Die Tatsache, dass ihre Heldin Marguerite (Ella Rumpf) hochbegabt ist, unterstreicht die französische Regisseurin Anna Novion schon rein äußerlich. Die junge Mathematik-Studentin entspricht dem Klischee dessen, was man früher in schamlosen Sexismus „Brillenschlange“ nannte: Unscheinbar in grau-blaue Kombinationen von Jeans und T-Shirt gekleidet, die Haare unachtsam-ungepflegt zum kurzen Pferdeschwanz zusammengebunden und natürlich das Gesicht dominiert von einem Brillengestell.

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Wenn dies eine herkömmliche Liebeskomödie wäre, wüsste man, worauf die Geschichte hinausläuft: eine entspanntere, „weiblichere“ Marguerite an der Seite eines Mannes. Ganz so vorhersehbar legt Novion zwar ihren Film dann doch nicht an, sie bleibt aber bedauerlich nah am Stereotyp.
Dabei nimmt der Film „Die Gleichung ihres Lebens“ erst richtig Fahrt auf, als für Marguerite die Welt zusammenbricht. Gerade war sie noch die Muster-Doktorandin an der Pariser Elite-Universität ENS. Dass sie die Hochschule in Hausschuhen durchschreitet, belegt, wie aufgehoben sie sich hier fühlt. Bis ein neuer Muster-Student auftaucht, der bei ihrem Professor Laurent Werner (Jean-Pierre Darroussin) promovieren möchte.
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Und ausgerechnet dieser Neue namens Lucas (Julien Frison) weist durch eine Frage im Kolloquium auf einen Fehler in ihrer geplanten Doktorarbeit hin. Marguerite ist am Boden zerstört. Als Professor Werner nicht nur jede Mitverantwortung ablehnt – hätte er als ihr Supervisor den Fehler nicht schon vorher entdecken müssen? –, sondern ihr auch noch anrät, bei einem anderen Doktorvater neu anzufangen, schmeißt sie alles hin.
Wie die Gleichung aufgeht, ist kein mathematisches Geheimnis
Die interessanteste Phase des Films spielt in dieser Ungewissheit, in der Marguerite ihre bisherige Identität ablegen muss. Was macht jemand, der bislang so auf ein einziges Ziel fokussiert war? Der filmische Zufall lässt sie recht schnell eine neue Wohnung und neue Freundschaften finden, sexuelle Eskapaden eingeschlossen.
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In den illegalen Mahjong-Spielen ihrer neuen migrantischen Nachbarschaft stößt sie dazu auf eine lukrative Weise, ihre Mathe-Begabung in bare Münze umzusetzen. Statt in neue Welten aber führen sie all die Inspirationen zum Vertrauten zurück: dem mathematischen Beweis, für dessen Lösung sie sich sogar mit ihrem einstigen Konkurrenten Lucas aussöhnt. Wie die Gleichung zum Schluss aufgeht, ist alles andere als ein Geheimnis der Mathematik.
Tragikomödie, F/CH 2023, 114 min., von Anna Novion, mit Ella Rumpf, Jean-Pierre Darroussin




