Auf den ersten Blick wirken die Beete vor dem Museum für Naturkunde unscheinbar und haben kaum etwas zu tun mit den Blütenträumen und Farborgien, wie man sie auf Instagram oder auf Gardening-Websites besichtigen kann. Aber darum geht es der britischen Künstlerin Alexandra Daisy Ginsberg auch überhaupt nicht. Das Publikum, sagt sie bei der Eröffnung des Projekts „Pollinator Pathmaker“ an der Invalidenstraße, seien nicht die Menschen. Es seien die Käfer, die Schmetterlinge, die Würmer und Bienen.
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Auf einer Fläche von 722 Quadratmetern gedeihen nun über 7000 Pflanzen 80 unterschiedlicher Arten, um einer Vielfalt bestäubender Insekten Nahrung zu bieten. Auswahl und Anzahl der Pflanzen wurden dabei einem eigens dafür programmierten Algorithmus überlassen, in den Daten über die Präferenzen und Verhaltensmuster von Bestäuberinsekten eingespeist wurden – so ist bekannt, dass sich Bienen ihre Umgebung einprägen und den exakten Standort einer Pflanze merken, während Käfer sich auf ihre Geruchssensorik verlassen. Über allem stand die Frage: Wie würden Gärten aussehen, wenn Bestäuber sie nach ihrem Geschmack anlegen könnten?
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„In Deutschland“, sagt Alexandra Daisy Ginsberg, „sind die Bestände fliegender Insekten in den letzten 30 Jahren um 75 Prozent geschrumpft.“ Das „lebendige Kunstwerk“, das in Zusammenarbeit mit LAS Art Foundation und dem Museum für Naturkunde entstehe, enthalte einige ihrer Lieblingspflanzen: „die von vielen Insekten geliebte Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) mit ihren zarten, hängenden und rostroten und altrosa Blüten; die leuchtend blaue Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus), die neben Kurz- und Langkopfhummeln auch viele andere Insekten anzieht; und auch der Balkan-Bärenklau mit seinen markanten, architektonisch anmutenden Blüten-Türmen in burgunderrot und weiß.“ Im Rahmen einer projektbegleitenden Kampagne unter sollen Menschen in Berlin und anderswo animiert werden, ebenfalls Gärten mithilfe des Algorithmus anzulegen – überall, wo dies möglich ist.



