Mitten auf einer öden Landstraße stehen zwei Polizisten (Birgit Minichmayr und Thomas Schubert) in flirrender Hitze und warten auf einen Verkehrssünder. Dabei kommt weit und breit kein Auto, höchstens ein Traktor. Da bleibt genug Zeit, übers Leben zu sinnieren. Allein diese Eröffnungsszene lohnt, diesen Film zu sehen, und setzt schon mal das knochentrockene Humorniveau.

Das Sagen hat hier eindeutig die Frau. Polizistin Andrea hat auf dem Land lernen müssen, sich zu behaupten, vor allem gegen die Männer. Und sie hat sich nicht nur ihren Mann verlassen, sie will sich auch in die Stadt versetzen lassen. Naja, zumindest nach St. Pölten. Also raus aus dem Dorf. Eine Frau, die genug hat und auf dem Absprung ist.

Eine Farce über Fahrerflucht? Ja, das geht!

Ihr Noch-Mann will sie freilich noch nicht aufgeben. Und betrinkt sich nachts öffentlich. Weshalb Andrea ihm verbietet, mit dem Auto nach Hause zu fahren. Sie trinkt aber selbst und fährt dann. Und überfährt ihren eigenen Mann. Just an der Stelle, wo sie zuvor den Verkehr kontrolliert haben.

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Vergeblicht versucht sie, ihren Mann zu reanimieren. Dann begeht sie Fahrerflucht. Der Filmtitel „Andrea lässt sich scheiden“ ist ganz schön zynisch-euphemistisch. Aber er signalisiert, wie hart diese Frau im Nehmen ist. Und wie sie mit Extremen umgeht.

Jeder Satz eine Pointe

Die nichttrauernde Witwe hat Glück im Unglück. Denn ein Fremder fährt nachts noch einmal über den Toten auf der Straße. Was als klarer Unfall gewertet wird, für den der Verursacher, der ehemalige Religionslehrer Franz (Josef Hader) nichts kann. Der aber ist trockener Alkoholiker und macht sich bitterste Vorwürfe.

Da regt sich doch ein schlechtes Gewissen bei Andrea. Sie muss den Mann überzeugen, dass ihn keine Schuld trifft. Kommt ihm dadurch näher. Wodurch er sich nur noch schuldiger fühlt. Und so werden sie Schicksalsgefährten. Weil diese Nacht beide aus der Spur getragen hat.

Schon die Eröffnungssequenz mit Minichmayr und Thomas Schubert lohnt den Film.
Schon die Eröffnungssequenz mit Minichmayr und Thomas Schubert lohnt den Film.© Majestic | Majestic

Aus dieser bierernsten und absolut unkomischen Grundkonstellation eine rabenschwarze Komödie oder doch Tragikomödie zu machen, ist mehr als ein Kunststück. Doch Josef Hader ist das grandios gelungen. Der Kabarettist hat das Drehbuch geschrieben, nach „Wilde Maus“ (2017) das zweite Mal Regie geführt und spielt selbst die tragische Figur des Franz, der sich eine Tat nicht verzeihen kann, die er nicht begangen hat.

Eine Provinzkomödie, schön lakonisch und bissig

Als Andrea brilliert Birgit Minichmayr. Sie hat schon mal mit Hader gespielt, 2009 im Krimi „Knochenmann“. Und wie damals harmonisieren sie auch diesmal großartig als eines der aberwitzigsten Gegensatzpaare der letzten Jahre. In einem Film, der auch sonst nicht mit grotesken Pointen und Szenen geizt.

Ein Roadmovie der anderen Art. Eine Provinzkomödie, die lakonisch und bissig ist, aber nie ihre Figuren verrät. Die Frage ist nur, wie der Film aus seiner fatalen Schuld- und Sühne-Problematik rauskommt. Aber auch dafür findet Hader ein schönes, schön absurdes Ende.

Tragikomödie, Österreich 2024, 93 min., von Josef Hader, mit Birgit Minichmayr, Josef Hader, Thomas Schubert, Robert Stadtlober