Wer im zweiten Stock des Humboldt Forums den Rundgang durch die nun neu eröffnenden Ausstellungsräume beginnt, landet zunächst in einer Werkstatt. Die temporäre Schau „Leerstellen. Ausstellen“ beschäftigt sich mit den rund 10.000 Objekten im Ethnologischen Museum Berlin, die dem heutigen Tansania zugeschrieben werden – aber eben nicht, indem sie einfach hergezeigt werden.

Vielmehr soll ihre Herkunftsgeschichte problematisiert, der europäische Blick auf die Objekte infrage gestellt werden. In Zusammenarbeit mit dem National Museum of Tanzania will das kuratorische Team aus Berlin eine gemeinsame Präsentation erarbeiten, die derzeit noch in den Kinderschuhen steckt. Es ist alles noch im Werden.

Die Präsentation der Benin-Bronzen wurde vollständig überarbeitet

Aber das passt ja ganz gut zu dem prozesshaften, sich im Dialog mit den Herkunftsgesellschaften ständig wandelnden Charakter, den das Humboldt Forum insgesamt annehmen möchte. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), sagte bei der Pressekonferenz am Donnerstag, das Humboldt Forum müsse sich „kontinuierlich verändern und weiterentwickeln“.

Am Beispiel der mit Spannung erwarteten Säle zum Königreich Benin kann man nun ablesen, wie das zu verstehen ist: In den vergangenen sechs Monaten wurde ein vollständig neues Präsentationskonzept für die Artefakte erarbeitet, die 1897 von britischen Kolonialisten aus dem Königreich Benin im heutigen Nigeria geraubt wurden.

Es bindet nun nicht nur die Debatte um Provenienz und Restitution ein, die sich an ihrem Beispiel besonders stark entzündete – sie trägt auch der Tatsache Rechnung, dass die SPK die vollständige Rückgabe der Bronzen an Nigeria verhandelt und beschlossen hat. Die etwa 40 Objekte, die jetzt noch im Humboldt Forum zu sehen sind, sind Leihgut.

Ein Modell der kambodschanischen Tempelanlage Angkor Wat.
Ein Modell der kambodschanischen Tempelanlage Angkor Wat. © epd | Juergen Blume

Am Freitag wird der 680 Millionen Euro teure Bau in Berlins historischer Mitte mit einem Festakt vollständig eröffnet werden, am Wochenende wirbt das Humboldt Forum mit einem 24-Stunden-Programm, bei dem unter anderem Generalintendant Hartmut Dorgerloh zu später Stunde eine „Nachteulenfürung“ anbietet.

Zu den neu zugänglichen Bereichen gehören neben den Sälen mit afrikanischen Kunst- und Kulturgütern auch Räume zu Nord-, Mittel- und Südamerika sowie der zweite Teil der Präsentation des Museums für Asiatische Kunst.

Buddhistischer Tempel aus Bergen der Turfan-Region in China

Die „Höhle der Ringtragenden Tauben“, ein buddhistischer Tempel aus den zerklüfteten Bergen der heutigen Turfan-Region in China, ist nur einer von vielen Höhepunkten. Hinzu kommen Sonderausstellungen zu den Omaha in den USA, den Naga in Indien oder zur Diversität des Islam, die in enger Kooperation mit Co-Kuratorinnen aus den Herkunftsgesellschaften entwickelt wurden.

Als Leitmotive sind immer wieder Interventionen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler zu besichtigen, wie auch viele Objekte zur im gesamten Haus vertretenen „Geschichte des Ortes“.