Wim Wenders hat schon viel erlebt. Und ist doch tief bewegt. Denn am 18. Juli stellte er im Freiluftkino Friedrichshain die neue, 4K-restaurierte Fassung seines Klassikers „Paris, Texas“ vor. Der Film, für den er vor 40 Jahren die Goldene Palme gewonnen hat. Das ist mehr als die Hälfte seines Lebens, der Filmemacher wird am 14. August 79.
„Paris, Texas“ ist nicht gealtert und entfaltet noch immer Magie
Weltpremiere hatte die neue Fassung deshalb in diesem Jahr in Cannes, die Deutschlandpremiere findet nun natürlich in der Stadt statt, in der er lebt. Und die Reihen sind restlos ausverkauft. Nächste Woche kommt der Film sogar noch mal regulär ins Kino. Und kann erneut genossen werden.
Denn „Paris, Texas“ ist nicht gealtert. Und entfaltet noch immer seine eigene Magie. Mit der berührenden Geschichte eines Amerikaners, der Reißaus aus seinem Leben genommen hat und sich nach Jahren wieder in die Welt tastet. Sich seinem kleinen Sohn annähert. Und dann auch seiner Frau. Mit der berühmten Schlüsselszene zwischen Harry Dean Stanton und Nastassja Kinski mit einem Spiegelglas dazwischen.
Lesen Sie auch: RP Kahl und Rainer Bock über ihren Auschwitz-Film „Die Ermittlung“

Und mit den grandiosen Bilder aus den USA, teils neonfarben wie aus einem Edward-Hopper-Gemälde gefallen scheinen. Wenders erzählt seinen Fans, wie aufwendig eine digitale Restaurierung Bild für Bild ist, was aber nötig sei: „Filme auf Zelluloid sind unsichtbar, deshalb muss man sie wieder sichtbar machen.“ Und näher als mit dieser Fassung könne man der Originalkopie von einst nicht kommen.
Wehmütige Bilder zum Abschied von Amerika
Und dann dankt er den drei Männern, die maßgeblich am Erfolg des Films beteiligt waren: der Drehbuchautor Sam Shepard, sein begnadeter Kameramann Robby Müller und Gitarrist Ry Cooder, der mit nur wenigen Riffs eine unvergessliche Filmmusik evozierte. Vor ihnen verneigt sich der Filmemacher. Ein Akt der Bescheidenheit.
Lesen Sie auch: Sandra Hüller über die Wendezeit: „Eigentlich ganz schön brutal“

Denn es war schon Wenders, der das alles zusammen brachte. Und damit seinen eigenen Traum von einer Karriere in Amerika beendete, aber zum Abschied einen sehr persönlichen Film drehte. Der sogar ein neues Wort geprägt hat: Americana. Weil er damit gezeigt hat, was es da Schönes gab. „Heute“, meint er traurig, „würde das schon schwerer fallen.“
Ab 25. Juli wieder im Kino.



