Ausstellung

Das Museum für Fotografie wendet sich ans jüngere Publikum

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Clara Andersen
Willy Römer, "Auch an Bord gibt es wie auf dem Land Puppenmütter", 1932.

Willy Römer, "Auch an Bord gibt es wie auf dem Land Puppenmütter", 1932.

Foto: © bpk / Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek/Photothek Willy Römer / Museum für Fotografie

„Vogelschau und Froschperspektive. Fotografie für Kinder“ heißt die neue Ausstellung im Haus an der Jebensstraße.

Berlin. „Wir gehen heute ins Museum“ – für viele Kinder sorgt wahrscheinlich schon die bloße Vorstellung für ein genervtes Augenrollen. Das möchte das Museum für Fotografie nun ändern: Vom 9. Oktober 2022 bis zum 19. Februar 2023 öffnet es mit seiner Sonderausstellung der Kunstbibliothek „Vogelschau und Froschperspektive. Fotografie für Kinder“ erstmals insbesondere für die kleinen Gäste seine Tore.

„Absolute Spitzenwerke der Fotografie“

„Wir wollen vor allem einen Erlebnisraum schaffen, in dem Kinder, aber auch Erwachsene, die Welt der Fotografie entdecken können“ sagt Moritz Wullen, Direktor der Kunstbibliothek. Es handele sich bei der Ausstellung um ein Generationenprojekt, mit dem man experimentell herausfinden wolle, wie man auch ein jüngeres Publikum für die Fotografie begeistern könne, so Wullen. Ganze 240 Werke umfasst die Schau, der es von Knipsbildern und Postkarten über Kunstfotografie bis hin zu Fotoreportagen und Blechbildern an nichts fehlt. Laut Wullen handelt es sich um „absolute Spitzenwerke der Fotografie“ und ihm sei wichtig zu betonen, dass die Ausstellung, trotz ihrer kindgerechten Gestaltung, qualitativ ein „ganz hohes Niveau“ habe.

Die bunte Mischung aus Originalfotografien, plastischen Werken und Filmen soll den Gästen vor allem die Gebrauchsweisen und Ausdrucksformen der Fotografie- (Geschichte) verständlich machen. „Damit das Ganze nun auch wirklich kindgerecht ist, haben wir die Ausstellung in zehn assoziativ gruppierte Kapitel gegliedert“, erklärt Christine Kühn, die Kuratorin der Ausstellung, während sie auf Werke in dem Kapitel „Schule“ deutet. Dort gibt es neben Schultütenbildern und Schulaufnahmen auch Geheimsprachenalphabete zu entdecken. Das Thema Schule betreffe Kinder ganz konkret und sei für viele von ihnen daher interessant, so Kühn.

Wenn man weiter durch die Ausstellung geht, stellt man fest, dass es sich bei den anderen Kapiteln ähnlich verhält: Die Themen umfassen Tier- und Naturaufnahmen, Alltagserzählungen wie eine Fotoreportage von einem Schulbus in Nanjing, Erinnerungen an Familie und Freunde, sowie Werke zum Thema Freizeit, Verkleidung und Straßentheater. In einem Raum steht außerdem eine große Litfaßsäule, auf der neben gesellschaftsrelevanten Plakaten auch Platz für eigene Werke der kleinen Besucher ist. „Es gibt viele Objekte, die Kinder anfassen oder selbst aktiv etwas machen können“, sagt Kühn. In Anlehnung an die Ausstellung werden für die Kinder zudem noch Fotografie-Workshops während der Ferien veranstaltet, wie die Co-Kuratorin Katja Böhlau erzählt.

Laut den beiden Kuratorinnen sei die Ausstellung für Kinder im Grundschulalter am besten geeignet. Ihnen sei aufgefallen, dass es in Museen häufig Angebote für ganz kleine Kinder oder eben für Erwachsene gebe, aber das Alter dazwischen werde oft vernachlässigt. Das soll die Ausstellung ändern, so Kühn. „Wir haben auch viele Kinder gefragt, was sie sich für so eine Ausstellung wünschen würden“, fährt sie fort. Die Ergebnisse davon seien bei der Auswahl der Werke mit eingeflossen. Trotzdem sei die Ausstellung nicht nur etwas für Kinder, meint die Kuratorin. „Viele Projekte, die für Kinder entstehen, können für Erwachsene genauso spannend sein. Das muss man nicht immer trennen“.

Museum für Fotografie, Jebensstr. 2, Charlottenburg. Geöffnet Fr.-Mi. 11-19 Uhr, Do. 11-20 Uhr.