Konzertkritik

Joss Stone: Entfesselt, wild und zuckersüß

| Lesedauer: 2 Minuten
Ulrike Borowczyk
Joss Stone bei einer Show im brasilianischen Sao Paulo

Joss Stone bei einer Show im brasilianischen Sao Paulo

Foto: Vanessa Carvalho/Brasil Photo Press / ZUMA Press Wire

Joss Stone sang in der Columbiahalle. Ihre markante, kraftvolle Soul-Stimme nahm das Publikum zu satten Grooves sofort mit.

Berlin. Soul pur, der aus tiefster Seele kommt: Das ist Joss Stone, wenn sie singt. Stets hochtourig emotional, teils bis zur Schmerzgrenze. Wie in "L-O-V-E". In jedem Fall geben ihr die Songs dazu reihenweise Anlass, drehen sie sich doch vor allem um die Liebe, das sicherlich schönste, zuweilen aber auch das komplizierteste Gefühl der Welt.

Für Joss Stone ist es definitiv essentiell. Trägt ihre Tour doch den Namen ihres aktuellen achten Albums „Never Forget My Love“, das im letzten Jahr erschien und von Eurythmics-Mastermind Dave Stewart produziert wurde. Wie auch auf den Vorgänger-Werken, hat die Grammy- und Brit-Award-Gewinnerin darauf einmal mehr Genre-Grenzen eingerissen. Vereint in den neuen Tracks auf sehr elegante und verspielte Art Soul, Pop und Jazz.

Was auf dem Album zuweilen etwas zu kitschig gerät, klingt live wesentlich entfesselter und wilder. Da kommen Joss Stones Live-Qualitäten zum tragen. Natürlich performt die Singer-Songwriterin auch ihre Hits. Wie "A Chokin' Kind" mit eleganten Gospelbögen. Oder das treibende "Don't Cha Wanna Ride".

Demnächst in der Columbiahalle:

Die Soul-Pop-Sängerin aus dem britischen Devon ist gerade mal 35 Jahre alt und schon im 20. Jahr ihrer erfolgreichen Karriere, die 2003 mit einem Paukenschlag und ihrem Album „The Soul Sessions“ begann. Darauf sang Joss Stone umwerfende Cover-Versionen von wenig bekannten Soulsongs. Wie „Super Duper Love“. Live eine umjubelte extralange Version. Ihre markante, kraftvolle Soul-Stimme, die sie in schwindelerregende Höhen schrauben kann, nimmt das Publikum dabei zu satten Grooves ihrer achtköpfigen Band sofort mit. Man verliert sich nur zu gern darin.

Natürlich tritt Joss Stone wieder barfuß auf, was schließlich ihr Markenzeichen ist. In einem Interview verriet sie mal, dass sie so keine Angst hätte, vor den Zuschauern zu stolpern. Außerdem hätte das barfüßige Auftreten noch einen weiteren Vorteil: Sie müsse sich keine Gedanken um irgendwelche passenden Schuhe sie zu ihrem Bühnenlook machen und müsse daher auch nicht mit einem Koffer voller modischer Treter touren.

Sie trägt ein zauberhaftes rückenfreies orangefarbenes Kleid, das ihren Babybauch kaum verhüllt. Joss Stone erwartet bekanntlich ihr zweites Kind. Was sie strahlen lässt. Ihrer ein Jahr alten Tochter Violet Melissa hat sie übrigens den Song „You're My Girl“ gewidmet, den sie selbstredend auch singt. Zuckersüß und sehr soulig.