Mit den Weihnachtsgeschenken kann man nicht früh genug anfangen. Das frohe Fest naht in Riesenschritten. In rund neun Monaten ist es ja wieder soweit. Horst Evers hat auch schon ein paar prima Ideen, wenn es mal was Ausgefallenes, wirklich Überraschendes sein soll. Sich selbst dem Partner unterm geschmückten Tannenbaum als Ganzkörpergeschenk mit Nacktschleife zu präsentieren ist nur eine davon.
Horst Evers fühlt sich in seinem zweiten Wohnzimmer pudelwohl
Das traumatische Bild vor Augen, muss Autorin und Kabarettistin Katinka Buddenkotte schwer an sich halten, um beim Vorlesen von Evers Geschichte „Schau mir in die Augen“ nicht laut loszuprusten. Der Urheber der schrulligen Geschenk-Idee sitzt derweil neben ihr und kommentiert sowohl seine Geschichte als auch Buddenkottes Performance. Was es nicht unbedingt leichter macht. Aber schließlich sind wir in Horst Evers zweitem Wohnzimmer, dem Mehringhof Theater. Und wo, wenn nicht hier, könnte der Berliner Geschichtenerzähler seine spontanen Überlegungen so frei von der Leber weg erzählen.
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Betitelt mit „Lies meinen Text!“, liegt dem Abend jenes Tausch-Konzept zugrunde, das man auch aus der erfolgreichen TV-Musikshow „Sing meinen Song“ bestens kennt. WortArt, Verlag und Label rund um Kabarett und Comedy, hat sich nämlich überlegt, dass es doch urkomisch wäre, wenn zwei Humorfacharbeiter ihre Geschichten austauschen und sich gegenseitig vorlesen. Also hat man zwei Abende für eine Lese-Show angesetzt, um eine CD aufzunehmen. So bekommt man genug Material zusammen, um im finalen Schnitt die Höhepunkte und Glanzleistungen der Künstler auf den Tonträger zu bringen. Könnte ja was Unvorhergesehenes passieren.
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Nun sind Katinka Buddenkotte und Horst Evers ein Dreamteam für Unvorhergesehenes. Allein ihre Begrüßungsworte mitsamt der Einleitung haben absolute Überlänge. Schließlich muss für das Hauptstadt-Publikum erstmal geklärt werden, woher Frau Buddenkotte kommt. Horst Evers entscheidet sich für die vorsichtige Umschreibung „aus einem Mittelzentrum nahe Köln“. Er will ja schließlich niemandem zu nahe treten. Katinka Buddenkotte verrät, dort habe man auch eine Art Dom. Einen Kreis mit einem Kreuz drin, das aus den Versalien „Bayer“ besteht. Und ja, sie wohne zwar in Leverkusen, lebe dort aber nicht. Was immer das auch heißen soll.

Donnerstag
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Erste Hürden beim Texttausch tauchen auf, als Horst Evers versucht, eine Geschichte seiner Kollegin zu lesen. Um bloß keine Brille tragen zu müssen, wie alle in seinem Alter, bevorzugt er es, sich die Dioptrien direkt aufs Papier zu drucken. Die Schriftgröße sei zwar mittlerweile im höheren zweistelligen Bereich, aber immerhin noch nicht ganz so peinlich wie ein Taschenbeamer. Doch dann muss er trotzdem zur Lesebrille greifen und verteidigt sich vehement: „Das ist keine richtige Brille. Das gilt nicht. Das ist eigentlich eine Lupe mit zwei Bügeln dran.“
Katinka Buddenkotte: Mit „Hupsi, der Hase“ geht es ans Eingemachte
Nachdem die Zuschauer akzeptiert haben, dass Horst Evers keine Brille trägt, geht es ans Eingemachte. Katinka Buddenkottes unveröffentlichten Erstling „Hupsi, der Hase“. Wiedergefunden im Keller ihrer Eltern. Während sie noch überlegt, dass es ein toller Stoff für ein Drehbuch wäre, verliert sich Horst Evers glücklich in der perfekten Work-Live-Balance des Hopplers. Wenig Bewegung, viel Schlaf. Mit dem Vorlesen kommen die beiden nicht so recht voran. Das Drumherum aber ist zum Niederknien komisch. Vielleicht sollte das Album einfach „Abschweifungen mit Horst und Katinka“ heißen.
Mehringhof Theater, Gneisenaustr. 2a, Kreuzberg, Tel. 691 50 99, 4.3. 20 Uhr




