Zionskirche in Mitte

Stipe Erceg über seine Rolle als unkonventioneller Priester

Stipe Erceg spielt in der Serie „Culpa – Niemand ist ohne Schuld“ einen Priester, der Sünden verhindern will. Ein Besuch am Set.

"Culpa - Niemand ist ohne Schuld" mit Stipe Erceg ab Sommer 2017 auf 13th Street

"Culpa - Niemand ist ohne Schuld" mit Stipe Erceg ab Sommer 2017 auf 13th Street

Foto: P4444/_NADJAKLIER / obs

Winterlicht kriecht über den Fliesenboden des Kirchenschiffs, streift die schwarze Kutte des Priesters, der jetzt mit einer Frau aus dem Beichtstuhl tritt. Die Wangen sind wie ausgehöhlt, die Augenränder dunkel, die violettfarbene Stola scheint zentnerschwer auf seinen Schultern zu ruhen. Dieser Priester sieht müde aus, wie abgekämpft von den Sorgen seiner Gemeinde. „Willst du nicht auch beichten?“, fragt er einen Mann in der ersten Reihe. Seine tiefe Stimme ist bis in den Rumpf der Kirche zu hören. Nein, will er nicht. Der Priester seufzt und schaut ihm hinterher, mit einem Blick, irgendwo zwischen Resignation und Unglauben. „Okay“, ruft von der Seite eine Stimme, „die Einstellung ist gekauft“. Der Mann kommt langsam zurück. Der Pfarrer dreht sich um, klettert wieder hinein in den Beichtstuhl. Spätestens jetzt ist klar: Das ist kein gewöhnlicher katholischer Priester. Es ist der Berliner Schauspieler Stipe Erceg, der für die Serie „Culpa – Niemand ist ohne Schuld“, die erste Eigenproduktion des deutschen Ablegers von NBC Universal, zum ersten Mal in die Rolle eines Priesters geschlüpft ist.

An seiner Seite drehen an diesem Tag die Schauspieler Dirk Martens und Barbara Philipp. In anderen Episoden werden Ludwig Trepte, Maxim Mehmet , Mehmet Kurtulus, Alina Levshin und Friedrich Liechtenstein zu sehen sein. Viele Gemeinden wollten sich nicht auf die Dreharbeiten einlassen. Das Filmteam aus München hat viel herumgefragt. Eine wollte aber doch: die Berliner Zionskirche. Dort wurde drei Wochen lang gedreht. Regie führte der Berliner Jano Ben Chaabane, der in den vergangenen Jahren einige Comedyformate für das Duo Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf geschrieben und abgedreht hat.

„Da konnte ich sehr viel schreien“

Unkonventioneller Priester will Sünden und Verbrechen verhindern

In der Zionskirche arbeitet Erceg als ziemlich unkonventioneller Priester. Im Beichtstuhl erfährt er von Geheimnissen, Sünden und Verbrechen. Die will er natürlich verhindern. Doch sein Beichtgeheimnis steht im Weg. Also versucht er die Beichtenden davon zu überzeugen, das doch lieber sein zu lassen, was sie da geplant haben. Ob es ihm gelingt, das kann man im nächsten Sommer beim Pay-TV-Sender 13th Street verfolgen. Andere Folgen spielen im Gefängnis und im Büro eines Geheim­agenten.

„Dieser Priester ist eine Rolle, die ich auch leben könnte“, sagte Erceg am Rande der Dreharbeiten. So als eine Art moderner Mönch in einer Großstadt wie Berlin, das könne er sich schon gut vorstellen. Er habe sich schon öfter mit religiösen Fragen und Themen beschäftigt – deswegen freue es ihn, dass er jetzt eine solche Rolle bekommen habe. Nach Filmen wie „Die fetten Jahre sind vorbei“ und „Der Baader-Meinhof-Komplex“ – Erceg ist da eher politischer Revolutionär als braver Gottesmann – da wirkt es fremd, den Berliner mit kroatischen Wurzeln so zu sehen. Aber nur auf den ersten Blick.

„Ich weiß, dass es Gott gibt“

Auf den zweiten passt es so gut, weil Erceg eben keinen gewöhnlichen Gottesmann mimt. Hager ist er, kantig und eigenwillig, gar nicht fromm. Er hat etwas erlebt, was der Zuschauer nicht weiß. Erst von Folge zu Folge soll man den Priester besser kennenlernen, seine Geheimnisse erfahren. Erceg gefällt das. Die Rolle, die Serie, „das hat wieder mein Herz aufgemacht“, sagt Erceg über die fünfzehn Drehtage. „Ich bin aber auch ein gläubiger Mensch“, sagt er, schaut nach oben und ergänzt langsam, „das heißt, ich glaube nicht nur an Gott. Ich weiß, dass es ihn gibt“.

Erceg ist auch der Beichtstuhl nicht fremd. Da habe er auch vor der Serie schon drin gesessen. Nur eben nicht auf der Seite des Pfarrers. Nicht so Schauspieler Dirk Martens, der in dieser Folge wieder auf den rechten Weg gebracht werden soll. Zwar wurde der Berliner ebenfalls christlich erzogen und hat auch einige Freunde, die regelmäßig zur Beichte gehen. „Aber ich bin eben selbst noch nie in den Beichtstuhl gestiegen“, sagt er und schiebt die riesige Fensterglasbrille wieder auf die Nase. Bis jetzt. Bis er in einer der vier Folgen auf den geheimnisvollen Pfarrer trifft. Und die beiden, so viel darf verraten werden, im Mittelgang der Zionskirche bowlen.