Eines der Bilder zeigt einen gigantischen Fahnenmast. Mit einer Höhe von 160 Metern und einer 270 Kilogramm schweren nordkoreanischen Flagge daran ist er unmöglich zu übersehen. Ursprünglich war der heute vierthöchste Fahnenmast der Welt deutlich kürzer. Aber weil Südkorea als Antwort ein 100 Meter hohes Pendant mit einer 140 Kilogramm schweren Flagge baute, wurde er erhöht. Er steht in Kijŏng-dong, das von Nordkorea als „Friedensdorf“, von Südkorea hingegen als „Propagandadorf“ bezeichnet wird. Kaum zwei Kilometer entfernt befindet sich Daeseong-dong, das südkoreanische „Freiheitsdorf“.

Es sind die einzigen Ortschaften in der demilitarisierten Zone Koreas, kurz DMZ genannt. Anlässlich des 70. Jahrestages des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjeom hat das AlliertenMuseum diesem 248 langen und vier Kilometer breiten Streifen nun die Ausstellung „DMZ - Die letzte Grenze des Kalten Krieges“ gewidmet.

Kuratiert von Florian Pauls, präsentiert die Schau erstmals in Europa die Fotos des südkoreanischen Reportagefotografen Park Jongwoo. Er erhielt 2009 und 2010 als erster Zivilist die Möglichkeit, Aufnahmen in der DMZ zu machen. Eine beeindruckende Fotoserie, die den andauernden Konflikt punktgenau einfängt. Darunter die hellblauen Holzbaracken in der Joint Security Area, die als Verhandlungsort und Klärungsstelle nach Grenzzwischenfällen dienen sollen.

Der südkoreanische Fotograf Park Jongwoo.
Der südkoreanische Fotograf Park Jongwoo. © FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Heute ein Symbol des Kalten Krieges wie einst der Checkpoint Charlie. Denn einen Friedensvertrag zwischen Süd- und Nordkorea gibt es nicht. Das Land befindet sich immer noch im Krieg. Zum Auftakt der Ausstellung erfährt man, dass die militärischen Konflikte von 1950 bis 1953 dauerten. An der Seite des kommunistischen Nordens stand China. Die von den USA angeführten Truppen der Vereinten Nationen kämpften für Südkorea. Ein Stellvertreter-Krieg, der damals auch im geteilten Deutschland für Befürchtungen sorgte, ebenfalls Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen der verfeindeten Weltmächte zu werden.

Die Ausstellung weitet den Blick für den Kalten Krieg, der nie ganz überwunden wurde und die Welt heute wieder im Griff hat. Mit vielen Parallelen zur deutschen Teilung wie eine Gegenüberstellung historischer Schwarzweißfotos zeigt, die von Fotografen der US-Army gemacht wurden, die mit dem Bundesgrenzschutz bis zum Mauerfall an der 1400 Kilometer langen innerdeutschen Grenze patrouillierten. Der Unterschied: Diese Grenze wurde nur von Seiten der DDR streng überwacht, während die Grenze zwischen Süd- und Nordkorea von beiden Seiten fast unüberwindbar ist. Vermint, mit Stacheldraht bewehrt und strengstens bewacht, wie die Bilder von Park Jongwoo beweisen.

Die Ausstellung stellt Park Jongwoos Bildern historische Aufnahmen aus Deutschland gegenüber: Postenturm und teilweise doppelter Sicherungszaun entlang des Grenzverlaufs bei Bad Hersfeld, 1987.
Die Ausstellung stellt Park Jongwoos Bildern historische Aufnahmen aus Deutschland gegenüber: Postenturm und teilweise doppelter Sicherungszaun entlang des Grenzverlaufs bei Bad Hersfeld, 1987.© Emmet Lewis | AlliiertenMuseum/U.S. Army Photograph

Seine Bilder haben eine frappante Ähnlichkeit mit denen vom innerdeutschen Grenzstreifen. Etwa die Aussichtsplattformen entlang der südkoreanischen Grenze mit freier Sicht auf Nordkorea. Auch in West-Berlin gab es zu Mauerzeiten Aussichtsplattformen. Die bekannteste stand gegenüber vom Brandenburger Tor an einer Grenze, die vor 24 Jahren überwunden wurde. Kein Wunder also, dass die Koreaner heute voller Sehnsucht nach Deutschland blicken.