Man weiß gar nicht, wo man zuerst hingucken soll: Auf die Bühne, wo Dieter Thomas Kuhn mit seiner Band „Über den Wolken“ in eine Uptempo-Nummer verwandelt, oder doch zu der Frauengruppe mit den herzchenförmigen bunten Sonnenbrillen und den Hippie-Blumen im Haar. In jedem Fall herrscht hier wie dort allerfeinste Partylaune, die zu den kultigsten Schlagern überhaupt gebührend zelebriert wird. Etwa Bata Illics herrliche Schnulze „Michaela“ oder Jürgen Marcus schmissiger Hit „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“. Man glaubt es kaum, aber dabei kann man sogar headbangen, wie manche im Publikum ausgelassen beweisen.

Donnerstag
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Dieter Thomas Kuhn ist zurück und feiert im maßgeschneiderten Seventies-Fummel mit Fans, den „Kuhnis“, wieder einmal ein farbenfrohes Schlager-Woodstock. Zuletzt stand der König des gecoverten Schlagers mit seiner Kapelle, wie der 58-jährige Sänger aus Tübingen seine Band liebevoll nennt, 2019 in der Waldbühne auf der Bühne. Vier Jahre und eine Pandemie später sagt er nun auf seiner aktuellen Tour vor ausverkauften Rängen mit dem berühmten Howard Carpendale-Song auf den Lippen „Hello Again!“ Und fast scheint es so, als wäre die Zeit stehengeblieben.
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Konstant und absolut verlässlich liefert die „singende Fönwelle“ auch diesmal ein Best-of des deutschen Schlagers der Sechziger und Siebziger ab. Wobei die Interpretationen von DTK, wie ihn seine Fans nennen, durchaus druckvoller und groovebetonter sind als die Originale. Mit seinen Versionen von Klassikern wie Udo Jürgens „Griechischer Wein“, Peter Maffays „Und es war Sommer“ oder Umberto Tozzis „Ti Amo“ scheint die ZDF-„Hitparade“ mit einem zeitgemäßen musikalischen Update in der Gegenwart aufgeschlagen zu sein.
Die Kuhnis genießen das Retro-Lebensgefühl
Die wunderbar kostümierten Kuhnis genießen derweil ganz schlagertrunken das Retro-Lebensgefühl und singen mit, was das Zeug hält. Vor allem in den hart umkämpften Reihen nah der Bühne. Nein, die weiblichen Fans buhlen nicht darum, Groupie sein zu dürfen. Sie wollen etwas ganz anderes: Trophäen! Und zwar aus Dieter Thomas Kuhns Brusthaar-Toupet. Weil das Ding am Ende jeden Konzerts deshalb jedes Mal arg zerrupft ist, kauft der Schlagerbarde den künstlichen Brustpelz gleich als Meterware zum Aufkleben. Kein Wunder also, dass Strähne um Strähne als heilige DTK-Reliquie großzügig unters Volk gebracht wird.
Das Gros der Zuschauer ist aber auch ohne haarige Erinnerungsstücke glücklich. Dazu bedarf es von Dieter Thomas Kuhn nur ein bisschen inbrünstiger Caterina Valente-Nostalgie mit „Sag mir Quando“ und schon weiß man: Das Leben ist schön.





