Der modrige Geruch von Schimmel versetzt Gomez Addams in Verzückung. Genauso wie Schwarz in allen Schattierungen, was nun wirklich bunt genug ist. Abscheulich hingegen findet er die rosa Blumen, mit dem ihm seine empörte Gattin Morticia vor der empfindlichen Nase herumwedelt. So geschmacklos wie die beiliegende Karte mit selbstgeklöppelten Reimen. Ein verdammt schlechtes Omen. Vor allem für die Dinner-Gäste, die sich damit für die Einladung bedanken. Morticia sinnt auf Rache, pocht auf die gute, alte Familientradition: "Das Spiel".
Bei der Gastspiel-Premiere des Grusicals „The Addams Family“ könnte im Schlosspark Theater locker „Willkommen in der Alptraum-Welt“ über der Bühne stehen. Basiert das Musical von Marshall Brickmann und Rick Elice mit der Musik von Andrew Lippa doch auf den berühmten Comic-Figuren der Cartoons von Charles Addams, mit denen der Zeichner in den 1930er-Jahren die perfekte Familie karikierte und ins exzentrische Gegenteil verkehrte. Zum Kult avancierte die makabre Sippschaft in den Sechzigern durch die gleichnamige Fernsehserie, der später unter anderem Kinofilme und Trickserien folgten.
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The Addams Family hat eine treue Schar an Fans
Das ausverkaufte Haus ist Beweis dafür, dass die schrägen Charaktere eine treue Fanschar haben. Die wird auch nicht enttäuscht. Gleich zu Beginn sickert in der Inszenierung von Marten Sand Nebel durch den Vorhang und kündet Schreckliches an, bevor es zappenduster wird. Aber nur für einen Moment. Dann offenbart sich das schummerigste Bühnenbild aller Zeiten.
Riesenspinnen mit rot blinkenden Augen lauern in schauriger Umgebung auf bröckelnden Wänden, während die tanzenden und singenden Ahnen der Addams nicht zurück in ihre Gruft können. Ausgesperrt! Weil sie Onkel Fester (Johannes Hallervorden) helfen sollen. Der hegt romantische Gefühle für La Luna, wie er den Mond nennt. Davon inspiriert, möchte er, dass seine Nichte Wednesday (Julia Fechtner) unbedingt ihren Lukas (Maximilian Nowka) heiratet.
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Tobias Künzel von den Prinzen gibt den Stargast
Eine Verbindung, die bei Morticia (Sigalit Feig) und Gomez (Claudio Maniscalco) Übelkeit auslöst. Beide revoltieren gegen die verkrampfte Spießerfamilie von Lukas, neben der die Addams schockierend normal wirken. Gomez muss obendrein noch ein Geheimnis wahren. Er hat Wednesday versprochen, niemandem zu verraten, dass sie mit Lukas verlobt ist. Und kommt dafür in Teufels Küche.
Das Dinner mit Lukas und seinen Eltern Alice (Gesine Sand) und Mal, den Stargast Tobias Künzel von den Prinzen gibt, gerät nicht nur deshalb gewaltig aus den Fugen. Weil er nicht möchte, dass Wednesday verliebt ist, versetzt ihr Bruder Pugslay (Sina Aimee Dekker) einen Wahrheitstrunk mit einer verhexten Mixtur. Versehentlich von der falschen Person getrunken, kracht es fortan zwischen allen gewaltig.
Bis zum Happy End der etwas anderen Romeo-und-Julia-Geschichte geben die elf hochkarätigen Sänger und Sängerinnen nicht nur weit über ein Dutzend Songs zum Besten. Sie blödeln sich zudem mit solch heiligem Ernst durch eine Unzahl von Beziehungsfallstricken, dass man am Ende glatt wieder an die Liebe glaubt. Ein wunderbar grausliches Amüsement.
Schlosspark Theater, Schloßstr. 48, Steglitz, Tel. 78 95 66 71 00, 23. 24.6., 27.-30.6., 1.7. 20 Uhr, 25.6. 2.7. 18 Uhr


