Zukunft und Vergangenheit stehen sich direkt gegenüber im neuen „Tatort“ aus Ludwigshafen. Die Folge „Avatar“ führt die Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) in die Tiefen des Internets, mit Avataren, Deep Fakes und KI. All das, was uns schon heute bedroht und künftig wohl noch mehr bedrohen wird. Z
ugleich verabschiedet man aber auch das Alte: Die ewige Sekretärin Edith Keller (Annalena Schmidt) und Kriminaltechniker Peter Becker (Peter Espeloer) sind seit 1999 mit dabei im Team. Und haben gute Dienste geleistet. Nun aber werden sie ausgemustert. Der Kriminaltechniker freut sich sogar darauf: Er will sich nur noch mit Archäologie beschäftigten. Und mit Knochen, die nicht mehr riechen. Das verrät etwas Abneigung gegen neue Techniken.
Von der Brücke springen - oder mit Unbekannten chatten?
Davon aber handelt der neue Fall reichlich. Die Computer-Programmiererin Julia da Borg (Bernadette Heerwagen) kann den Tod ihrer Ziehtochter nicht verwinden – und hat einen Avatar von ihr erstellt, mit dem sie weiter kommunizieren kann. Zugleich chattet sie im Netz, um andere Männer kennenzulernen. Allerdings mit falscher, viel jüngerer Identität.
Am Rheinhafen wird die Leiche eines Unbekannten entdeckt. Der Mann starb an einem Herzinfarkt, aber jemand war zum Zeitpunkt seines Todes bei ihm. Und in dem Gebäude, in dem er zuletzt geortet wurde, findet sich eine kleine Folterkammer. Aufschluss könnte der Computer des Toten geben. Doch in seinem Wagen findet sich nur ein Ladekabel. Die Programmiererin war allerdings am Tatort joggen. Und steht kurz danach auf einer Brücke und wirft einen Computer in den Rhein. Will sich auch gleich hinterherstürzen. Besinnt sich aber. Um gleich darauf im Internet zu chatten. Ist da eine Serientäterin aktiv?
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So leicht macht es der Fall einem nicht. Da geht es noch um ein Schülerpärchen, das sich nicht sagen kann, was es bedrückt. Und auch noch um einen anderen Jugendlichen, der heimlich den neuen Freund seiner Mutter filmt, aber auch von diesem gestalkt wird. Der Krimi nimmt sich sehr viel Zeit für die Figuren und das Atmosphärische. Dem Zuschauer geht es allerdings wie den Ermittlerinnen: Er tappt lange im Dunkeln. Muss sich das, wie diese auch, selbst zusammenreimen.
Aber wenn es so lang dauert, bis sich die Erzählstränge verknüpfen, ist da ziemlich Geduld gefragt. Und Regisseur Miguel Alexandre muss ganz schön oft die Kamera kippen oder gar auf den Kopf stellen, um das interessanter zu gestalten. Spannung kommt da erst spät auf. Aber der Tod, ahnt man schon bald, lauert im Netz.
Unschöner Abschied: Trauriger knallen Sektkorken selten
Der SWR will für seinen Ludwigshafener „Tatort“ eine „Formatänderung“. Das gab der Sender kürzlich bekannt. Wie das aussehen soll, davon kann man hier schon mal einen Eindruck gewinnen. Mit aktuellen Themen. Mit schnittiger Bildgestaltung und pulsierender Musik. Nur die alten, pfälzisch babbelnden Mitstreiter passen da offenbar nicht mehr rein. Die planen nun ihre Abschiedsfeier. Dürfen nur noch Banalitäten austauschen wie „Mit 63 fängt das Leben an“ oder „Tja, jetzt geht’s aufs Abstellgleis“.
In ihrer letzten Folge aber spielen sie schon keine Rolle mehr. Der Schluss ist zwar ihnen gewidmet, wirkt aber wie drangepappt. Und soll noch mal auf Stimmung machen, geht aber stattdessen auf Distanz. Wie wird man wohl mal Frau Folkerts als dienstälteste Kommissarin des deutschen Fernsehens verabschieden? Und wird auch sie mal einer „Formatänderung“ geopfert? Trauriger knallen Sektkorken selten.
„Tatort: Avatar“, ARD, 7. Januar, 20.15 Uhr



