Die Bühne des Olympiastadions ist pechschwarz, die Aufregung des Publikums kann man spüren. Plötzlich erleuchtet ein riesiges „M“ die Location und dann ist es so weit: Leicht prätentiös betritt das Depeche-Mode-Duo aus Martin Gore und Dave Gahan die Bühne und eine Welle des Applauses brandet durch das Olympiastadion, während die ersten Töne erklingen.

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Dass die beiden wegen des unerwarteten Todes von Andy Fletcher im Mai 2022 nur noch zu zweit sind, ist im ersten Moment am Freitagabend zwar ein ungewohnter Anblick. Aber als ohne ein Wort der Begrüßung wabernde Sounds ertönen und Gahan empyreisch singt „Don't stare at my soul / I swear it is fine (don't mess with my mind)“, steht fest: Auch zu zweit ist es für die beiden nicht im geringsten eine Herausforderung, 70.000 Menschen mit ihrer „richtig geilen Musik“, wie ein Fan es bezeichnet, zu begeistern.
Depeche Mode vor 70.000 im ausverkauften Olympiastadion
Das ist wohl auch der Grund, wieso die englische Synthie-Rock-Band dafür keine Show, keine Tänzer und kein Bühnenbild braucht. Die harten Metalic-drums und die melancholischen Melodien in Songs wie „Sister Of Night“ und „In Your Room“ reichen völlig aus, um für rhythmisches Kopfnicken und in die Luft gestreckte cornas (ital. Hörner), das typische Rock- und Metal-Zeichen, zu sorgen.
Doch während der ersten Hälfte des Konzertes geht es noch verhältnismäßig ruhig zu, was vermutlich den Liedern des neuen Albums wie „Wagging Tongue“ und „My Cosmos Is Mine“ zu schulden ist. Denn die stehen ganz unter dem Motto und Titel des Albums „Memento Mori“, also „Sei dir deiner Sterblichkeit bewusst“. Von Hoffnung und Fantasie ist in den Songs daher keine Spur mehr. Stattdessen dominiert eine bei Depeche Mode vorher in dem Ausmaß nie dagewesene Schwere und Melancholie. Die Fans in Berlin scheinen an dieser Düsternis jedoch ihren Gefallen zu finden, das geht zumindest aus dem frenetischen Applaus hervor.
Aber das ist natürlich noch nicht alles, was Depeche Mode als eine der erfolgreichsten Bands der Welt zu bieten hat. Bei all-time-favourites aus den Achtzigern und Neunzigern wie „Everything Counts“ und „Walking In My Shoes“ grölen die 70.000 Fans textsicher die Lyrics mit und bejubeln Gahan, der sich in einem Moment theatralisch durch die gegelten Haare fährt und im nächsten schon wieder mit ausgebreiteten Armen im Kreis über die Bühne wirbelt. Die Fans toben und auch das Depeche-Mode-Duo strahlt jetzt über das ganze Gesicht.
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Düsterer Start: Nach dem Tod sind die Synthie-Rocker nur noch zu zweit
Dass die beiden danach dann sogar noch von der bisherigen Tour-Setlist abweichen, indem sie die harmonischen, sanfteren Lieder „A Question Of Lust“ und „Soul With Me“ für ihr Berliner Publikum spielen, überrascht doch sehr. Schließlich kommt es bei einer Welt-Tournee der A-Klasse wie dieser nicht sehr oft vor, dass es in verschiedenen Städten Variationen in der Songauswahl gibt. Aber vielleicht möchte das Duo den Fans, die nach Berlin gekommen sind, damit ja ihre ganz besondere Zuneigung und Verbindung beweisen, schließlich wurde „A Question Of Lust“ in den Berliner Hansa Studios abgemischt.
Die Fans scheinen von diesem Liebesbeweis jedenfalls begeistert und schreien so laut, dass Gore sich mehrmals bedankt und sie als „absolut wundervoll“ betitelt.
Absolut wundervoll sind dann auch die zwei kurz darauffolgenden Songs, auf die alle gewartet haben: "Just Can't Get Enough" und „Enjoy the Silence“. Der Refrain des Letzteren „All I ever wanted / All I ever needed / Is here in my arms / Words are very unnecessary /They can only do harm“ hallt durch das Olympiastadion und sorgt wahrhaftig für Gänsehaut. Singende, tanzende, über das Gesicht strahlende Menschen, so weit das Auge reicht. Ein Eindruck, mit dem das Konzert nicht hätte besser ausklingen können.
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