Die deutsche Beziehungskomödie ist ja irgendwie am Ende. Allzu oft haben die Schweigers und Schweighöfers dieses Genre für die immergleichen Geschichten genutzt, außerdem zumeist aus rein männlicher Sicht. Doch dann kam die Schauspielerin Karoline Herfurth und hat als Regisseurin gezeigt, wie es richtig geht. Ihr Regiedebüt „SMS für dich“ begann 2016 gleich damit, dass eine große Liebe starb. Der ganze Film handelte dann davon, wie das überhaupt noch gehen soll, sich nach einem solchen Verlust noch einmal zu verlieben.

„Einfach mal was Schönes“: Von Ko-Elternschaft und Paaren mit Altersunterschied

Als Regisseurin hat Karoline Herfurth danach andere Pfade eingeschlagen: erst mit der Krimikomödie „Sweethearts“ (2019), dann mit dem sehr viel ernsthafteren Episodenfilm „Wunderschön“ (2021), in dem es um drei Schwestern und deren Eltern ging, und um falsche Schönheitsideale, denen sie alle nacheifern. Nun kehrt Herfurth mit „Einfach mal was Schönes“ scheinbar wieder zur Beziehungskomödie zurück. Um sie aber mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen. Und das ganze Genre irgendwie auszuhöhlen.

Wieder spielt die Schauspielerin, Koautorin und Regisseurin dabei die Hauptrolle. Und anfangs bewegt sie sich noch in den herkömmlichen Bahnen dieses Genres, wenn ihre Klara ihrem Freund offenbart, dass sie endlich ein Kind kriegen will, ihn damit in die Flucht schlägt und sich ihm noch heulend ans Bein hängt, um ihn zurückzuhalten.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Youtube, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Später sehen wir sie noch einige traurige Blind Dates unternehmen, die sie unter anderem in ein Xletix-Schlammbad führen, wo sie letztlich aber immer wieder als Verliererin dasteht. Bis sie sich schließlich, da die biologische Uhr tickt, entscheidet, allein ein Kind zu kriegen. Und nach einem Samenspender sucht, der ernsthaft an einer Ko-Elternschaft interessiert ist.

Ein Muss: Ulrike Kriener in einer ihrer schönsten Rolle seit langem

Das ist ein ganz anderes, viel ernsteres und auch kontrovers diskutiertes Thema als die, die sonst in diesem Komödienfach behandelt werden. Just als Klara sich gegen eine neue Beziehung entschieden hat, begegnet ihr indes der elf Jahre jüngere Krankenpfleger Ole (Aaron Altaras). Der verliebt sich in sie. Und auf den lässt sie sich, nach erstem Bedenken wegen des großen Altersunterschieds, doch ein. Bis Ole versehentlich von ihrem Kinderplan erfährt. Und davon kalt erwischt wird. Weil er sich dafür noch nicht alt genug fühlt.

Wie im Vorgängerfilm „Wunderschön“ geht es auch diesmal wieder um drei Schwestern, wovon die eine (Nora Tschirner mal nur in einer Nebenrolle) unglückliche Mutter ist, und die andere (Elzemarieke de Vos) ihre Freundin heiraten will. Die Eltern sind geschieden, die Mutter (Ulrike Kriener) hängt seither an der Flasche, und der Vater (Herbert Knaup) heiratet eine Jüngere - was bei Männern ja kein Problem ist.

Der Beginn einer wunderbaren Beziehung: Klara soll Ole (AaronAltaras) mal anhauchen, weil sie raucht und er aufgehört hat.
Der Beginn einer wunderbaren Beziehung: Klara soll Ole (AaronAltaras) mal anhauchen, weil sie raucht und er aufgehört hat. © Warner Bros.

Herfurth reißt da viele Themen an. Und zeigt auch andere, modernere Familienentwürfe. Dafür hat sie ein starkes Team gewonnen, das sie zu schauspielerischen Hochleistungen führte. Allein Ulrike Kriener in einer ihrer besten Rollen zu erleben, ist ein Muss. Aber auch das Duo Herfurth/Altaras harmoniert hervorragend. Und nicht mit den üblichen Geigen im Himmel. Als sie sich kennenlernen, bittet er sie, ihn anzuhauchen. Liebesodem? Iwo. Sie raucht nur, er hat es aufgegeben, ist aber noch immer süchtig.

Kein typisches Heititei-Ende: Alles ein bisschen erwachsener

Immerzu unterläuft Herfurth dabei die klassische Erwartungshaltung. Und scheint sie wie absichtlich brechen zu wollen. Während sonst in diesem Genre eitel Sonnenschein herrscht, ist dieser Film total verregnet. Wie um schon auf diese Art eine andere Grundstimmung anzuschlagen.

Und dann lösen sich am Ende nicht alle Nebenstränge in einem einzigen großen Happy End auf. Kein typisches Heititei - alles ein bisschen erwachsener. Überall gibt es nur erste, vorsichtige Annäherungen zu einem glücklicheren Ausgang. Alles andere wäre auch aufdringlich. Oder, wie Nora Tschirner es zwar in einem ganz anderem Zusammenhang, aber doch ganz treffend sagt: „Das gibt’s nur im Kino.“

Tragikomödie D 2022 116 min., von Karoline Herfurth, mit Karoline Herfurth, Aaron Altaras, Nora Tschirner, Ulrike Kriener, Herbert Knaup