70 Tage mit 100 Veranstaltungen, umsonst und draußen: Das alljährliche Kultursommerfestival wird am kommenden Sonnabend an den Start gehen. Kulturprojekte Berlin, die landeseigene Gesellschaft zur Förderung und Vernetzung kultureller Projekte, hat dabei wieder Institutionen aus allen Sparten zusammengebracht, von Museen über Theater bis zu Initiativen der Freien Szene. Einige Höhepunkte im Überblick.

Jocelyn B. Smith und das "Moka Efti Orchestra" treten auf

Gab es im vergangenen Jahr zum Auftakt noch eine Zentralveranstaltung auf dem Tempelhofer Feld (neben Angeboten auf dem Bebelplatz in Mitte und der Spreehalle Berlin in Köpenick), so hat man sich in diesem Jahr für eine vollständig dezentrale Variante entschieden – von Charlottenburg über Friedrichshain bis Hohenschönhausen.

Da wird vielen die Wahl nicht leicht fallen: An der East Gallery (Anleger an der Reederei Riedel, Mühlenstr. 73, Friedrichshain, 19.30 Uhr) ist Soulsängerin Jocelyn B. Smith mit ihrer Band zu hören, die aus der Serie „Babylon Berlin“ bekannte Big Band „Moka Efti Orchestra“ gibt sich im Schlossgarten Schönhausen (Kastellanswiese, Tschaikowskistr. 1, Niederschönhausen, 19.30 Uhr), während die Breakdancerinnen und Breakdancer der „Flying Steps“ in der Strandbar Waterfront (Ziegrastr. 22, Neukölln, 19.30 Uhr) ihre waghalsigen Choreographien präsentieren.

Zeitgleich spielen das Musikprojekt Symphoniacs vor dem Schloss Charlottenburg, das Capital Dance Orchestra im Strandbad Orankesee, Christin Nichols & Band im Zenner Weingarten im Treptower Park – und mehr. Am Sonntag dürfte es im Berlin Global Village (Am Sudhaus 2, Neukölln, 14-22 Uhr) ein großes Hallo geben, wenn das Kunstfestival 48 Stunden Neukölln mit Performances und Live-Musik seinen Abschluss feiert.

Die Breakdance-Combo „Flying Steps“ ist mit mehreren Auftritten dabei.
Die Breakdance-Combo „Flying Steps“ ist mit mehreren Auftritten dabei. © Alexander Rentsch

Mit dem Schiff vom Berliner Dom in die Köpenicker Altstadt

Das Kultursommerfestival versteht sich auch als Einladung, Berlin abseits der hochfrequentierten Hotspots kennenzulernen – oder sich einfach an Orte zu begeben, wo man immer schon einmal hinwollte. So etwa am 27. Juni, wenn man unter dem Motto „Summertime in Köpenick“ mit dem Schiff vom Berliner Dom (Abfahrt 16.30 Uhr) in die Köpenicker Altstadt fahren kann, um im Luisenhain unter anderem einen Auftritt des Rappers Romano zu erleben (Tickets unter kultursommerfestival.berlin).

Oder am 30. Juni im Garten des Georg Kolbe Museums (Sensburger Allee 25, Westend), wo Sonja Eismann vom Missy Magazine und die Schauspielerin Banafshe Hourmazdie die laufende Tilla-Durieux-Ausstellung aus zeitgenössischer Perspektive in den Blick nehmen werden. Spannend dürfte auch ein Besuch im von Schließung bedrohten Areal der Uferhallen sein, wo zahlreiche Künstlerinnen und Künstler um ihre Atelierräume fürchten müssen (Uferstr. 8, Gesundbrunnen), wo am 1. Juli (15-23 Uhr) Performances und Screenings auf dem Programm stehen.

Flying Steps auf der Museumsinsel in Mitte

Als hochattraktive Institution des Festivals hat sich schon in früheren Ausgaben die Kolonnaden Bar an der Museumsinsel in Mitte erwiesen. Sie wird am 29. Juni (17-22 Uhr) mit einer Live-Performance der Flying Steps, Musik und kühlen Getränken eröffnet. Vartan Bassil, der Gründer und Creative Director der Flying Steps und die Kunsthistorikerin Charlotte Knaup werden sich mit Moderatorin Julia Vismann unterhalten.

Konzerte gibt es in diesem Sommer in Hülle und Fülle.
Konzerte gibt es in diesem Sommer in Hülle und Fülle.© Alexander Rentsch

„Staatsoper für alle“: Staatskapelle spielt Bruckner

Klassische Musik gehört zum Kultursommerfestival zwingend dazu. Auf dem Bebelplatz wird bei der 17. Ausgabe der „Staatsoper für alle“ die von Zubin Mehta dirigierte Staatskapelle Berlin Bruckners Sinfonie Nr. 7 spielen (19.30 Uhr). Einen Besuch wert ist auch hier ldie Kastellanswiese im Schlossgarten Schönhausen, wo das Ukrainian Freedom Orchestra am 24. August (19.30 Uhr) unter Dirigentin Keri-Lynn Wilson aufspielen wird. Und wer sein Herz für Wassermusik entdecken möchte, kann zur Floating University Berlin fahren (Lilienthalstr. 32, Neukölln): Dort ist für den 30. Juli (12-22 Uhr) eine Regenwassersinfonie mit Wasserbeckentanz, Gummistiefeltouren und anderen nassen Programmpunkten angekündigt.

Live-Konzert mit Ambient-Sound und Film

Das Gelände der „Fahrbereitschaft“ (Herzbergstraße 40-43, Lichtenberg) sollte man sowieso einmal gesehen haben. Zu DDR-Zeiten war sie die Zentrale der Abteilung Transport des Zentralkomitees der SED, daher ihr Name. Heute sind auf dem Gewerbehof mit größtenteils aus den 1950er-Jahren stammenden Gebäuden zahlreiche Künstlerateliers ihren Sitz – und die Sammlung des Mäzens Axel Haubrok.

In der historisch stilechten Tankstelle ist für den 7. August (18-22.30 Uhr) ein Live-Konzert mit Ambient-Sound ankündigt, dazu werden Filme aus der Sammlung Haubrok gezeigt. Schon am 5. Juli sollte man sich in der Gegend aufhalten, wenn im Dong Xuan Center (Herzbergstr. 128-139) zum Saigon Soul Revival eingeladen wird – ein Popmusik-Festival, das sich der ganzen Welt öffnen möchte (17-22 Uhr).

Sommerfest am Kulturforum: Große Tafel in der Sigismundstraße

Als im vergangenen Jahr eine große Tafel in der Sigismundstraße aufgestellt und zum Beisammensein eingeladen wurde, erwies sich das als durchschlagender Erfolg für das sonst eher unbeliebte Kulturforum. Auch diesmal laden die Anrainer zum Sommerfest ein (3. September, 11-22 Uhr).