Jetzt erst recht, scheinen sich all jene zu sagen, die das Streetfood-Festival im Hof der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße besuchen: Schon am frühen Vormittag wimmelt es vor Menschen, die sich an den Ständen mit Borschtsch, Schaschlik, Hummus und Sushi versorgen. Alles koscher, klar.

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Es ist das erste Koschere Streetfood-Festival nach dem 7. Oktober, als Terrorgruppen der Hamas Israel überfielen, fast 1200 Menschen ermordeten und über 240 Geiseln verschleppten. Während des folgenden Gazakriegs erstarkte der Antisemitismus weltweit. Auch die 37. Jüdischen Kulturtage, die während eines Pressegesprächs mitten im Streetfood-Festivaltrubel präsentiert werden und vom 12. bis 22. September stattfinden, wurden unter dem Eindruck der brutalen Zäsur geplant. „Licht“ heißt das diesjährige Motto, ein Zeichen der Hoffnung und der Sichtbarkeit.

„Wir müssen die Fahne hochhalten“, sagt Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde von Berlin. „Natürlich haben wir überlegt, ob wir nach dem 7. Oktober weiter feiern können. Aber heute ist es besonders wichtig zu zeigen, wie vielfältig jüdischen Leben sein kann.“ Kulturtage-Intendant Avi Toubiana sieht das ähnlich: „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir hier sind, uns nicht verstecken.“

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Besonders sichtbar wird dabei das Festtage-Finale, weil es mitten in der Öffentlichkeit stattfindet: Am 22. September wird auf dem Bebelplatz, also jenem Ort, an dem 1933 deutsche Studenten Bücher insbesondere jüdischer Autoren verbrannten, eine neue Tora-Rolle vollendet. Von dort wird sie in einem großen Konvoi zur Einweihung in die Beth Zion Synagoge in der Brunnenstraße gebracht. Ihre Buchstaben werden den Opfern des Massakers vom 7. Oktober gewidmet.

Davor reihen sich an den elf Tagen über 40 Programmpunkte zwischen Konzert, Lesung, Filmvorführung und Diskussion aneinander. So gibt es ein Konzert mit dem israelischen Singer-Songwriter David Broza, einen Auftritt des Stand-up-Comedians Elon Gold aus den USA, berühmt unter anderem für seine Trump-Parodien. Das französische Ensemble Sirba Octet macht Klezmer und die Band Jane Bordeaux singt Country-Folk – auf Hebräisch! Außerdem präsentiert das Literaturzelt auf dem Bebelplatz Lesungen, Diskussionen und Workshops zur althebräischen Kalligrafie; eine Filmreihe zeigt aktuelles Autorenkino aus Israel.

Eröffnet werden die Kulturtage am 12. September mit einem Konzert von Shiri Maimon, israelische Teilnehmerin beim Eurovision Song Contest 2005, die ihre Lieder zusammen mit dem Sinfonie Orchester Berlin unter der Leitung von Igor Budinstein in der Synagoge Rykestraße präsentiert. Parallel schafft Graffitikünstler Benzi Brofman im Hof ein Bild. Dass ein so groß angelegtes Konzert viel Geld kostet, wundert nicht. Problematisch wurde es in diesem Jahr, weil sich etliche Sponsoren zurückzogen – niemand wollte „ins politische Visier geraten“, wie Toubiana es diplomatisch ausdrückt. Möglich wurde die Eröffnung dank der Lottostiftung – und jüdischer Sponsoren, die aber nicht genannt werden wollen.

Da ist er wieder, der lange Schatten des 7. Oktobers, der das jüdische Leben nicht nur in Israel, sondern auf der ganzen Welt grundlegend verändert hat. Um so wichtiger, dass es nicht aus der Öffentlichkeit verschwindet, sondern gefeiert wird, mitten in der Stadt, am Tag, im Licht.

Informationen: www.juedische-kulturtage.org