Neulich waren die verstohlenen Blicke der jungen Frauen unübersehbar, die sie Johannes Hallervorden bei der Spielzeiteröffnung des Schlosspark Theaters zugeworfen haben. Mit seinen blitzenden blauen Augen und dem charmanten Lächeln ist der 20-Jährige die junge, smarte und etwas größere Ausgabe seines berühmten Vaters Dieter Hallervorden. Noch hält sich sein weiblicher Fanklub aber dezent zurück. „Es gab schon Schokolade und Plüschtiere zum Ende einer Vorstellung“, erzählt der Junior. Damenunterwäsche sei aber noch nie auf die Bühne geflogen. „Was soll ich auch damit anfangen? Die kann ich ja nicht anziehen“, witzelt Johannes Hallervorden schlagfertig.

Bei seinem ersten Soloabend „Der letzte Raucher“, der am Sonnabend Premiere feiert und bis Januar 2019 mehrmals im Monat zu sehen ist, wären ihm vermutlich Zigarettenschachteln lieber. Oder? „Nein, ganze Stangen“, scherzt er. Kleiner Tipp: Johannes Hallervorden bevorzugt dieses französische Zeugs in den roten Schachteln. Schließlich ist er ja auch in der Bretagne geboren worden. 1998 in Lannion an der französischen Atlantikküste.

In Mark Kuntz’ Einpersonenstück gibt er einen Raucher, dessen Freunde mit dem Qualmen aufgehört haben. Auf einer Party wird er folgerichtig zum Rauchen rausgeschickt. Als die anderen noch um die Häuser ziehen, vergessen sie ihn auf dem Balkon. Ausgesperrt mit Wein und einer eisernen Ration Zigaretten, versucht er zu überleben und versteigt sich dabei in irrwitzige Geschichten. „Es ist in erster Linie ein amüsantes Stück. Das kann man nicht spielen, ohne zu rauchen. Ich zünde nur vier Zigaretten an, die dann wieder ausgehen. Wer besonders empfindlich ist, sollte sich aber vielleicht nicht nach ganz vorn setzen“, empfiehlt Johannes Hallervorden.

Obwohl er selbst Raucher ist, mag er es überhaupt nicht, wenn ihm Rauch ins Gesicht zieht. Mit E-Zigaretten kann er auch nichts anfangen. Besonders abscheulich findet er ihre aromatisierten Dämpfe. „Wassermelone ist der schlimmste. Wenn man einen Kaugummi essen möchte, sollte man sich einen kaufen“, hadert er.

Das Stück hat übrigens Regisseurin Irene Christ vorgeschlagen. Und Johannes Hallervorden hat sich nicht etwa dafür entschieden, weil er darin rauchen darf. „Ich habe mich beim ersten Lesen schiefgelacht“, verrät er. Und er mag es, weil es weder ein Theater- noch ein Kabarettabend ist, sondern ein Mischwerk aus beiden Genres. Mit seinem Solo­debüt eröffnet Johannes Hallervorden übrigens die Champagnerhalle, die kleine, zweite Spielstätte des Schlosspark Theaters. Für ihn ein idealer Ort: „Es ist ein intimes, intensives Stück. Keines, das man sich aus der 30. Reihe anguckt. Da bedarf es der Nähe“, weiß er.

Andere Inszenierungen vom „Letzten Raucher“ hat er sich bislang nicht angeschaut. „Ich will etwas Eigenes machen. Etwas, das sich selbst entwickeln soll“, erklärt er. Sich von anderen inspirieren zu lassen, ist nicht seine Art zu arbeiten. Er möchte schließlich als eigenständiger Künstler wahrgenommen werden. Verständlich, wird er doch stets mit seinem berühmten Vater verglichen. Eigentlich ein erheblicher Druck. Aber Johannes Hallervorden geht damit entspannt um: „Diesen Stress kenne ich nicht. Vor ungefähr einem Jahr habe ich mir gesagt, reg dich nicht auf. Schon gar nicht, wenn diese Vergleiche gezogen werden. Seither habe ich weniger Lampenfieber.“

Natürlich ist der Name Hallervorden nicht nur Fluch, sondern auch Segen. 2009 zog Johannes Hallervorden nach Berlin um. Er machte hier sein Abitur, schnupperte aber vor allem Theaterluft im Schlosspark Theater, das sein Vater Ende 2008 übernahm. Die Bühne wurde sein zweites Zuhause. Und ihm war schnell klar, dass er Schauspieler werden wollte. Obwohl sein Vater ihm davon abriet. „Ich kann ihn verstehen. Es ist schwierig, in den Beruf reinzukommen“, sagt er. Das ist ihm allerdings bestens gelungen. Seit 2011 steht er auf der Bühne, seit 2013 auch regelmäßig für verschiedene Film- und Fernsehformate vor der Kamera.

Dass er jedoch mit Blick auf seinen Vater für den Beruf geboren ist, hält er für eine Legende. Auch das Wort Talent beansprucht er lieber nicht für sich. Ganz bodenständig meint er: „Vieles ist erlernbar. Ich knie mich immer rein in meine Arbeit, feile daran, bis alles so ist, wie ich es will.“ Er gibt zu, dass er ein echter Workaholic ist. Probt er doch gerade schon parallel für die nächste große Premiere im Oktober „Was zählt, ist die Familie“. Außerdem steht er noch in drei weiteren Produktionen auf der Bühne. „Die Alternative wäre, zu Hause auf dem Bett zu liegen und Fernsehen zu gucken. Nein danke, das ist nichts für mich“, findet er.

Ein berufliches Ziel setzt sich Johannes Hallervorden nicht. „Ich denke nicht darüber nach, wo ich in zehn Jahren stehen will. Ich könnte ja etwas ganz anderes Schönes erreicht haben und damit glücklich sein“, meint er mit fast buddhistischer Weisheit. Momentan freut er sich darüber, dass die ersten vier Vorstellungen seines Solodebüts bereits ausverkauft sind. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut läuft“, gesteht er. Wer weiß, was diesmal beim Schlussapplaus auf die Bühne fliegt?

Schlosspark Theater, Schloßstr. 48, Steglitz. Tel. 78 95 66 71 00, 20.9. (Premiere) & 29.9., 27.10. um 16 Uhr, 7.10 und 30.10. um 20 Uhr.