Es soll das „allerallerwichtigste Fest“ auf der Berlinale sein: der an diesem Abend stattfindende NRW-Empfang. So beschreibt es Walid Nakschbandi, Geschäftsführer der Film- und Medienstiftung NRW.

Tatsächlich fehlt hier so gut wie niemand, der für die deutsche Filmindustrie wichtig ist. Deutschlands Star-Regisseur Tom Tykwer („Babylon Berlin“, „Lola rennt“) lehnt entspannt an der Fotowand der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen. „Es gibt Filme und besondere Momente, die können nur in Berlin auf der Berlinale stattfinden“, sagt der Regisseur der Berliner Morgenpost. Gerade bei der Premiere von „In Liebe, Eure Hilde“ habe er so einen Moment erlebt. Denn das in dem Film geborene Baby der Widerstandkämpferin Hilde Coppi – inzwischen ein 80-jähriger Mann – sei bei der Premiere anwesend gewesen. „Durch Hans Coppi Junior wurde die damalige schreckliche Zeit mit der heutigen verbunden“, erklärt Tykwer.

Das Filmteam von „In Liebe, Eure Hilde“ selbst lässt es sich natürlich auch nicht nehmen, dem NRW-Empfang einen Besuch abzustatten. Völlig lässig posiert das Team um Andreas Dresen und Johannes Hegemann mit Jeans und Hemd zu Beginn des Abends auf dem Roten Teppich. Auch andere Filmteams zum Beispiel von „Alle die du bist“ lassen sich ablichten und Youness Aabbaz setzt mit einem selbst geschriebenen „EkelhAfD“ Schild auf seinem weißem Anzug auch noch ein politisches Statement. „Ich möchte damit Contra geben und hoffe, den Leuten zeigen zu können, dass die AfD zu 100 Prozent verfassungsfeindlich ist“, sagt der Schauspieler am Rande des Roten Teppichs.

Das Filmteam von „In Liebe, Eure Hilde“.
Das Filmteam von „In Liebe, Eure Hilde“.© Funke Medien | Clara Andersen

NRW-Empfang: Der Abend hat auch einen politischen Touch

Einen politischen Touch hat auch der Abend insgesamt, denn es sind mehrere politische Vertreterinnen und Vertreter gekommen. An der Bar steht zum Beispiel der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zusammen mit Kultursenator Joe Chialo (CDU), und auch aus Nordrhein-Westfalen gibt es natürlich Vertreter. In der Begrüßungsrede betont Nathanael Liminski (CDU), Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, zum Beispiel, dass mit diesem Empfang gezeigt werde, wo der Film in NRW steht: „ganz weit vorne“, sagt Liminski.

Auch ansonsten wirkt im Gegensatz zu den anderen Partys der Berlinale alles etwas förmlicher: Die Dichte der Anzugträger ist höher als beispielsweise bei der MBB-Party. Lars Eidinger steht heute nicht am DJ-Pult wie bei der Campari Red Night. Bei gedimmtem, rötlichen Licht prostet man sich nicht mit Longdrinks, sondern mit Auxerrois und Cremant d‘Alsace zu.

Denis Moschitto umarmt während des NRW-Empfangs im Rahmen der diesjährigen Berlinale Schauspielerin Aenne Schwarz und Daniel Rakete Siegel, Regisseur (von links).
Denis Moschitto umarmt während des NRW-Empfangs im Rahmen der diesjährigen Berlinale Schauspielerin Aenne Schwarz und Daniel Rakete Siegel, Regisseur (von links).© DPA Images | Sebastian Gollnow

Gar nicht förmlich hingegen ist Jannis Niewöhner, einer der derzeit begehrtesten deutschen Schauspieler. Auf die Frage, wann wir ihn an Hollywood verlieren, lacht er charmant und sagt, er glaube nicht, dass das je passieren werde. „Manche Geschichten kann man nur in Deutschland erzählen. Deutscher Film bedeutet mir zu viel“, sagt Niewöhner. Auf der Berlinale freut er sich, Freunde, Kolleginnen und Kollegen zu treffen, die ihm sehr viel bedeuten. Paradoxerweise würden Schauspieler am Set immer zu einer „Familie auf Zeit“, die man dann bis zu fünf Jahre nicht wiedersehe.

Schock auf der Berlinale: Feueralarm unterbricht die Party

Kurz nach 23 Uhr platzt in die angeregt plaudernde Menschenmenge jedoch eine Durchsage und unterbricht das angeregte Netzwerken: „Wegen eines unvorhergesehenen Ereignisses, werden alle gebeten, das Gebäude zu verlassen“, schallt es aus den Lautsprechern. Die Party-Crowd begibt sich nach draußen, darüber rätselnd, was passiert sein könnte und um welche Art von Notfall es sich wohl handelt.

Doch nach weniger als einer halben Stunde ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Eine Polizistin vor Ort sagt der Berliner Morgenpost: „Es handelte sich um einen Fehlalarm der Brandmeldeanlage, der um 23.39 Uhr beendet war.“ Vermutlich sei dieser durch den Rauch des Essens beim Kochen ausgelöst worden. Manche Feuermelder seien empfindlich und man sei froh, dass es kein gravierendes Problem gegeben habe oder jemand zu Schaden gekommen sei, so die Polizei. Die Gäste jubeln, als die Feuerwehr- und Polizeiautos wieder wegfahren und strömen gut gelaunt wieder ins Innere.

NRW-Empfang: So war die Stimmung nach dem unerwarteten Zwischenfall

Dort bestätigt Liminski, dass es sich tatsächlich um einen Fehlalarm gehandelt habe und dankt allen Beteiligten. „Das hat gezeigt, dass Disziplin und Kreativität kein Gegensatz sind. Toll, dass Sie so gefasst geblieben sind“, verkündet der Minister und erntet dafür verhaltenen Applaus. Danach ist von dem kurzen Zwischenfall auf den ersten Blick nicht mehr viel zu spüren: Es wird genauso angestoßen und genetzwerkt wie zuvor. Die Menschen, die die Party nun verlassen, hätten das eh gerade vorgehabt als der Alarm losging, wie sie erklären. „Für mich hat das jetzt keine Rolle gespielt. Ich wollt eh gerade gehen. Und was soll man auch machen? Alarm ist eben Alarm“, sagt eine Besucherin.

Eine andere spricht davon, dass es „halb, halb“ gewesen sei. Sie habe ohnehin in Erwägung gezogen, zu gehen und der Zwischenfall habe sie in der Entscheidung nun bestärkt. Auch drinnen geht es nun wuseliger zu als vorher und die Stimmung ist etwas ungemütlicher, viele Besucher lassen ihre Jacken nun an. Doch einige Gäste lassen sich die gute Laune davon nicht verderben. „Jetzt wird einfach weiter gefeiert“, verkündet ein älterer Mann grinsend.