Vom Vaterland über Niemandsland und Mutterland bis zum Einheitsland: Der polnische Regisseur Kuba Czekaj bemüht unter diesen vier Kapiteln die ganz großen Begriffe in seiner Geschichte einer Emanzipation. „Lipstick on the Glass“ steckt dabei vor allem voller Versprechungen.
„Lipstick on the Glass“: Zwischen Autohändler und Frauensekte
Wie der Lippenstift am Anfang eine pure Verheißung darstellt, den Emeryka (Agnieszka Podsiadlik) auf einer Glasflasche hinterlässt und damit in einem polnischen Einkaufszentrum die Aufmerksamkeit einer rätselhaften männlichen Person weckt, die sich später als Frau mit dem Namen „Etwas“ (Lena Lauzemis) erweist.
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„Etwas“ wird Emeryka aus ihrer Ehe mit dem verrückten Autohändler Bogey (Stipe Erceg) führen. Aber nicht ins Glück einer feministischen Befreiung, sondern mitten in die Arme einer obskuren Frauensekte, die ihr die Sehnsucht nach ihrer Tochter und ihr nur geduldetes Dasein als Mutter mit Schlägen auszutreiben versucht. So sucht Emeryka alsbald einen neuen Weg der Freiheit.
Neonbunter psychedelsicher Trip im Stil der 80-er
Das hört sich linearer an, als dieser wilde Experimentalfilm sich gibt, der nur ein einziges Raunen darstellt: psychedelische Musik, zahllose Überblendungen, in Rot getunkte Bilder, gehauchte Worte („Du bist nicht mehr ein Etwas, du bist Emeryka“) geben eine Bedeutung vor, die die Geschichte nicht einlöst.
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Eine enervierend vor der Kamera flatternde Friedenstaube, eine Pistole in der Unterhose, die Geburt eines Kälbchens zu sakraler Musik mögen die Themen (Freiheit, Begierde, Neuanfang) gut auffangen – allein, sie stehen so verloren im Weg herum wie die Landesbegriffe unter den Kapiteln. So macht dieser neonbunte psychedelische Trip im Stil der 80-er viel Gewese um eine nur kleine Geschichte.
Experimentalfilm, D/POL 2024, 116 min., von Kuba Czekaj, mit Lena Lauzemis, Agnieszka Podsiadlik, Stipe Erceg



