähnlich ergehen. Der 87-jährige Sänger und Liedermacher aus Italien selbst wartet nicht mehr mit großen Überraschungen auf, seine Zigaretten-und-Espresso-Stimme zusammen mit dem fließenden, jazzigen Rhythmus seiner Lieder ist seit mehreren Jahrzehnten ein wohlvertrauter Klang. Und doch kann ein Song, ja eine Zeile davon immer wieder frisch berühren.

Nicht nur Ausschnitte: Hier werden die Lieder ganz gespielt

Anders als Giorgio Verdelli in seinem Dokumentarfilm „Paolo Conte – Via con me“ vor wenigen Jahren, der mit Zeitzeugen, Experten und Freunden von Conte dessen Lebensweg und Philosophie nachvollzog, setzt Testi seinen Rahmen in seinem Film „Paolo Conte alla Scala“ deutlich enger. Zwar zieht auch er das eine oder andere Archivmaterial heran, aber sein Fokus liegt ganz auf dem Konzert, das Conte mit seinem Instrumentalisten-Ensemble am 19. Februar 2023 in der Mailänder Scala gab.

Zum ersten Mal überhaupt habe das Opernhaus, das zu den berühmtesten der Welt zählt, einem nicht klassischen Musiker einen Auftritt gewährt, heißt es. Conte selbst steht eigentlich neben solchen Kategorien, sieht er sich selbst doch vor allem als Jazzmusiker und das in durchaus „klassischem Sinn“.

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Testis Film dokumentiert also in erster Linie das Konzert als solches, was den schönen Vorteil hat, dass man, anders als sonst in Dokumentarfilmen, viele Lieder ausgespielt und nicht nur in kurzen Schnipseln hört. Die Kameras fangen dazu auch ein paar Szenen hinter den Kulissen ein, kurz vor dem Konzert, währenddessen und hinterher.

Was Paolo Conte ausmacht, ist die ihm eigene Ironie

Conte ist trotz seines hohen Alters noch ein ungeheuer souveräner Performer. Wenn er erst an seinem Klavier sitzt, wirkt es so, als ob ihm die Welt gehöre. Auf den Wegen dahin und von dort weg scheint die Fragilität des Alters durch, mit der die diversen Assistenten mit Headset aber sehr diskret umgehen.

Donnerstag

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Zwischen die Musik schneidet Testi kurze Abschnitte mit aktuellen und historischen Aufnahmen, in denen Conte über sich und seine Musik spricht. Darüber etwa, dass im Grunde jede Sparte der Kunst danach strebt, in irgendeiner Form „Musik zu sein“. Oder dass er sich selbst als eine Art Landschaftsmaler begreift, nur dass eben seine Farben in Wahrheit Noten seien.

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Paolo Conte hat auch mit Sonnenbrille Durchblick auf der Bühne.
Paolo Conte hat auch mit Sonnenbrille Durchblick auf der Bühne. © Arsenal | Arsenal Filmverleih

Er erzählt, dass beim Komponieren die Musik noch vor den Texten kommt. In der Zusammenstellung wird auf wunderbare Weise deutlich, was Conte als Komponist, als Dichter, als Sänger und als Performer so einmalig macht: die gewisse Ironie, die sowohl ihm als Person als auch seinen Songs so eigen ist. Er ist in allem das Gegenteil von Schmalz oder Pathos.

Ein Film für Conte Fans - und ein Konzert zum Nach-Erleben

Mit Biografischem befasst sich der Film nur ganz am Rande. Conte erwähnt irgendwann seine Herkunft aus Asti im Piemont und dass er einst Jura studierte und auch lange Jahre als Rechtsanwalt arbeitete, bevor er den Beruf zugunsten der Musk ganz aufgab. Alles in allem ist dies ein Film für Conte-Fans, für die, die eigentlich schon alles wissen und sich glücklich schätzen, wenigstens im Dokumentarfilm noch einmal ausschnitthaft an einem seiner Konzerte teilhaben zu können.

Dokumentarfilm, Italien 2023, 110 min., von Girogio Testi, mit Paolo Conte