Im Zentrum der neuen Ausstellung im Deutschen Historischen Museum (DHM) – der ersten Kinderausstellung des Hauses überhaupt – steht ein faszinierendes, großformatiges Gemälde, das schon zu den beliebtesten Exponaten der derzeit geschlossenen Dauerausstellung gehörte. Es stammt aus dem Jahreszeiten-Zyklus der „Augsburger Monatsbilder“, ist in den vergangenen Jahren aufwändig restauriert worden und wird nun erstmals wieder gezeigt. Zu sehen ist in unzählbar vielen Details und Figuren das pralle Leben im frühneuzeitlichen Augsburg: die städtische Elite vergnügt sich bei Spiel und Gesang, Turnierleute üben sich im Lanzenstechen, ein Hirte auf der gebirgigen Fantasielandschaft im Hintergrund hütet seine Herde.

Mit Recht vergleicht Raphael Gross, Präsident des DHM, das bunte Treiben auf diesem Bild mit den Wimmelbildern des Kinderbuchillustrators Ali Mitgutsch: Man kann sehr viel Zeit damit verbringen, immer wieder etwas Neues entdecken und darüber sinnieren, was hier historische Realität wiedergibt und was das Repräsentationsbedürfnis der selbstbewussten städtischen Elite. Petra Larass und Stephanie Neuner haben es, unterstützt vom Kinderbeirat „Kluge Zauberdrachen“ – 24 Schülerinnen und Schülern der Grundschule am Tränkegraben in Lichtenberg – zum Ausgangspunkt für eine Zeitreise gemacht, die sich an ein Publikum im Grundschulalter wendet.

Aber auch Erwachsene können daran ihre Freude haben. Vier Figuren treten in Gestalt menschengroßer Pappaufsteller aus dem Bild und erzählen vom Leben in der Frühen Neuzeit: eine Patrizierin, ein Turnierreiter, ein Händler und ein Hirte. Auch mit den im Bild thematisierten Spielen kann man sich hier beschäftigen: etwa mit einer Partie Schach oder mit einem ungefährlichen Lanzenspiel. Historische Objekte wie eine Rüstung oder ein zeitgenössischer Spielbrettkasten lassen das Dargestellte lebendig werden – und an einer kleinen Akustikstation kann man ausprobieren, ob man die Melodie einer Laute von der einer Schalmei unterscheiden kann. Es ist eine partizipative, für Kinder im Grundschulalter bestens geeignete Ausstellung – und einen besonderen Clou hat sie auch: In einem Raum hinter dem Augsburger Monatsbild lässt sich nicht nur dessen Rückseite betrachten. Die Kinder können an Tischen der Kreativwerkstatt das Gesehene auch zeichnerisch verarbeiten.

Deutsches Historisches Museum (Pei-Bau), Hinter dem Gießhaus 3, Mitte. Geöffnet täglich 10-18 Uhr. Eintrittsfreies Eröffnungswochenende: 1. und 2. Juni (Kinderausstellung 1. Juni ab 13 Uhr).



