Es war vor allem Stille. Stille durchbrochen von Alltagsgeräuschen, die den Horror brachten in John Krasinskis Überraschungserfolg „A Quiet Place“. Eine Art Stummfilm im Horrorgenre. Stumm, weil die Gefahr der Aliens eben durch Geräusche kam. Sie waren blind, aber ausgestattet mit absolutem Gehör. Wer Krach, nein, wer das leiseste Geräusch verursachte, wurde gefressen. So einfach waren im Sommer 2018 die Spielregeln.

Das Grauen geht weiter - bzw. 476 Tage vor

Der erste Teil funktionierte durch die Reduktion auf ein rudimentäres, einfaches Setting: eine vierköpfige Familie (in den Erwachsenenrollen: der Regisseur selbst und seine Frau Emily Blunt) versucht auf ihrer Farm zu überleben. Jede knarzende Diele, jeder Nagel im Fußboden ein Risiko, die bevorstehende Geburt des dritten Kindes eine tickende Zeitbombe. Die Prämisse war einfach – ohne groß Antworten auf die Frage zu geben, wie es zu dieser Apokalypse überhaupt kommen konnte. Selbst in der unvermeidlichen, aber ebenso effektiven Fortsetzung „A Quiet Place 2“ gab es sie nicht, die Antworten.

Und das Gute: Das Prequel „A Quiet Place: Tag Eins“ versucht erst gar nicht, die noch immer fehlenden Antworten zu finden, sondern macht einfach da weiter, wo die anderen Filme aufgehört haben. Nur 476 Tage vorher. Denn der Untertitel deutet es schon an, es geht um Tag Eins, den Tag, der alles veränderte. Diesmal sind es nicht Krasinski und Blunt mit den Kindern, die leise sein müssen. Diesmal spielt der Film in New York. Der Big Apple, die Stadt, die niemals schläft – und die eben auch nie leise ist. Oder eben war. Eine Stadt mit einem Grundrauschen von 90 Dezibel, so heißt es im Vorspann. Bis zu Tag Eins.

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Wie aus dem Nichts attackieren die Aliens die Erde, das Militär ist machtlos, die Bevölkerung schnell dezimiert. Vielleicht ein Ticken zu schnell findet Samira, die Protagonistin des Films (die diesjährige Berlinale-Präsidentin Lupita Nyng’o), heraus, dass es darum geht, still zu sein. Das kann sie, hat Samira doch als Bewohnerin eines Hospizes eh schon mit dem Leben abgeschlossen. Wie ein Schatten ihrer selbst, wie ein Gespenst geistert sie durch Manhattan, in wechselnder Begleitung, immer dabei: ihre Katze. Auf der Suche nach einer letzten guten Pizza.

Genialer Schachzug: Die Überlebende wohnt schon im Hospiz

Regisseur und Drehbuchautor Michael Sarnoski vermeidet es, zu zeigen wie die Stadt zerstört wird. Denn Manhattan liegt schnell in Schutt und Asche, der Staub legt sich gleich zu Beginn wie Masken über die Gesichter der stummen Überlebenden. Es hat fast etwas kammerspielartiges, dieses leere, leise New York. Aufgeschreckt durch hungrige Aliens. Und durch die Wahl der Protagonistin nimmt sich der Film seine eigene Fallhöhe. Ein genialer Schachzug. Denn Todgeweihte überleben länger.

Thriller USA 2024, 100 min, von Michael Sarnoski, mit Lupita Nyong’o, Joseph Quin, Djimon Hounsou