Schon von weitem sieht man die Lichter vom Luxushotel SO/ Berlin Das Stue am Rande des Tiergartens leuchten. Davor stehen große schwarze Banner mit der Aufschrift „Berlin Opening Night“. Kein Zweifel: Das komplett in Rot getauchte imposante Gebäude muss der Ort sein, an dem sich an diesem Abend Deutschlands Schauspielprominenz versammelt. Zu der Eröffnungsparty der Berlinale eingeladen hatten RTL, Gala und UFA; inzwischen gute Tradition, eine hohe Star-Dichte ist damit programmiert.

Die zeigt sich dann auch schneller als erwartet: Bald laufen Stars wie Yvonne Catterfeld, Iris Berben und Wilson Gonzales Ochsenknecht über den Teppich – der in diesem Fall nicht rot, sondern beige gepunktet ist – und baden im Blitzlichtgewitter. Sie posen für die vielen Fotografinnen und Fotografen und geben immer wieder Interviews. „Jogginghose oder roter Teppich? Na, auf jeden Fall Jogginghose“, sagt etwa Wayne Carpendale und geht nach Dutzenden Fotos schließlich in den nächsten Raum, der im Vergleich zu der geräumigen Eingangshalle mit seiner niedrigen Decke gerade zu beengt wirkt.

Wayne Carpendale ist eher Team Jogginghose als Team Roter Teppich.
Wayne Carpendale ist eher Team Jogginghose als Team Roter Teppich.© Clara Andersen

Das dürfte auch an der Masse an Menschen liegen, die sich hier inzwischen freudestrahlend mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus der Filmbranche in den Armen liegen. Sätze „Ach, wie schön dich wiederzusehen“ und „Kennt ihr beiden euch eigentlich schon? Ich muss euch unbedingt vorstellen“ fallen in Sekundentakt. Dafür sind die vielen Filmschaffenden schließlich hier: Zum Netzwerken, bevor es auf die eigentliche Party geht.

„Die Begegnungen mit den vielen Menschen, sowie hier, das ist es doch, was die Berlinale ausmacht“, sagt zum Beispiel Schauspielerin Anja Kling.

Berlin Opening Night: Tom Beck gibt Tipps für die Berlinale

Wer die vielen Empfänge und Feiern alle mitnimmt, der steht schnell vor dem Berlinale-Problem: Vor lauter Party bleibt keine Zeit mehr für die Filme. Schon am Donnerstag – wohlgemerkt der erste Abend der Berlinale – werden am Rande des beigen Teppichs Klagen laut. „Die Frage ist: Wann habe ich jemals einen Film auf der Berlinale geguckt? Vielleicht ein Mal“, sagt der Schauspieler Tom Beck resigniert. Trotzdem freue er sich auf die vielen Gelegenheiten, altbekannte Gesichter wiederzusehen und vor allem auch neue Kontakte zu knüpfen.

Es gebe nämlich so einige Regisseurinnen und Regisseure, mit denen Beck gerne mal einen Film drehen würde. Der Berliner Morgenpost verrät er, dass auf nähere Gespräche hofft – mit wem genau, das möchte Beck zwar nicht sagen. Doch wichtig sei bei so etwas grundsätzlich selbstbewusst auf die Leute zuzugehen, sie anzufragen und zu sagen „Ej, ich habe Bock, mit dir zu arbeiten.“ „Das habe ich irgendwie früher leider nicht so offensiv gemacht. Ich glaube, weil ich jahrelang zu schüchtern war.“

Sein eigener Vorsatz und Tipp für alle anderen ist daher: „Sich nicht hinterm Berg halten mit den Wünschen, die man so hat, sondern die einfach mal kommunizieren und kundtun.“

Tom Beck und seine Freundin Chryssanthi Kavazi waren nur einer von vielen deutschen Stars bei der Berlin Opening Night.
Tom Beck und seine Freundin Chryssanthi Kavazi waren nur einer von vielen deutschen Stars bei der Berlin Opening Night.© Clara Andersen

Promis auf der Berlin Opening Night genervt

Dazu wird der Schauspieler mehr als genug Gelegenheiten haben: Inzwischen ist es im hinteren Teil der Partylocation rappelvoll. Vor der Bar drängeln sich Jan Sosniok, Jessica Ginkel und David Schütter, bestellen Champagner und Cocktails. Vereinzelt tanzen in der Menge Menschen zu Pop- und Funkklassikern wie Bruno Mars‘ „24K Magic“ und Rihannas „Don‘t Stop the Music“. Andere versuchen verzweifelt, sich zwischen den vielen Menschen und silbernen Discokugeln nach draußen zu schlängeln.

Die Stimmung ist auch dort zwar weiterhin ausgelassen, doch die Enge stört. „Erst hatte ich Angst, dass ich Blasen in meinen Schuhen bekomme. Aber ich glaube, die Angst ist unbegründet. Hier ist es ja so voll, dass man nicht einen Zentimeter vorwärtsgehen kann“, sagt ein Gast leicht genervt.

Einigen Gäste ist es auf der Berlin Opening Night zu voll.
Einigen Gäste ist es auf der Berlin Opening Night zu voll.© Clara Andersen

Ein anderer kennt das Problem aus den vergangenen Jahren offenbar bereits. „Auf dieser Party ist es immer so überfüllt“, sagt er auf Englisch und erklärt seiner Begleitung, dass er die Party deswegen bald verlassen möchte – nach nur einer Stunde.

Auch vorn am beigen Teppich hat der Ansturm keineswegs abgenommen. Noch immer läuft ein neuer Promi nach dem anderen auf, lässt sich fotografieren und verschwindet schließlich in den stickigen Räumlichkeiten, aus denen inzwischen „Macarena“ dröhnt. Wäre es nicht so voll, der Abend hätte fast Potenzial, eine richtig gute Party zu werden.