Als die neu gestaltete Böttcherstraße in Bremen 1927 eröffnet wurde, standen die Hansestädter fasziniert vor den unerhörten Formen, die sich Bernhard Hoetger für das Museum zu Ehren von Paula Modersohn-Becker hatte einfallen lassen.

Donnerstag
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„Hoetgers Stil ist überall in Bewegung“, schrieb der Korrespondent der „Frankfurter Zeitung“: „Wirre, konstrastierende Lichtquellen, durch unvermittelt herausspringende Klinker aufgerissene Wände, unregelmäßige Konturen, der fantastische Schmuck der Decken und Wände, die Superlative der Ausdruckssucht geben Hoetgers Schaffen das Gepräge.“
Noch heute zählt das expressionistische Modersohn-Becker-Museum, finanziert vom Kaffee-Hag-Mogul Ludwig Roselius, zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Der Mann dahinter, der vielfarbig schillernde und auf keine Stilschule, keine künstlerische Masche festzulegende Bernhard Hoetger wurde vor 150 Jahren geboren. In der Künstlerkolonie Worpswede, wo der Architekt, Bildhauer, Maler und Kunsthandwerker ebenfalls vielfältige Spuren hinterließ, finden aus Anlass des Jubiläums im laufenden Jahr mehrere Ausstellungen zu seinem Wirken statt, und auch Gabriele Roses sehenswerter Dokumentarfilm trägt dazu bei, an den im kollektiven Gedächtnis verblassten Künstler zu erinnern.

Die Regisseurin hat dafür eine Mischform aus kleinen Spielszenen mit historischen Kostümen und Statements von Expertinnen und Experten aus der Gegenwart gewählt, sie gelangt damit zu wichtigen Nuancierungen.
Armut hat er bewusst in Kauf genommen
Hoetger, 1874 im Ruhrgebiet als Sohn eines Schneidermeisters und Schmieds geboren, ließ sich zum Steinmetz ausbilden, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und ging in jungen Jahren nach Paris, wo er, zunächst bewusst Armut in Kauf nehmend, mit seinen Skulpturen rasch Aufmerksamkeit erregte. Schauspieler Moritz Führmann zeichnet ihn als ruhelosen Menschen im permanenten Schaffensrausch, der zugleich mit seinem Charisma viele Mäzene für sich einzunehmen wusste.
Eine verstörende Pointe liegt in Hoetgers Verhältnis zum Nationalsozialismus. Er trat 1934 der NSDAP bei und glaubte, mit seinen esoterischen Visionen einer nordischen Kultur den Zeitgeist zu treffen, wurde aber als „entartet“ eingestuft. Eine Enttäuschung, die der Film sensibel ins Bild setzt.
Dokudrama, Deutschland 2024, 94 min., von Gabriele Rose, mit Moritz Führmann, Florian Lukas, Katharina Stark





