Am Ende der Ausstellung ein gerastertes Bild mit rotbraunen und blauen Quadraten. Es ist das letzte Werk, das Piet Mondrian in Holland gemalt hat. 1919 ging er nach Paris, um eine Ikone der Moderne zu werden. Seine roten, gelben, blauen und weißen Quader sind bis heute tief in der Populärkultur verankert: auf Kleidern oder den Tuben von Kosmetikprodukten. Was aber verbindet ein abstraktes Pixelwerk mit Windmühlen, Tulpenfeldern und dem grauen Himmel über niederländischen Feldern und Stränden?

Denn das ist das Thema der neuen Potsdamer Schau: „Wolken und Licht. Impressionismus in Holland“ von 1850-1920. Das Museum Barberini bleibt bei seinen Wurzeln: Es geht um jene Maler, die aus den Ateliers ausbrachen und in die Natur strebten, um Stimmungen und Licht einzufangen. Und weil Hollands flache Landschaften wenig Dramatik bieten, geht es vor allem um den Himmel und seine Wolkenbilder. Mit diesem Anblick lockt der Tourismus bis heute.

Anton Mauve:  Morgenausritt am Strand (1876).
Anton Mauve: Morgenausritt am Strand (1876). © FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Die Tradition der Landschaftsmalerei reicht zurück auf die Alten Meister. Nicht zufällig erinnert eine Miniatur von Johan Barthold Jongkind gleich zu Beginn der Ausstellung an Vermeers berühmte „Ansicht von Delft“. Denn auf ihn, auf Rembrandt, van der Weyden und van Eyck bezogen sich die Maler im 19. Jahrhundert – mit gedämpften, düsteren Farben und feinem Pinselstrich. Der allmählich freier und autonomer wurde, denn Holland ist nicht allzu weit entfernt von Paris.

Die Schau zeigt 110 Gemälde von 39 Künstlern, von denen in Deutschland nur Mondrian und van Gogh richtig bekannt sind. Besonders die für Holland identitätsstiftende Haager Schule ist in hiesigen Museen fast gar nicht vertreten. So sind Bilder, die in Holland fast jedes Kind kennt, beispielsweise die Strandbilder mit Pferden von Anton Mauve, endlich auch hierzulande zu sehen. Der war übrigens ein Verwandter van Goghs, dessen Frühwerk eng mit jener Gruppe von Malern verbunden war, die ab 1850 nach Pariser Fontainebleau-Vorbild in den Wald ging, um das hereinbrechende Licht zwischen den Bäumen einzufangen. Man muss schon die Bildtexte bemühen, um seine frühen Werke identifizieren zu können.

Piet Mondrian:  Reihe von Pappeln in Rot, Gelb, Blau und Grün (1908).
Piet Mondrian: Reihe von Pappeln in Rot, Gelb, Blau und Grün (1908). © FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Aber das ist auch die Stärke der Schau: dass sie den Bogen spannt von den ersten impressionistischen Versuchen in blassen, traditionellen Farben und typischen Landschaften mit Windrädern und Kühen auf Poldern, wo sich das Licht in Wassergräben spiegelt, bis zu den verschiedenen Spielarten der Moderne des 20. Jahrhunderts. Eindrucksvoll, wie die Farben immer bunter und klarer wurden, hingetüpftelt und schließlich eigenständig wie im Luminismus, einem speziell holländischen Spätimpressionismus mit expressionistischer Tendenz. Hier finden wir Mondrian wieder mit Windmühlen in Rot und Blau. Oder Jacoba van Hermskerck mit ihren bunten Baumbildern, die wie Mondrian Anthroposophin war und sich wie er aus dem Impressionismus löste hin zum Kubismus und Expressionismus.

Warum Mondrian abstrakt wurde, kann und will die Ausstellung nicht erklären, gibt aber einen Hinweis. Neben dem Pixelbild hängt eine Windmühle, die er kurz zuvor gemalt hatte, schwarz im Mondlicht, dahinter dramatisch beleuchtete Wolken, die ein Muster bilden, für Mondrian ein Hinweis auf die Strukturiertheit der Natur. Das Schachbrettmuster war für ihn die Rekonstruktion dieser Strukturiertheit, in diesem Fall des Sternenhimmels.