Peggy Guggenheim mochte das Bild nicht, sie fand es furchteinflößend – eine Traumszenerie mit gekrümmten Körpern und seltsam wuchernden Formen. Andererseits konnte es sich die ambitionierte Kunstmäzenin nicht leisten, in ihrer Sammlung ausgerechnet auf den Mann zu verzichten, der international in aller Munde war: auf Salvador Dalí. Und so erwarb sie widerwillig seine 1931/32 entstandene „Geburt der flüssigen Begierden“, um sie in ihrem Palazzo am Canal Grande in Venedig präsentieren zu können.
Von Giorgio de Chirico bis Salvador Dalí
Von dort wird es eigentlich sehr selten verliehen, wie Kurator Daniel Zamani am Montag im Museum Barberini feststellte – und doch hat es jetzt seinen Weg nach Potsdam gefunden. Schon seit einigen Jahren planen Zamani und sein Team die aus vielen internationalen Leihgaben gespeiste Ausstellung „Surrealismus und Magie“, die am 22. Oktober eröffnen soll. Es ist, nach Venedig, die zweite Station einer spektakulären Schau, die anhand von mehr als 90 Werken unter anderem von Dalí, René Margritte, Max Ernst, Leonora Carrington, Giorgio de Chirico erkundet, wie sich Surrealistinnen und Surrealisten den Traumhaften und Mythischen widmeten. Für Zamani, der über das Zusammenspiel okkulter und mittelalterlicher Formen im Werk von André Breton promovierte, ist es eine Rückkehr auf ureigenstes Terrain – darf man in Breton mit seinem 1924 erschienenen „Manifest des Surrealismus“ doch einen Gründungsvater der Bewegung erkennen.
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Momentan sind die Ausstellungsräume noch mit den Versandkisten vollgestellt, die nun nach und nach ausgepackt werden können. Mit Bedacht freilich, denn um Schäden zu vermeiden, sind für jede Kiste 24 Stunden Akklimatisierungszeit vorgesehen. Das Museum Barberini gewährte am Montag einen seltenen Einblick in die Praxis der Ausstellungsmacherei: Zunächst wurde, unter den prüfenden Augen des aus Venedig entsandten Guggenheim-Kuriers Marco Rosi, der Dalí an die Wand gehängt. Danach durften die Gäste miterleben, was im Netz seit einigen Jahren als „Unboxing“ Erfolge feiert – nur wurde diesmal kein neues iPhone, sondern Max Ernsts „Einkleidung der Braut“ (1940) ausgepackt. Zwei Mitarbeiter des Museums holten das Bild vorsichtig aus der schaumstoffgepolsterten Gehäuse und legten es auf einen Inspektionstisch, wo es Marco Rosi und Restauratorin Felicitas Klein auf mögliche Transportschäden untersuchten. Es hängt nun Dalís Gemälde direkt gegenüber. Peggy Guggenheim, so war zu hören, liebte es sehr.
Surrealismus und Magie. Verzauberte Moderne. Museum Barberini, Humboldtstr. 5-6, Potsdam. Ab 22. Oktober.



