„IF: Imaginäre Freunde“ ist ein Film, den der Regisseur und Schauspieler John Krasinski einzig und allein für seine Töchter gemacht hat. Denn bisher dachten die, er sei Buchhalter, verheiratet mit Mary Poppins – seine Frau Emily Blunt hat vor sechs Jahren der Disney-Ikone neues Leben eingehaucht.

Seine postapokalyptischen, stummen Horrorfilme „A Quiet Place“ und „A Quiet Place 2” hat er bisher gekonnt vorm Nachwuchs verstecken können, nur die Plakate zu seiner Action-Serie „Jack Ryan“ warfen Fragen am Abendbrottisch auf, die er nicht beantworten konnte und wollte.

Ein Film, den der Regisseur für seine Kinder gemacht hat

Also hat er sich, inspiriert von den Töchtern, in den Kopf gesetzt, einen Film über imaginäre Freunde zu machen. Über „IFs“ eben, Quell kindlicher Fantasie und für viele ein wichtiger Wegbegleiter zum Erwachsenwerden. Und vielleicht auch darüber hinaus. Was auf den ersten Blick wirkt wie ein inoffizielles Sequel zu Pixars „Alles steht Kopf“, ist ein fantasievoller, leidenschaftlicher und mitunter auch skurriler Film über kindliche Vorstellungskraft und imaginäre Freunde.

Allein die Ausgangssituation hat es in sich, im Schnelldurchlauf erzählt Krasinski von der Krebserkrankung der Mutter seiner weiblichen Hauptfigur Bea. Ein kleiner Zeitsprung, aus dem traumatisierten Mädchen von einst ist eine schüchterne Pubertierende (Cailey Fleming) geworden, deren Schicksal sich zu wiederholen scheint.

Diesmal ist der Vater schwer erkrankt – von Krasinski selbst gespielt mit der nötigen Portion Galgenhumor. Tochter Bea kommt zur Großmutter (großartig zurückhaltend gespielt von der britischen Theaterlegende Fiona Shaw). Und da trifft Bea auf den geheimnisvollen, schlagfertigen Nachbarn Cal (Ryan Reynolds) mit dem sie gemeinsam in das Reich der imaginären Freunde eintaucht.

Einer davon ist Blue, ein großes, lilafarbenes Fellknäuel, dass man einfach nur gerne haben kann. Ja, genau, lila, denn das Kind, das ihn einst zum Freund hatte, war farbenblind. Es sind Details wie diese, die „IF“ so viel Herz geben, den Mut zur Fantasie. Denn egal ob Blue, Einhorn, Sonnenblume, Banane, Tänzerin, Astronaut, Alligator, menschlicher Schmetterling, Marshmallow oder Eiswürfel – die IFs, die Bea und Cal mit ihren Kindern von einst im Erwachsenenalter wieder zusammenführen wollen, könnten unterschiedlicher nicht sein.

Jeder sollte einen IF haben - egal ob Groß oder Klein

So familiär die Inspiration war, ist auch der ganze Film eine Familienangelegenheit – im weiteren Sinne. Viele der „IFs“ werden im englischen Original von guten Freunden Krasinskis gesprochen. Seine Frau Emily Blunt leiht dem Einhorn ihre Stimme, genauso wie Steve Carell, sein Ko-Star aus der Serie „Das Büro“. Matt Damon ist dabei, Bradley Cooper, George Clooney als Astronaut – angelehnt an seine Rolle in „Gravity“. „IF“ ist dabei nicht nur ein spaßiger Film, es ist vor allem ein emotionaler Film geworden. Für Kinder und für Erwachsene. Denn jeder sollte einen „IF“ haben. Egal wie alt.

Fantasy USA 2024, 104 min., von John Krasinski, mit Ryan Reynolds, Cailey Fleming, John Krasinski, Fiona Shaw