Film

Acht Mütter und Anke Engelke

Die Interviews werden in Alltagssituationen nachgestellt.

Die Interviews werden in Alltagssituationen nachgestellt.

Foto: TOM TRAMBOW / Kinofreund

Regisseurin Carolin Schmitz hat acht Frauen über Mutterschaft interviewt. Anke Engelke gibt ihnen ein Gesicht.

Berlin. Dieser Film verlangt eine Neujustierung der Sehgewohnheiten, von der ersten Sekunde an. Anke Engelke sitzt in einer Badewanne vor braunen Kacheln, hat die Knie hochgezogen und Schaum aufgetürmt, blickt in die Kamera und sagt den Satz: „Ich war absolut frigide.“

Beziehungsweise sagt sie es gar nicht, und das ist der Clou dieses sehenswerten Films. Anke Engelke bewegt die Lippen synchron zu der Erzählung einer anonymen Frau, die aus dem Off zu hören ist – und die ernst und ergreifend von dem Schicksal erzählt, Sexualität als Zumutung erfahren zu müssen.

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Regisseurin Carolin Schmitz hat für „Mutter“ acht Frauen im Alter zwischen 30 und 75 Jahren interviewt. Es ging ihr um die Fragen, was Mutterschaft in der heutigen Zeit bedeutet, wie Schwangerschaften erlebt, wie Kindererziehung organisiert wird, was das für das Freiheitsbedürfnis bedeutet und welche Folgen sich für Partnerschaften daraus ergeben.

Lebensbeichte in der Autowaschanlage

Die gesammelten Lebensgeschichten werden nun in den fiktiven Alltag Anke Engelkes integriert. Während sie die Frauen sprechen lässt, fährt sie in die Autowaschanlage, geht zum Einkaufen und zu einer Theaterprobe, bügelt oder lässt sich die Haare richten.

Dieser Kunstgriff hat einen erstaunlichen Effekt: Die Erzählungen der Frauen über Abtreibungen, Geburtseuphorie, Schmerzen, Trennungen und Lebensglück weisen über den individuellen Fall hinaus und fügen sich zum Panorama eines nach wie vor unterbelichteten Themas: Was es nämlich eigentlich bedeutet, Mutter zu werden und zu sein.

Dokudrama, D 2022 87 min., von Carolin Schmitz, mit Anke Engelke