Robert Schwerdtfeger
Auf den ersten Blick ist „Nur noch ein einziges Mal“ eine allzu seichte und scheinbar vorhersehbare Liebesgeschichte: Lily (Blake Lively), das nette Mädchen vom Blumenladen nebenan, lernt den erfolgreichen und selbstbewussten Chirurgen Ryle (Justin Baldoni) kennen. Natürlich verlieben sie sich ineinander und natürlich scheint alles perfekt: Eine schicke Wohnung mit Dachterrasse, gemeinsame Abende in teuren Restaurants, der Antrag, die Hochzeit und schließlich die Schwangerschaft.
Ein Paar, wie füreinander gemacht. Und dann doch nicht
Das alles ist konventionell bis kitschig inszeniert, und man möchte beinahe den Saal verlassen, würde der Film nicht nach und nach eine unerwartete Abgründigkeit offenbaren: Lilys Vater, erfährt der Zuschauer auf einer zweiten Erzählebene (in der die jugendliche Lily von Isabela Ferrer verkörpert wird), verprügelte regelmäßig ihre Mutter. Davon weiß nur Lilys Jugendliebe Atlas (Alex Neustaedter), der die Schläge am eigenen Leibe zu spüren bekam.

Donnerstag
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Das ist lange her, doch auch in Lilys eigener Beziehung mit Ryle häufen sich die Merkwürdigkeiten: Als sie ein blaues Auge und er eine verbundene Hand hat, regt sich ein Verdacht. Lily selbst hingegen erzählt sich (und dem Zuschauer) eine andere Geschichte: Es war alles nur ein Unfall, und als sie nach einem Streit im Treppenhaus mit Platzwunde an der Schläfe aufwacht, ist sie selbstverständlich nur ausgerutscht und nicht etwa geschubst worden. Als Atlas (Brandon Sklenar) plötzlich wieder in ihr Leben tritt, weiß sie gar nicht mehr, was sie glauben oder fühlen soll.
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Lilys Nichtwahrhabenwollen, ihre Schönrederei, sind filmisch geschickt in Szene gesetzt. Und damit auch die Mechanismen, die es so schwierig machen, häuslicher Gewalt zu entkommen: Es ist nicht einfach Angst oder Bequemlichkeit, die Lily die Trennung erschwert, sondern der Glaube an Ryles letztendlich doch gutes Herz.
Und anders als man klischeehaft vermuten würde, ist der Schläger kein gefühlskalter Unmensch, sondern ein durchaus liebevoller, wohlmeinender Mann. Durch das Zulassen solcher Ambivalenzen und Zwischentöne hat der im allgemeinen nicht sehr subtile Film zuweilen ein paar Glanzmomente.
Man merkt dem Plot seine Künstlichkeit an
Überhaupt ist es ein cleverer Zug seitens des Regisseurs Justin Baldoni, eine zunächst unschuldige und märchenhafte Romanze in Gewalt umschlagen zu lassen. Weil aber die dazu gebrauchten erzählerischen Mittel allzu plump eingesetzt werden, merkt man dem Plot seine Künstlichkeit ebenso an, wie den Charakteren ihre Flachheit: Kindheitstraumata scheinen ihre einzigen Beweggründe.
Wer sich für das Thema häusliche Gewalt interessiert, weibliche Emanzipationsgeschichten mag oder die Romanvorlage von Colleen Hoover gelesen hat, wird an dem Film trotzdem seine Freude haben.
Romanze, USA 2024, 130 min., von Justin Baldoni, mit Blake Lively, Justin Baldoni, Brandon Sklenar




