Eine Villa. Ein Mann bereitet dort in feiner Küche ein Mahl zu. Die subjektive Kamera zeigt, wie er ein Steak salzt, brät und klein schneidet, wie er Kartoffelscheiben sorgfältig schneidet und brät, Knoblauch zerhackt und brät, grünen Spargel auf weißem Teller drapiert. Eine zweite Portion geht in einen Hundenapf und wird auf dem Boden verspeist – von einem Mann im Hundekostüm.

So abgründig beginnt „Good Boy“ – und der Film von Viljar Bøe wird sich zumindest 60 Minuten lang diebisch an diesem Gegensatz zwischen gediegener Umgebung und zumindest spleenigem Treiben zwischen Millionärssohn Christian (Gard Løkke) und Hunde-Mann Frank (Nicolai Narvesen Lied) erfreuen.

„Good Boy“: Das Werk eines Psychopathen?

Der gutherzigen, großäugigen Studentin Sigrid (Katrine Lovise Opstad Fredriksen), die der gut aussehende Christian über Tinder kennenlernt und sofort mit seinem Charme und seinen Kochkünsten für Tisch und Bett begeistert, wird dabei die Rolle der zuerst entgeisterten, dann neugierigen und später vereinnahmten Person zukommen, die mit uns auf dieses seltsame Paar blickt.

Ist es nur ein PuppyPlay, also eine sehr spezielle Form intimer Freundschaft? Das Werk eines Psychopathen, der seine Macht ausspielt? Ein abgekartetes Spiel zweier Männer, um fremde Frauen zu verführen? Das Ganze eine Einbildung gar nur einer überspannten Studentin?

Eigenwillige Filme wie dieser, die das Befremdliche als zutiefst normal verkaufen, leben bestenfalls von Zeichen, die den kopfschüttelnd lachenden Zuschauer am besten in die komplett falsche Richtung führen, um am Ende eine völlig überraschende Auflösung zu präsentieren.

„Good Boy“: Wie in „American Psycho“

Ein Wochenendtrip in ein einsames Haus, an dem Sigrid ihr Handy abgeben soll, lässt schon die dramaturgische Zuspitzung erahnen – und vergibt diese Chance am Ende komplett. Denn anstatt den Tanz auf der Rasierklinge weiter genussvoll zu zelebrieren, flüchtet sich der norwegische Thriller alsbald in plumpe Psychologie und Genrekonventionen – mit einem schwachen Showdown setzt der Film dem Spuk nach 78 Minuten ein Ende.

Den Reiz vom Laster im Luxusleben, dem Abgrund im Attraktiven – in Filmen wie „Shades of Grey“ oder „American Psycho“ genussvoll ausgespielt – verschenkt „Good Boy“ so. Es hätte der verstörendste Film des Jahres werden können. Am Ende ist er nur noch konventionell schräg.

Thriller Norwegen 2022, 78 min., von Viljar Bøe, mit Gard Løkke, Katrine Lovise Opstad Fredriksen